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Rohstoff-Schock: Die nächste Krise der Weltwirtschaft am Horizont

Der Verfall der Rohstoff-Preise trifft die Produzenten hart und wird mit voller Wucht auf ihre Wirtschaft durchschlagen. Anders als in früheren Krisen können die Zentralbanken nicht mit niedrigen Zinsen gegensteuern. Export-Nationen wie Deutschland müssen sich auf massive Einbrüche vorbereiten.

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Die Rohstoffpreise sind global in einer scharfen Baisse. Der Preis für Erdöl als wichtigstem Rohstoff ist stark gefallen und hat sich halbiert. Unter normalen Umständen wird sich die Preisbaisse fortsetzen. Die Preisbestimmung auf den Energiemärkten ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung: Die Weltmarktpreise verschiedenster Energieformen sind hoch korreliert und sorgen für eine extreme Exposition spezialisierter Produzentenländer. Diese werden den Sturz der Rohöl-Preise mit voller Wucht zu spüren bekommen.

Die Preisbildung von Rohöl folgt seit den 1970er Jahren einem Muster langer Zyklen. Korrekt interpretiert haben die Erdölschocks der 1970/80er und der 2000er Jahre eine hohe Ähnlichkeit. Auch wenn sie nicht kausal den exakt gleichen Faktoren zuzuschreiben sind.

Quelle: EIA

Quelle: EIA

Die nominellen Preise von Erdöl (blaue Linie) verzeichneten in den 1970er Jahren den prozentual grössten Anstieg, genauer in den Jahren 1973 bis 1981. Nach einer Stagnation auf hohem Niveau brachen sie 1986 ein und fielen ungefähr auf die Hälfte des Preises zurück. Sie oszillierten nachher während mehr als einem Jahrzehnt auf diesem neuen Gleichgewichtsniveau. Die realen Preise von Erdöl (rote Linie) dagegen vermitteln ein anderes Bild. Dabei werden zwei verschiedene Definitionen verwendet. Diejenige der amerikanischen Energieagentur EIA, welche eine Konsumentensicht abbildet und hier gezeigt wird, und diejenige der Produzentenländer OPEC, welche die Produzentenseite erfassen soll. Im Ergebnis sind beide kaum zu unterscheiden.

Wichtig ist, dass in den 1970er und frühen 1980er Jahren ein erheblicher Teil des Anstiegs der Erdölpreise durch die allgemeine Inflation aufgefressen wurde. Preisbereinigt war der Anstieg des Erdölpreises nicht stärker als in den 2000er Jahren. Die Weltwirtschaft hat also in den 2000er Jahren einen zweiten Erdölschock erlebt, mit dem Höhepunkt 2011/12. In der Größenordnung war dieser Schock mindestens so bedeutend wie in den 1970er Jahren. Der Rückgang von 2015 ähnelt demjenigen von 1986 stark. Zwar beträgt er bisher im Jahresmittel erst rund 40%. Die aktuellen Marktpreise aber liegen nochmals fast 10 $ tiefer. Die historisch präzedenzlose Lagersituation sowie die anhaltende Angebotsausweitung aller großen Produzenten – USA, Russland, Saudi-Arabien – lassen ein weiteres, unter Umständen massives Abrutschen der Preise erwarten.

Der Preiseinbruch im Erdöl ist nicht nur im Absturz vergleichbar wie 1986. Auch die Umstände weisen eine gewisse Parallele auf. Saudi-Arabien als swing producer im OPEC-Kartell vermochte den Erdölpreis nicht mehr zu stabilisieren. Damals hatte die Kombination von neuen Anbietern (Nordseeöl) und einem Rückschlag der Nachfrage zur Überproduktion geführt. Um den Preis hochzuhalten, hatte das Königreich in den Vorjahren die Produktion drastisch eingeschränkt (gelbe Linie). Als Saudi-Arabien Ende 1985 seine Politik aufgab, die Produktion weiter zu drosseln, kollabierte der Ölpreis.

2014/15 war es wieder Saudi-Arabien, das den großen Preis-Kollaps auslöste. Die Überproduktion entstand durch die starke Zunahme der amerikanischen Erdölförderung. Die Ausdehnung des mit neuen Methoden gewonnen Öls repräsentiert eine schwere Bedrohung für die Marktmacht des OPEC-Kartells. Saudi-Arabien, in einer viel komfortableren Situation als Mitte der 1980er Jahre, entschied sich für eine Vorwärtsstrategie. Das Land sorgte ab Mitte 2014 dafür, dass die OPEC-Quoten nicht nach unten angepasst wurden, und dehnte seine Produktion deutlich sichtbar über seine Quote hinaus. In der ersten Jahreshälfte 2015 produzierte das Land so viel Erdöl wie nur in der Spitze 1980.

1986 markierte ein positives Datum für die Weltwirtschaft. Zwischen 1986 und 1990 expandierte die globale Konjunktur nach dem Rückschlag der ersten Hälfte der 1980er Jahre kräftig. Weltweit setzte ein langfristiger Wachstumsprozess ein, der eigentlich – nur unterbrochen von zyklischen Rezessionen 1993 und 2002 – bis 2008 anhielt.

Oberflächlich betrachtet erscheint die Entwicklung im Jahr 2015 ähnlich denjenigen im Jahr 1985. Der Preiseinbruch ist in Bezug auf die Größenordnung vergleichbar. Deshalb sind viele Analysten positiv, und die Märkte sind extrem hoch bewertet. Doch diesmal dürfte die makroökonomische Gesamtwirkung erheblich anders ausfallen.

Wichtig dafür ist eine Reihe von strukturellen Veränderungen der Weltwirtschaft. Das Gewicht der Länder, welche auf die Produktion von Energie und Rohstoffen spezialisiert sind, hat im Boom der 2000er Jahre massiv zugelegt. Diese Länder werden vom Preisfall der Energiepreise mit voller Wucht getroffen. Wichtig sind auch Strukturveränderungen im Energiesektor selber. Die Energieintensität der Wirtschaft ist in den OECD-Ländern viel geringer als vor 30 Jahren. Deshalb löst der Preisfall in der gleichen Größenordnung wie damals geringere positive Wachstumsimpulse aus.

Vor allem die US-Konsumenten profitieren aufgrund der veränderten Fördermethoden für Erdgas viel weniger als in der Vergangenheit vom Fall der Erdölpreise: Sie haben die Erdgas-Dividende bereits seit 2009 bezogen. Und wichtig ist das makroökonomische Umfeld: Die frühen 1980er Jahre waren Jahre hoher Inflation. Der Fall der Erdölpreise 1985 / 86 beschleunigte den Prozess der Disinflation und erlaubte es den Notenbanken damals, die Zinsen drastisch zu senken. Zum reduzierten Erdölpreis gesellte sich also ein sehr kräftiger monetärer Stimulus. Dieser zusätzliche Antrieb wird diesmal ausbleiben. Grosse Wirtschaftsräume wie die USA, Europa oder Japan haben schon seit Jahren Nullzinsen oder Zinsen nahe bei Null. Und China als größter Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft des vergangenen Jahrzehnts ermattet im Wirtschaftswachstum, oder könnte sogar einen Einbruch erleiden.

Um diese Konstellation genauer zu analysieren, werden die Faktoren im Einzelnen dargestellt. Ein Faktor, den viele Analysten nicht berücksichtigen, ist die Korrelation der international gehandelten Energiepreise. Nicht verwunderlich ist die hohe Korrelation der Rohölpreise. Nur in den letzten Jahren trat eine ungewöhnliche Preisdifferenz zwischen der Erdölsorte Brent, dem weltweiten Benchmark für Rohöl, und West Texas Intermediate (WTI) auf. Dieser Spread entstand durch die ‚tight oil’ Produktion in den USA, durch mangelnde Transportkapazität zwischen Texas und der Ostküste, sowie durch das Exportverbot für Rohöl in den USA. Auch Ural, der wichtigste Referenzpreis für russisches Rohöl, ist hoch mit Brent korreliert. Dessen Spread ist gegenüber den 1990er Jahren stark zurückgegangen.

Quelle: EIA

Quelle: EIA

Was weit weniger bekannt ist, wie hoch Rohöl mit anderen international gehandelten Energiepreisen korreliert ist. Im Folgenden werden Graphiken für die raffinierten Erdölprodukte wie Benzin, Diesel oder Heizöl für den amerikanischen Markt gezeigt. Die USA haben die weltweit größte Raffinerie-Kapazität und sind auch einer der größten Exporteure der Welt für Öl-Derivate. Die Preise repräsentieren nicht Detailhandelspreise, sondern Großhandelspreise auf Spotmärkten. Und wichtig ist, dass die Preissetzung auch in den USA sich auf Brent und nicht auf WTI bezieht.

Quelle: EIA

Quelle: EIA

Rohöl und Erdgas sind im globalen Kontext im unterschiedlichen Ausmaß korreliert. In den USA galt während Jahrzehnten eine grobe, technisch bedingte Relation zwischen Rohöl- (blaue Linie) und Erdgaspreisen. Kurz- und mittelfristig gab es Perioden bedeutender Abweichungen. Seit 2009 ist der Preiszusammenhang völlig zusammengebrochen. Der Einsatz des Fracking zur Gewinnung von ‚shale gas’ hat die Erdgaspreise (grüne Linie) zum Einsturz gebracht. Die Rohölpreise (blaue Linie) verzeichneten dagegen historische Höchstwerte. Erdgas wird in den USA zu Heizzwecken und zur Elektrizitätsproduktion verwendet. Die Preisbaisse hat deshalb den Konsum und die allgemeine Konjunktur bereits seit 2009 unterstützt. Von daher wird der Effekt fallender Rohölpreise auf Benzin und Heizöl beschränkt bleiben. Konsum und Konjunktur werden zusätzlich verstärkt, aber nur in einem gegenüber 1986 sehr reduzierten Ausmaß.

In Europa wird der Preis für Erdgas traditionell anders bestimmt. Er wird nach einer fixen Formel an die Erdölpreise für Brent der vergangenen Monate angepasst. Auch das nach Europa exportierte russische Erdgas wurde so bepreist. Seit 2009 wurde zusätzlich ein Discount in Verhandlungen festgelegt. Deshalb haben die russischen Erdgaspreise im Export (rote Linie) die Hausse von Brent in den Jahren 2011-14 nicht mehr voll mitgemacht. In Asien wird mangels Transportmöglichkeiten Erdgas nicht nur mit einem Discount, sondern eher mit einem Aufschlag gegenüber Brent festgelegt. In der Graphik sind die Preise für indonesisches Flüssiggas (engl. Liquid Natural Gas, kurz LNG) angegeben. Vor allem China und Japan sind gegenwärtig und zukünftig große Bezüger von Erdgas.

Quelle: EIB

Quelle: EIA

Schließlich sei auf die Preise international gehandelter Kohle verwiesen. Kohle repräsentiert das mit Abstand schnellst wachsende Segment im Außenhandel mit Energieprodukten. Die Weltmarktpreise für Kohle sind ebenfalls hoch korreliert mit den Rohölpreisen.

Quelle: EIB

Quelle: EIA

Die Analyse zeigt somit ein gemischtes Bild: Im Inneren eines Landes können Energiepreise administriert, oder von speziellen Bedingungen wie im Falle des Erdgas in den USA etc. geprägt sein. Die Weltmarkt- oder anders ausgedrückt die Export- und Importpreise verschiedener Energiesorten dagegen sind global hoch korreliert. Der Rückgang der Transportkosten und die Entwicklung von Derivatemärkten haben die globalen Energiemärkte integriert.

Für die einzelnen Länder macht es in unterschiedlichem Ausmaß strukturell langfristig Sinn, sich nur auf Rohöl oder Erdgas zu spezialisieren oder im Gegenteil Exporte verschiedener Energieprodukte zu kombinieren. Durch den Betrieb von Raffinerien können etwa grosse Rohölproduzenten eine zusätzliche Wertschöpfung aufbauen. Für einzelne Länder mag es auch günstig sein, Erdgas zu verflüssigen und so durch Seetransport Absatzmärkte zu erschließen. Auch die Versorgung der eigenen Bevölkerung bzw. Wirtschaft mit Energie kann durch die Diversifikation sichergestellt werden.

Aber in einem zyklischen Weltmarkt-Kontext bietet diese Diversifikation keinen Schutz. Die Korrelation der Preise weltweit gehandelter Energie ist sehr hoch. Und die Preisschwankungen von Rohöl, welche die Weltmarktpreise dominieren, sind derart massiv, dass sie alle anderen Effekte weit überragen. Abweichungen mag es geben, aber sie sind in aller Regel temporär und quantitativ nicht genügend bedeutsam. Diese hohe Korrelation hat Effekte auf die makroökonomischen Systemrisiken in globaler Hinsicht.

Den Preissturz des Erdöls werden alle Produzentenländer, die im Export auf Energie spezialisiert sind, voll zu spüren bekommen. Sie werden richtiggehend in einen Hammer hineinlaufen. Und zwar unabhängig davon, ob sie Rohöl, Derivate wie Benzin, Diesel, Heizöl oder Kerosin, oder ob sie Erdgas oder Kohle exportieren. Ihre Exporteinnahmen werden, zeitlich um einige Quartale verzögert, durch den Sturz der Erdölpreise mehr als halbiert werden. Selbstverständlich bleibt die Wirkung nicht auf diese Länder beschränkt. Sie werden ihre Importe massiv einschränken müssen, und damit wird es die großen Exportländer treffen: China, USA, Deutschland, Japan, Korea. Der Sturz der Erdölpreise wird noch ganz andere Effekte haben als nur eine Konsumbeschleunigung im Inneren von OECD-Ländern.

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Obama: Angela Merkel ist die neue Ansprechpartnerin der USA
Obama: Angela Merkel ist die neue Ansprechpartnerin der USA
US-Präsident Obama will sich über den Umgang der EU mit Großbritannien künftig direkt mit Bundeskanzlerin Merkel abstimmen. Bisher waren die Briten der erste Ansprechpartner für die US-Regierung. Hillary Clinton will genau diese Achse aufrechterhalten.
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US-Präsident Barack Obama mit der damaligen Außenministerin Hillary Clinton im September 2012. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama mit der damaligen Außenministerin Hillary Clinton im September 2012. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama stimmt sich beim Umgang mit der britischen Entscheidung für den EU-Austritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, berichtet die AFP. Er habe am Freitag mit Merkel telefoniert, sagte Obama in einer Rede an der kalifornischen Stanford-Unversität. Dabei habe er mit der Kanzlerin vereinbart, „dass die USA und ihre europäischen Verbündeten in den kommenden Wochen und Monaten eng zusammenarbeiten werden“.

Obama äußerte zugleich die Erwartung, dass Großbritannien seinen Austritt aus der Europäischen Union in „geordneter“ Weise vollziehen werde. In einem Telefonat mit dem britischen Premierminister David Cameron habe er mit diesem abgesprochen, dass die Wirtschafts- und Finanzteams beider Regierungen in engem Kontakt bleiben sollten.

Der britische Regierungschef, der das Referendum anberaumt, aber für den Verbleib seines Landes in der EU geworben hatte, hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt. Er will, dass erst sein Nachfolger die Ausstiegsverhandlungen mit der EU führt.

Einen anderen Akzent setzte Hillary Clinton, voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten: Sie sagte, die „special relationship“ zwischen Großbritannien sowie der transatlantischen Allianz und den USA sei weiterhin unverbrüchlich.

Der US-Präsident hatte sich für den Verblieb Großbritanniens in der EU eingesetzt. Bei einem Besuch in Großbritannien im April warnte er vor schwindendem britischen Einfluss in der Weltpolitik bei einem EU-Austritt. Die Europäische Union habe den britischen Einfluss nicht geschmälert, sondern „vergrößert“.

Die Intervention des US-Präsidenten nutzte aber womöglich eher dem Brexit-Lager. Sie könnte „kontraproduktiv“ gewesen sein, sagte am Freitag der Europa-Experte Michael Geary vom Wilson Center, einem Washingtoner Institut.

Für die USA werden nun die Beziehungen sowohl zu Großbritannien als auch zur Europäischen Union komplizierter und instabiler. Die unüberschaubaren Folgewirkungen des Brexit machen beide Partner zu unberechenbaren Größen.

In einem knappen schriftlichen Statement versicherte Obama am Freitag, dass sowohl die Europäische Union als auch Großbritannien für die USA „unverzichtbare Partner“ blieben, auch während der Phase der Neuverhandlung ihrer gegenseitigen Beziehungen. Und er beteuerte, dass die „besondere Beziehung“ zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien erhalten bleibe und Washington weiter auf Großbritannien als Nato-Partner setze.

Die USA haben ihre besonders enge Partnerschaft zu Großbritannien traditionell dafür genutzt, innerhalb Europas Einfluss auszuüben. Die „besondere Beziehung“ zu London habe die Kooperation mit der EU bei vielen Themen leicht gemacht, sagte der Experte Jeffrey Rathke vom Center for Strategic and International Studies in der US-Hauptstadt. Nach der Entscheidung für den Brexit müssten die USA nun ihre Kooperation mit anderen europäischen Staaten „aufpeppen“.

Stunde der Wahrheit: Brexit als Auslöser der nächsten Finanz-Krise
Stunde der Wahrheit: Brexit als Auslöser der nächsten Finanz-Krise
Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist ein Katalysator für gravierende globale Fehlentwicklungen. Er wird als externer Faktor verwendet werden, um massive Bereinigungen in einer Zombie-Wirtschaft vorzunehmen, die zuletzt nur noch auf Zeit gespielt hat. Die Zeit ist jetzt abgelaufen.…
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Der Premier hat seine Schuldigkeit getan: David Cameron mit Frau Samantha am Tag nach dem Brexit. (Foto: dpa)

Der Premier hat seine Schuldigkeit getan: David Cameron mit Frau Samantha am Tag nach dem Brexit. (Foto: dpa)

Für sich genommen und rein rational betrachtet ist der Austritt Großbritanniens aus der EU kein Anlass, der die Welt in eine neue Wirtschaftskrise stürzen kann. Tatsächlich hat das Vereinigte Königreich eine ausgesprochen privilegierte Position in der EU gehabt. Angesichts der vielen komplexen Verträge, die die EU mit anderen Staaten hat, wäre es theoretisch leicht, nun eben auch mit London eine neue Form der Zusammenarbeit zu finden. Der Preis, den beide Parteien zahlen müssen, ist überschaubar und hält sich die Waage: Die EU bekommt keine Netto-Zahlungen mehr, dafür können die Briten nicht mehr mit- und reinreden. Norwegen und die Schweiz haben ähnliche Beziehungen mit der EU. Die Flucht in den Schweizer Franken nach dem Brexit zeigt, dass das durchaus sehr gut funktionieren kann.

Politisch gesehen wird sich nun zeigen, wie pragmatisch die EU ist und wie flexibel die Nachfolger Camerons agieren. Die EU ist ja der Inbegriff von Völkerfreundschaft und Verständigung. Also sollte es möglich sein, mit den Briten einen fairen Deal zu finden. Denkbar ist allerdings auch, dass die nationalen Kräfte die Oberhand gewinnen: Wie leicht Völker gegeneinander aufzuwiegeln sind, haben wir in dieser Reihenfolge bei Griechenland, Russland, Polen und der Türkei gesehen. Die politischen Opportunisten sitzen nicht nur in den Reihen der neuen rechten Parteien, sondern auch in den Regierungen. Immerhin: Der Brexit hat gezeigt, dass eine ausschließlich auf Angst basierende Kampagne nicht verfängt.

Dies hängt paradoxerweise mit der Tatsache zusammen, dass die meisten Leute keine Angst haben – sondern eher Wut, Entfremdung und Unverständnis gegenüber für sie anonymen Institutionen empfinden. Die Angst machte sich vor allem an der zunehmenden Ablehnung von Migration und Zuwanderung bemerkbar. Hier wurden die Briten Opfer einer diabolischen Verführungskunst: Sie sind der Fiktion erlegen, dass die Ausländer die Sündenböcke sind und dass alles gut wird, wenn nur erst die Grenzen geschlossen sind. Absurderweise konnten jene EU-Ausländer, die in Großbritannien Steuern zahlen und zu einem guten Teil die Wirtschaft am Laufen halten, nicht mitstimmen. Dasselbe gilt für andere Migranten, die ebenfalls Steuern zahlen, aber eben noch eine andere Staatsbürgerschaft haben.

Das Paradox besteht in der Tatsache, dass die Leute eigentlich allen Grund hätten, mit Sorge in die Zukunft zu blicken: Das globale Wirtschaftssystem steckt in einer fundamentalen Krise. Vieles ist auf Sand und falschen Versprechungen gebaut. Das Banken-System in der City hat davon profitiert, dass London eine Steueroase ist – mit bisher offenen Toren für Geldwäsche und Steuerhinterziehung aus dem Ausland. Dieses Geschäft dürfte nach dem Brexit in die USA abwandern. Die Amerikaner haben mit den Panama Papers bewiesen, wie die globale Akquisition funktioniert.

Das Gefährliche am Brexit ist, dass er in den kommenden Monaten all jenen die perfekte Begründung liefern wird, die vom Zombie-System profitiert haben. Der Brexit war ein Schwarzer Schwan mit Ansage und kurzer Selbsttäuschung: In den letzten Tagen vor dem Referendum haben sich viele noch ein letztes Mal der Illusion hingegeben, dass man nur zu warten brauche, bis die Lage besser wird. Die enge Verquickung von Politik und Finanzindustrie zeigte der EU-Gegner Nigel Farage: Er war der erste, der bekanntgab, dass die EU-Befürworter gewonnen hätten. Das Pfund schoss in die Höhe. Wenige Stunden später stellte sich heraus, dass das Gegenteil der Fall war. In der Zwischenzeit könnten Spekulanten ein Vermögen verdient haben. Welche Rolle Farage spielte, wird nie bekannt werden.

Nun aber werden Banken, Unternehmen, Verbände und Märkte den Brexit nutzen, um aufzuräumen. Sie können nun, wie nach 9/11 oder Lehman, ein externes Ereignis für schlechte Zahlen, Massenentlassungen, Schließungen und sogar Pleiten anführen. Diese Bereinigung wäre in jedem Fall gekommen. Es liegt aber in der Natur der Menschen, dass man bis zuletzt versucht, die Augen zu schließen und den Crash zu vermeiden – in der Hoffnung, alles sei nur ein böser Traum, den man durch Erwachen hinter sich lassen kann.

Die Ankündigung der Zentralbanken, die Banken mit Liquidität zu stützen und die Ankündigung der Fed, mit Swaps an den Devisenmärkten zu intervenieren, sind deutliche Signale, dass die Weltgemeinschaft zwar aufgewacht ist. Doch sie findet sich nicht einem von Wachstum getriebenen Umfeld wieder, in dem externe Schocks verdaut werden können, sondern in einer weltweiten Rezession, deren Vorbote der Rohstoff-Schock gewesen ist. Die Jagd nach Assets ist Ausdruck der globalen Schulden-Krise, die man auch an Großbritannien erkennen kann: Das Land ist stärker verschuldet als das vielgescholtene Italien.

Anders als beim Platzen der Dotcom-Blase ist noch nicht zu erkennen, wer am Ende von den gravierenden Umwälzungen profitieren wird, die die technologische Revolution von Internet und Industrie 4.0 angestoßen hat. Die „Old Economy“ – von den Banken über die Rohstoffe bis zum Automobil-Sektor – leidet unter einer massiven Überproduktion, der keine künftige Nachfrage gegenübersteht. Bis auf wenige Länder hat kaum eine Regierung dieses Menetekel erkannt. Und auch dort, wo die Innovation herkommt – etwa –en USA – werden nicht die Massen profitieren, sondern eine neue, digitale Oberschicht. Soziale Verwerfungen sind unausweichlich.

Doch diese Spannungen werden erst langsam Folgen für die Gesellschaft zeigen. Sie werden verschärft durch die mangelnden Lösch-Qualitäten der Zentralbanken, in der EU vor allem der EZB: Die Rentensysteme der Lebensversicherer stehen in Europa vor dem Kollaps – und erstaunlicherweise findet dieses Thema öffentlich nur wenig Beachtung. So sagte Kanzleramtsminister Altmaier beim CDU-Wirtschaftstag beiläufig, dass sich auch die deutschen Rentner künftig von der Idee der 100 Prozent-Deckung verabschieden müssen und sich eher auf 80 Prozent einstellen müssen. 90 Millionen Verträge in Lebensversicherungen hängen in der Luft. Die Ergo-Versicherung hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, zu überlegen, das Geschäft mit den Lebensversicherungen in eine eigene Gesellschaft ausgliedern zu wollen. Das ist alles andere als beruhigend.

Der Brexit als Katalysator eines morschen globalen Finanzsystems ist nicht, wie einige Kommentatoren meinen, ein Konflikt „Alt gegen Jung“ oder „Stadt gegen Land“ oder „Gebildet gegen Ungebildet“. Der Brexit macht die Bruchlinie sichtbar zwischen dem einen Prozent und den 99 Prozent auf aller Welt. Der Brexit beendet den Alptraum vom Crash, indem der Crash zur Realität wird. Grundlegende Verwerfungen werden in den kommenden Monaten mit dem Label „Brexit“ versehen, weil man auch damit ganz praktisch Sündenböcke gefunden hat. Es werden die „dummen Briten“ sein, denen man die Schuld an der Misere in die Schuhe schieben kann. Doch hinter dem Brexit lauert der echte Crash: Er geht nicht auf das Konto von Wutbürgern. Er ist das eiskalte Kalkül von zynischen Geschäftemachern in Politik und Finanzwirtschaft, die bisher noch bei jedem Crash unerkannt und unbestraft geblieben sind.

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Das neue Buch von DWN-Herausgeber Michael Maier erscheint in wenigen Tagen beim Finanzbuch Verlag München. (Foto: FBV)

Das neue Buch von Michael Maier. (Foto: FBV)

DWN-Herausgeber Michael Maier analysiert in seinem neuen Buch das Wesen der Finanz-Kriege als direkte Folge der Schuldenkrise. Die Jagd nach wirklich werthaltigen Assets führt zu einem mörderischen, globalen Verteilungskrieg. Ein einziges Ereignis genügt, um das weltweite Finanzsystem in seiner unüberschaubaren Vernetzung zu gefährden. In einer solchen Situation neigen die Staaten dazu, Gewalt in jeder Form wieder in ihr tägliches Repertoire aufzunehmen. In der Regel sind die Leidtragenden nicht diejenigen, die einen Crash verursacht haben.

Michael Maier: „Das Ende der Behaglichkeit. Wie die modernen Kriege Deutschland und Europa verändern“. FinanzBuch Verlag München, 228 Seiten, 19,99€.

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Juncker erwartet weitere Volksabstimmungen über die EU
Juncker erwartet weitere Volksabstimmungen über die EU
EU-Präsident Juncker erwartet Volksabstimmungen über die EU auch in anderen europäischen Staaten. Den etwa 1.000 britischen EU-Beamten gab Juncker eine Job-Garantie: Sie arbeiten für die EU und nicht für Großbritannien.
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EU-Präsident Jean-Claude Juncker am Tag nach dem Brexit in Brüssel. (Foto: dpa)

EU-Präsident Jean-Claude Juncker am Tag nach dem Brexit in Brüssel. (Foto: dpa)

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schließt weitere Referenden zum Austritt aus der Europäischen Union nicht aus. Dies sei möglich, „da Populisten in der Regel keine Gelegenheit auslassen, um mit viel Lärm für ihre Anti-Europa-Politik zu werben“, sagte Juncker in einem Interview der Bild-Zeitung. Es dürfte sich allerdings jetzt rasch zeigen, dass es Großbritannien nach dem Votum für einen EU-Austritt bald schlechter gehen werde – „wirtschaftlich, sozial und außenpolitisch“. Beim EU-Gipfel kommende Woche müsse es eine offene und ehrliche Diskussion geben, wie man die Sorgen der Bürger aufnehmen und gegen „Populisten“ vorgehen könne.

Kritik äußerte Juncker am britischen Premier David Cameron, der das Referendum angesetzt und wegen der Niederlage nun seinen Rücktritt angekündigt hat. Der Ausgang sei nicht verwunderlich. „Denn wenn jemand von Montag bis Samstag über Europa schimpft, dann nimmt man ihm auch am Sonntag nicht ab, dass er überzeugter Europäer ist.“ Der sogenannte Brexit sei dennoch nicht der Anfang vom Ende. Europa müsse sich nun darauf konzentrieren, Investitionen anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.

Indirekt stellte Juncker den Verbleib des britischen EU-Kommissars Jonathan Hill infrage, der in Brüssel für den Finanzmarkt zuständig ist. „Das ist jetzt zuallererst eine persönliche Entscheidung von Lord Hill, den ich als erfahrenen Politiker sehr schätze“, so der Kommissionspräsident. Den etwa 1000 britischen EU-Beamten gab Juncker eine Jobgarantie. Denn sie arbeiteten für Europa und nicht Großbritannien.

Krise der EU treibt Kosten für Staatsanleihen in die Höhe
Krise der EU treibt Kosten für Staatsanleihen in die Höhe
Die Entscheidung der Briten gegen die EU ist auch am Staatsanleihen-Markt zu spüren. Die Zinskosten für zweijährige, griechische Anleihen stiegen um mehr als 40 Prozent. Auch die portugiesischen, spanischen und italienischen Anleihen geraten unter Druck.
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Die Refianzierungskosten für die Staaten sind erheblich gestiegen. (Grafik: zerohedge)

Die Refianzierungskosten für die Staaten sind erheblich gestiegen. (Grafik: zerohedge)

Das Ja zum Austritt aus der EU wirkt sich nun auch auf die Zinskosten der EU-Länder aus. Die Zinskosten für zwei-, fünf- und zehnjährige Anleihen aus Südeuropa haben allesamt zugelegt. Für zweijährige griechische Bonds beispielsweise liegen die Kosten nun bei 10,63 Prozent. Die Kosten  für zehnjährige stiegen um fast zehn Prozent. Ähnliches zeigt sich auch in Portugal, Italien und Spanien.

Hier sind die Zinskosten für kurzfristige Anleihen zwar bei weitem nicht so hoch wie in Griechenland, doch gestiegen sind die Kosten ebenfalls deutlich. Und bei den langfristigen Anleihen ging es für Portugal wieder auf 3,36 Prozent rauf.

Spekulationen über die Auswirkungen auf die EU insgesamt und über mögliche weitere Referenden im EU-Raum setzen die Staatsanleihen unter Druck. Am Freitag hatten die Schotten noch einmal über eine Abspaltung von Großbritannien nachgedacht, Italien Protestpartei fordert ebenfalls ein Referendum.

Selbst in Katalonien, wo die Regierung derzeit vor dem Zerbrechen steht, kommt nun wieder eine Abspaltung von Spanien ins Gespräch. Das hat zu einem regelrechten Ausverkauf bei den Anleihen der spanischen Region geführt. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise um einen Prozentpunkt in die Höhe auf 5,502 Prozent. Papiere der Zentralregierung in Madrid warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Deren Rendite stieg auf bis zu 1,742 von 1,480 Prozent.

Im Gegenzug dazu fielen die Kosten für Anleihen aus Deutschland, Österreich und Frankreich. Nach einem Abfall um 26,7 Prozent zahlen die Anleger jetzt sogar 0,55 Prozent für zweijährige deutsche Schuldtitel. Und für zehnjährige, deutsche Anleihen liegen die Zinskosten derzeit bei Minus 0,62 Prozent. Die Zinskosten für zweijährige, österreichische Anleihen liegen bei Minus 0,53 Prozent.

Bereits zu Beginn der Woche waren die Kosten für Anleihen aus Südeuropa nach oben geschnellt. Das wachsenden Ungleichgewicht in der EU macht es der EZB sehr schwer, Südeuropa weiter mit ihrer expansiven Geldpolitik zu stärken. Der Brexit könnte die Situation nun verschärfen.

Ohne London: Amerikaner erwarten weniger Widerstand gegen TTIP
Ohne London: Amerikaner erwarten weniger Widerstand gegen TTIP
US-Experten glauben, dass sich der Abschluss des TTIP ohne Großbritannien verzögern wird. Sie sehen jedoch einen sehr positiven Aspekt: Deutschland und Frankreich würden nicht so energisch für ihre Banken kämpfen wie Großbritannien.
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Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der amerikanische Handelsbeauftragte Mike Froman unterhalten sich am 02.06.2015 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. (Foto: dpa)

Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und der amerikanische Handelsbeauftragte Mike Froman unterhalten sich am 02.06.2015 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. (Foto: dpa)

Die britische Entscheidung zum Austritt aus der Europäischen Union ist Experten zufolge ein Rückschlag für die Verhandlungen zwischen den USA und der EU über ein Freihandelsabkommen. „Das ist noch ein Grund, warum sich TTIP wohl verzögern wird“, sagte Heather Conley von der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies am Freitag. Der früheste realistische Termin sei nun 2018. Dieses Datum nannte auch Hosuk Lee-Makiyama, Direktor des European Centre for International Political Economy in Brüssel. In den kommenden Monaten werde die EU wegen des Brexit sehr mit sich selbst beschäftigt sein. Der US-Handelsbeauftragte Michael Froman sagte, der Einfluss des Brexits werde analysiert. Klar sei aber: „Die wirtschaftliche und strategische Logik für TTIP bleibt stark.“ Die TTIP-Verhandlungen sollen Mitte Juli in Brüssel fortgeführt werden.

Die Verhandlungen über die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) wurden vor drei Jahren aufgenommen und stocken gegenwärtig. Besonders in Deutschland und Frankreich werden die Chancen des Abkommens zunehmend skeptisch bewertet. In beiden Staaten stehen im kommenden Jahr Wahlen an. Ohnehin ist unklar, wie es nach dem Ende der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama im Januar auf der anderen Seite des Atlantiks weitergeht. Auch inhaltlich liegen die beiden Wirtschaftsräume in vielen wichtigen Punkten weit auseinander, etwa beim Umweltschutz oder dem Zugang zu staatlichen Aufträgen.

Mit dem Austritt Großbritanniens stehe den USA auch nicht mehr ein Ansprechpartner mit einer ähnlichen Wirtschaftskultur zur Verfügung, erklärten die Experten. Den Amerikanern könnten am Verhandlungstisch nun Vertreter von Staaten gegenübersitzen, die in einigen Punkten noch stärker auf ihre Positionen beharrten, sagte Chad Brown vom Peterson Institute for International Economics.

Lee-Makiyama zufolge könnten die Gespräche nun immerhin in einem Punkt einfacher werden: Die Regulierung der Finanzdienstleistungen sei eigentlich nur für Großbritannien von vordringlicher Bedeutung. „Deutschland und Frankreich sind vermutlich bereit, loszulassen“, sagte er. Allerdings: „Damit verbleiben noch etwa 20 ungelöste Streitpunkte mit fast dem gleichen Schwierigkeitsgrad.“

Auf Gold gesetzt: Soros gewinnt Wette gegen die EU
Auf Gold gesetzt: Soros gewinnt Wette gegen die EU
Vor einer Woche hatte US-Investor George Soros wegen des von ihm erwarteten Brexit auf Gold gesetzt - und damit satte Gewinne gemacht. Die genaue Höhe seiner Wette ist nicht bekannt.
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George Soros bezahlte Bürgerverbände in Ferguson für die Organisation der Proteste. (Foto: dpa)

US-Investor George Soros. (Foto: dpa)

Vergangene Woche hatte Soros in einem Gastbeitrag der Zeitung Guardian exakt dieses Szenario vorausgesagt, wobei er von einem Einbruch des Pfunds von insgesamt 20 Prozent ausgeht. Zuvor hatte das Soros Fund Management mehrere Aktien-Pakete abgestoßen und stattdessen Gold und Anteile an Gold-Minen erworben. Soros Fund Management verwaltet insgesamt 30 Milliarden Dollar, berichtet das Wall Street Journal. Der US-Investor hatte bereits im Jahr 1992 gegen das britische Pfund gewettet und einen großen Gewinn eingestrichen.

Das britische Pfund verzeichnete nach dem Referendum den heftigsten Kursverlust zum Dollar seit mindestens 30 Jahren, berichtet Market Watch. Der Kurs liegt derzeit bei etwa 1,38 Dollar, doch nach Ansicht des US-Investors George Soros könnte es bis auf 1,15 Dollar fallen. Ein billiges Pfund macht britische Produkte anderswo billiger, verteuert aber Importe und kann so zu höherer Inflation und sinkender Kaufkraft führen.

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