Goldman Sachs holt sich den ehemaligen Nato-Chef Rasmussen

Der frühere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wird Berater bei Goldman Sachs. Die Investment-Bank dürfte durch die Personalie gute Einblicke in die US-Geopolitik bekommen. Es ist ein Europa ein Novum, dass ein Nato-Politiker zu Goldman wechselt, um die Bank an seinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der frühere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wird Berater bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Rasmussen soll offiziell bei der dänischen Abteilung von Goldman unterkommen. Das bestätigte der Sprecher der Bank, Martin Hintze, der dänischen Zeitung Beringske Tidende. Goldman verkauft das Engagement des früheren höchsten Militär-Politikers der Nato bewusst „low key“: Es heißt, man wolle von Rasmussen Unterstützung bei einer besseren Kommunikation mit der Politik in Dänemark. Dort hatte nämlich der Einstieg Goldmans am zuvor rein staatlichen Energieversorger Dong im Jahr 2014 zum Ausstieg der sozialistischen Volkspartei aus der Regierung und zu Neuwahlen geführt. Es war zu einem regelrechten Proteststurm der Bevölkerung gekommen, der allerdings ohne Wirkung blieb. Goldman hält nun über zwei Investmentfonds 19 Prozent der Anteile an Dong und kann somit jede wichtige Entscheidung im Unternehmen blockieren.

Goldman instrumentalisiert den seinerzeitigen Aufstand sehr geschickt: Die Bank sehe sich als langfristiger Investor in Dänemark und wolle Rasmussen wegen seiner guten Kenntnisse der dänischen Innenpolitik als Kommunikations-Experten, um solche Pannen wie beim Einstieg bei Dong künftig zu vermeiden, sagte Hintze laut Politiken.

Tatsächlich bekommt Goldman damit direkten Einblick in die geostrategischen Zielsetzungen der Nato inklusive der Feindaufklärung: Rasmussen war mit Abstand der schärfste Gegner Russlands und hat die Nato-Staaten wiederholt gedrängt, ihre Armeen wegen der von ihm ausgemachten Bedrohung durch Russland aufzurüsten. Er war der führende Kopf in der Neuausrichtung der Nato gegen Russland beim Gipfel in Wales.

Rasmussen ist also bestens informiert, in welchen Segmenten die Rüstungsindustrie in den kommenden Jahren in Europa positioniert wird. Rasmussen kennt wie kaum ein anderer die Hintergründe aller militärischen Konflikte auf der Welt inklusive der Pläne der USA in neuen Regionen wie der Ukraine oder Georgien. Für Goldman als Investment-Bank ist das Wissen über mögliche geostrategische Entwicklungen unbezahlbar. Wie jede Investmentbank macht Goldman seine Profite mit Wetten. Es ist bekannt, dass man Wetten am ehesten gewinnt, wenn man einige Fakten kennt, die andere nicht kennen.

Selbstverständlich wird Rasmussen keinerlei Interna aus seiner Nato-Zeit an Goldman weitergeben und sich strengstens an die Verschwiegenheitsvereinbarungen halten, die ihm bei seinem von den Steuerzahlern finanzierten Nato-Job auferlegt wurden.

Auch der heutige EZB-Chef Mario Draghi war in seiner Zeit als Goldman Sachs-Banker in London peinlichst genau darauf bedacht, keine Verwischungen der Kompetenzen zu tolerieren. Daher weigerte er sich, auf Anfrage von Bloomberg über die mysteriösen Vorfälle beim Euro-Beitritt Griechenlands zu antworten. Goldman Sachs hatte geholfen, das griechische Defizit mit Währungs-Swaps zu verschleiern. So wurde die Euro-Gruppe über die tatsächlichen Zahlen Griechenlands getäuscht. Der EuGH bestätigte Draghis Entscheidung und wies eine Klage von Bloomberg ab – weil die Enthüllungen sonst zu Turbulenzen an den Märkten hätten führen können.

Dass ein hochrangiger Militär-Politiker zu Goldman wechselt, ist in Europa eine Novität. Bisher waren die Reisen eher umgekehrt verlaufen, und hier vor allem im zivilen Sektor: Der Ex-Goldman Mario Monti wurde Berlusconi-Nachfolger, der Ex-Goldman Lucas Papademos beerbte den Griechen Papandreou. Mario Draghi selbst wechselte von Goldman zur EZB, genauso wie Mark Carney, der heute Gouverneur der Bank of England ist.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick