Zucker-Produzenten kämpfen gegen fallende Preise

Fallende Zuckerpreise, Kartellbußen und Abschläge im Bioethanol-Markt sind schlechte Bedingungen für Zuckerproduzenten weltweit. Besonders Südzucker musste einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen. Platow verrät, wo das Zuckergeschäft sich dennoch lohnt.

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Keine Frage: Die vergangenen zwei Jahre waren bitter für Zuckerproduzenten. Auch ihre Aktionäre hatten meist mit sauren Zitronen gehandelt, statt sich an süßen Kursgewinnen zu laben. Zu viele schlechte Nachrichten auf einmal prasselten auf die europäischen Branchenvertreter ein: Das magische Datum 1.10.17, wenn nach fast 50 Jahren die Zuckermarktordnung auslaufen wird, wirft lange Schatten in Form deutlich fallender Zuckerpreise voraus; dazu kamen hohe Kartellbußen und eine gewisse Ernüchterung im Markt für Bioethanol.

(Grafik: Platow Börse)

(Grafik: Platow Börse)

Besonders schlimm traf es den europäischen Branchenprimus Südzucker. Das Mannheimer Unternehmen musste im Geschäftsjahr 2014/15 (per 28.2.) einen Umsatzrückgang von 10% hinnehmen, das Nettoergebnis je Aktie bekam mit einem Minus von 93% auf 0,10 Euro einen regelrechten Zuckerschock. Die auf 0,25 Euro pro Aktie halbierte Dividende musste folglich teilweise schon aus der Substanz gezahlt werden.

Schnelle Besserung ist nicht in Sicht, das Management stimmt seine Aktionäre wegen der „unbefriedigenden Erlössituation im europäischen Zucker- und Ethanolmarkt“ schon einmal auf anhaltend schwierige Zeiten ein. Umsatz und Ergebnis dürften 2015/16 erneut schrumpfen, womit sich auch das mit 72 sehr hohe KGV der Aktie (15,16 Euro; DE0007297004) erklärt. Lediglich der 31%ige Abschlag zum Buchwert wirkt reizvoll. Dieses Argument alleine trägt eine Kaufempfehlung für Südzucker aber nicht, weshalb wir von einem Wiedereinstieg in den MDAX-Titel abraten. Mehr Chancen sehen wir bei der Südzucker-Beteiligung Agrana. Zwar verlief auch bei den Österreichern das Geschäftsjahr 2014/15 (per 28.2.) mit einem Umsatzrückgang von 12% nicht zuckersüß, doch ging das EPS „nur“ um 23% zurück. 2015/16 dürfte sich die Lage bei beiden Kennzahlen stabilisieren, zudem ist die Aktie (77,35 Euro; AT0000603709) auffallend günstig: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis taxieren wir auf 0,9 und die Dividendenrendite auf üppige 4,7%.

>Schnäppchenjäger lassen es sich schmecken und steigen in Wien bis 77,40 Euro in Agrana ein; Stopp 65,50 Euro. Den mit Abstand besten Chart des europäischen ZuckerTrios weist Associated British Foods auf, die Aktie (3 186 GBp; GB0006731235) hat ihr Allzeithoch vom Dezember fast erreicht. Das überrascht nicht, gebieten die Londoner neben der Tochter ABSugar doch über vier weitere Sparten, darunter die bekannte Textileinzelhandelskette Primark, und sind somit besser gegen mögliche Zuckerschocks gewappnet. Im Halbjahresabschluss per 28.2. konnten auch deshalb minimale Zuwächse bei Umsatz und (angepasstem) EPS ausgewiesen werden. In der gesamten Abrechnungsperiode dürfte das EPS gleichwohl leicht einknicken, um sich 2015/16 mit +34% deutlich zu erholen. Schließlich dürften die hohen Investitionen (u. a. in neue Verkaufsflächen von Primark) dann erste Früchte tragen. Da das FTSE 100-Mitglied mit einem 15/16er-KGV von 31 mittlerweile aber doch recht hoch bewertet ist, stufen wir es auf „Halten“ ab. >Bleiben Sie also bei ABF engagiert und sichern Sie Teile Ihrer Kursgewinne von bis zu 215% (PB v. 30.5.11) jetzt mit neuem Stopp bei 2520 GBp.

 

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