Google-Konkurrent: Schwacher Rubel trifft russische Suchmaschine Yandex

Die Rohstoff-Krise macht Russland zu schaffen. Nun gerät auch der Technologie-Konzern Yandex unter Druck: Die Suchmaschine ist eine der wenigen, globalen Alternativen zu Google. Doch der schwache Rubel macht Yandex bei seinen Wachstumsplänen zu schaffen.

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Um Russlands Wirtschaft ist es derzeit nicht zum Besten bestellt. Die Rezession des ersten Quartals hat sich im zweiten noch weiter verschärft. Der russische Wirtschaftsministers Alexej Uljukajew rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung im abgelaufenen zweiten und im folgenden dritten Quartal um 3,5% bzw. 4% einbrechen wird, nach minus 2,2% im Auftaktquartal. Als Reaktion hat die Notenbank den Leitzins zum 3. August um 0,5 Prozentpunkte auf 11% gesenkt. Damit, so die Währungshüter, solle die von einem niedrigen Ölpreis weiter geschwächte Konjunktur wieder Aufwind bekommen. Der Ölpreis ist seit seinem Jahreshoch im Juni um mehr als 20% eingebrochen.

Für Russland ein echtes Problem: Zusammen mit Erdgas macht Öl rund die Hälfte aller russischen Exporteinnahmen aus. Für einen ausgeglichenen Haushalt braucht das Land etwa 80 US-Dollar je Barrel. Derzeit sind es 50 Dollar je Barrel Brent. Die Wirtschaftsflaute und die Rubelkrise treffen die russischen Konzerne hart, vor allem diejenigen, die den Großteil ihrer Umsätze im Inland erzielen, wie etwa der Online-Suchmaschinenbetreiber Yandex. Mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal hat das Unternehmen erneut die Erwartungen verfehlt. Zwar konnte Yandex seinen Umsatz um 14% auf 13,9 Mrd. Rubel steigern, der Gewinn brach jedoch um satte 82% auf 0,4 Mrd. Rubel ein. Anleger reagierten geschockt. Binnen kürzester Zeit wurde die Aktie (12,80 Euro; A1JGSL; NL0009805522) um mehr als 9% nach unten geprügelt. Der übergeordnete Abwärtstrend hat damit wieder an Fahrt gewonnen.

Kursschwankungen des Yandex. (Screenshot: Ariva)

Kursschwankungen des Yandex. (Screenshot: Ariva)

Seit Anfang des Jahres hat der Anteilschein mehr als 60% an Wert eingebüßt. Und es könnte weiter abwärts gehen, denn mit dem Kursrutsch in den vergangenen Tagen hat die Aktie die wichtige Horizontalunterstützung bei 13 Euro gerissen und ein neues Rekordtief markiert – aus technischer Sicht ein klares Verkaufssignal. Auch die fundamentalen Aussichten sind nicht gerade rosig. So hat Yandex auf Grund der geopolitischen Risiken sowie der Währungsproblematik die Erwartungen an das Gesamtjahr gedämpft und peilt für das laufende Jahr lediglich ein Umsatzwachstum von 11 bis 13% an. Im Schlussquartal 2014 konnte Yandex seinen Umsatz noch um mehr als 20% steigern. Ein weiteres Manko: Trotz des Kursverfalls in den vergangenen Monaten ist die Aktie weiterhin nicht billig. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr ergibt sich für Yandex ein KGV von 20. Die Chancen auf einen Turnaround stehen denkbar schlecht.

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