Erstmals Olympische Winterspiele in China

China hat den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2022. Doch Menschenrechts-Organisationen äußern ihren Unmut über die Vergabe. Das Land steht aufgrund zahlreicher politischer Gefangener und des Umgangs mit Minderheiten in der Kritik.

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Der Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2022 an Peking ist am Freitag in China mit Jubel aufgenommen worden. Bei den offiziellen Feiern am «Vogelnest» genannten Olympiastadion in der chinesischen Hauptstadt sowie in den anderen Austragungsorten in Zhangjiakou sprangen die Menschen in die Höhe und schwenkten Fähnchen. «Wir haben es geschafft», sagte die Eisschnellläuferin Wang Beixing.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping versprach in einer Fernsehansprache kurz vor der Vergabe «außergewöhnliche und ausgezeichnete Spiele». China werde alle Verpflichtungen gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einhalten. Der Zuschlag für 2022 werde viele Chinesen zu Wintersportlern machen.

Peking ist damit die erste Stadt in der olympischen Geschichte, die sowohl Sommer- als auch Winterspiele ausrichtet. Nach dem Rückzug von München und anderen Kandidaten waren am Ende nur noch Peking und Außenseiter Almaty als Bewerber übriggeblieben, die beide wegen ihrer Menschenrechtsproblematik im Kreuzfeuer der Kritik stehen. In Reaktionen wurde am Freitag vor verschärfter Verfolgung von Bürgerrechtlern und Unterdrückung von Minderheiten gewarnt. «Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erweist der olympischen Idee und den Menschenrechten in China damit einen Bärendienst», fand die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen.

«Hunderte Menschenrechtler in China werden diese Fehlentscheidung mit Haft oder sogar ihrem Leben bezahlen müssen, da die Volksrepublik vor den Spielen erneut ihre Verfolgung von Uiguren, Tibetern, Mongolen und Anhängern der Demokratiebewegung verstärken wird», sagte der GfbV-Experte Ulrich Delius. IOC-Präsident Thomas Bach müsse sich für verfolgte Journalisten, Blogger und Anwälte in China einsetzen und einen Missbrauch der Spiele für Pekings Propaganda verhindern.

«Das IOC hat die falsche Botschaft an die falschen Leute zur falschen Zeit gesendet», kritisierte die Tibet Initiative Deutschland. «Die chinesische Regierung hat es einmal mehr geschafft, dass die Welt ihre verheerenden Menschenrechtsverletzungen einfach so hinnimmt.» Die Ehre, Olympische Spiele zum zweiten Mal austragen zu dürfen, sei «ein Propaganda-Geschenk» zu einer Zeit, wo Chinas Regierung eigentlich für ihre Menschenrechtspolitik abgestraft werden müsste.

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