China will gegen ausländische Hedgefonds vorgehen

Chinesische Behörden machen die unter Hedgefonds beliebte Strategie der Leerverkäufe für den Börseneinbruch mitverantwortlich. Die Fonds wetten auf fallende Kurse und beschleunigen den Abwärtstrend. Nun will die chinesische Regierung gegen den zu hohen Anteil ausländischer Hedgefonds am Finanzmarkt vorgehen.

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Hunderte ausländische Hedgefonds spekulieren an den chinesischen Börsen – heimlich, aber mit legalen Mitteln. Der Regierung in Peking, die mit Handelsbeschränkungen und Investitionsvorgaben den jüngsten Kursrutsch abfangen will, machen sie das Leben schwer. Den Behörden gelingt es nicht, die Aktivitäten der Fonds einzuschränken, weil diese Mittel und Wege gefunden haben, unbehelligt mit chinesischen Aktien zu spekulieren. Sie gründen etwa in China ein Unternehmen für den Handel mit Produkten, was dann am Finanzmarkt aktiv wird. „Es gibt eine Reihe von Hindernissen für Ausländer, die Zugang zum Markt erhalten wollen, aber es gibt eine Reihe von Strukturen, derer sich die Fonds bedienen können, und sie nutzen sie“, sagte Eric Neo, Chef von Neo & Partners Global, die Unternehmen helfen, Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten.

Hedgefonds erhöhen die Liquidität und gehören zu jedem gesunden Finanzmarkt dazu. Analysten gehen jedoch davon aus, dass ihr Anteil in China besonders hoch ist. Erschwerend kommt dazu, dass dort Großanleger fehlen, welche Aktien kaufen und halten – wie traditionelle Investmentfondsgesellschaften oder Versicherungen. An Chinas Börse spekulieren in erster Line Kleinanleger, und von denen suchen viele derzeit den Absprung. Andere reiche Chinesen geben ihr Geld gerne den Fonds, weil sie sich davon hohe Gewinne versprechen. Offizielle Zahlen, wie viele Fonds in dem ostasiatischen Land operieren, liegen nicht vor.

Seit Juni sind die Börsen in Shanghai und Shenzhen um fast 30 Prozent eingebrochen – und die chinesischen Behörden haben als Grund dafür auch die unter Hedgefonds beliebte Strategie der Leerverkäufe ausgemacht. Damit wetten die Fonds auf fallende Kurse und beschleunigen den Abwärtstrend. „Bei der derzeitigen Marktlage verkaufen die Hedgefonds natürlich … was gegen die Intention der Regierung steht, die Kurse zu stützen“, beschreibt Oliver Barron, Marktanalyst für China bei der Investmentbank NSBO, die Auswirkungen.

Um unbehelligt von Restriktionen in China spekulieren zu können, gründet ein Fonds typischerweise ein Handelshaus für physische Güter – etwa Rohstoffe wie Nickel oder Nüsse. Dann geht er mit einem örtlichen Händler zusammen und expandiert auf den Finanzmarkt, wie mehrere Insider berichten. Registriert bleibt er damit als Rohstoffhändler, der lediglich seine Gewinne nutzt, um am Markt zu spielen, wie es jedes andere Unternehmen auch tun könnte. Die Regierung in Peking hat Leerverkäufe verboten und geht gegen manche Investoren vor. Doch bei vielen Hedgefonds sei sie machtlos, sagt ein Insider, der einem US-Fonds den Weg nach China geebnet hat. „Sobald man die entsprechenden Strukturen aufgebaut hat, kann man mit dem Geld machen, was man will. Es gibt allein in Shanghai mehr als 120 Millionen Handelskonten. Niemand kann so viele Konten regulieren.“ Die chinesischen Behörden haben bislang 40 Konten geschlossen, aber keine illegalen Aktivitäten aufgedeckt.

Offen ist nun, ob die Regierung in Peking ernst macht mit ihrem Kampf gegen die Fonds. Insider befürchten, dass neue Investmentregeln geschrieben werden, die die Aktivitäten der Hedgefonds tatsächlich einschränken könnten. Dann hätten sie eine Spielwiese weniger.

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