Wolkenkratzer ohne Stahl und Beton: Paris plant größtes Holzgebäude der Welt

Ein kanadisches Architekturbüro hat einen 35-stöckigen Wolkenkratzer komplett aus Holz entworfen. Das Gebäude soll in Paris direkt an der Stadtautobahn entstehen und bis zu 3.700 Tonnen Kohlendioxid aus der Luft speichern.

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Beim Bau des 35-stöckigen Wolkenkratzers wollen die Architekten ganz ohne Stahl und Beton auskommen. (Screenshot)

Beim Bau des 35-stöckigen Wolkenkratzers wollen die Architekten ganz ohne Stahl und Beton auskommen. (Screenshot)

In der Pariser Stadtarchitektur soll statt Stahl- und Glasbauten der natürliche Rohstoff Holz wieder eine Rolle spielen. Zumindest wenn es nach dem kanadisches Architekturbüro Michael Green Architecture (MGA)  und seinen Pariser Kollegen von DVVD geht. Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs, dessen Ziel es ist Lösungen für den Städtebau im 21. Jahrhundert zu finden, stellten sie ihr neuestes Projekt „Baobab“ vor. Auch der Name, den auch der afrikanische Affenbrotbaum trägt, soll also ganz klar vermitteln, dass hier auf Holz gesetzt wird.

Wie MGA auf ihrer Homepage mitteilen, soll ein Wolkenkratzer mit 35 Stockwerken entstehen. Der Wettbewerb Réinventer Paris (Paris Neuerfinden) ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Paris schon heute eine Vorreiterrolle im modernen Städtebau einnimmt. „Paris ist der ideale Ort, um echte ökologische Entwicklung neu zu erfinden und zu demonstrieren, um der Jugend von Paris eine Möglichkeit zum Leben und Gedeihen zu geben und gleichzeitig ihre Verbundenheit zu der Stadt zu sichern.“, sagte Paul Jarquin, Präsident des Immobilienunternehmens REI France, das ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist.

Sogar einen Standort wurde für Baobab schon gefunden. Der Wolkenkratzer soll relativ zentrumsnah entstehen und dabei die Peripherique überspannen. So heißt der teilweise bis zu zehnspurige Autobahnring, der die Innenstadt von Paris umkreist. Baobab stünde somit direkt an der Quelle von Lärm- und Schmutz.

Doch die Höhe und der Rohstoff sind nicht das einzig innovative an Baobab. Im Fokus steht ein ökologischer, nachhaltiger Städtebau der auch soziale Probleme angeht und ein gesellschaftliches Miteinander fördert. Deshalb soll es neben günstigem Wohnraum auch Einkaufsmöglichkeiten, eine Übernachtungsmöglichkeit für Studenten, eine Busstation, eine Station für Elektroautos, Flächen für urbane Landwirtschaft und weitere Annehmlichkeiten geben. Das Holzhochhaus soll alles bieten können, was man in einer pulsierenden Großstadt des 21. Jahrhunderts erwartet.

Das Projekt würde nicht nur die Skyline von Paris nachhaltig ändern, sondern auch die Stadt selbst, ist man sich sicher. Baobab soll eine Vorbildfunktion für Architekten auf der gesamten Welt haben. Geht es nach den Architekten sollen bei allen Bauvorhaben nicht nur wirtschaftliche Aspekte betrachtet werden, sondern auch und vor allem gesellschaftliche und ökologische Fragestellungen in den Fokus gerückt werden.

Michael Green, Direktor des Architekturbüros MGA sagte: „Ziel ist es durch Innovationen, Jugendsozialkontakt und generellen sozialen Bau ein Design zu erschaffen, das in seiner Bedeutung einmalig wird für Paris.“ Wie Gustave Eiffel das Konzept dessen, was möglich ist, vor 150 Jahren mit seinem Turm über den Haufen geworfen hat, soll auch der innovative Holzbau eine neue Ära in der Architektur einläuten.

Werden die Bäume verantwortungsbewusst und nachhaltig gefällt, ist Holz der umweltfreundlichste Rohstoff für Gebäude. Holz ist der einzige CO2-neutrale Rohstoff und zudem noch in der Lage den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern und CO2 zu speichern. 3.700 Tonnen Kohlendioxid sollen es laut Architekten sein, die in dem Wolkenkratzer gespeichert werden können. So viel wie 2.200 Autos in einem Jahr ausstoßen. Für Luftqualität und das Klima in den Großstädten könnten Projekte wie Baobab künftig also immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Bei den Beteiligten handelt es sich um keine Anfänger im Holzbau. Einige der aktuell größten Holzgebäude der Welt wurden von ihnen entworfen. MGA war auch Mitautor einer Studie zum Bau anderer moderner Holzgebäude. Darin ging es um die Motivation, mit Holz zu arbeiten, Massenabholzung und auch praktische Tipps zur Planung und Absicherung einer solchen Baustelle. Natürlich werden dabei auch umfassend die Vorteile eines solchen nachhaltigen Städtebaus erörtert.

MGA hat sich in den letzten Jahren bereits einen Namen in der Architektur mit Holz erarbeitet und dabei schon einige Preise abgeräumt. Sie sind weltweit führend, wenn es um den Entwurf beeindruckender Holzhäuser geht, die nachhaltig und CO2-neutral konstruiert sind. Auch Nordamerikas größtes Holzgebäude, der Tall Wood Tower in Vancouver hat das Team entworfen. MGA macht es sich dabei zum Ziel, den Ansprüche unserer modernen Welt, Überbevölkerung in den Städten und den Weltklimawandel gerecht zu werden und dabei bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

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