Immobilen-Markt: Fonds-Desaster für Anleger

In Deutschland kommen schlechte Nachrichten von Fondsverlusten für Anleger mittlerweile nicht mehr überraschend. Aber auch im Ausland bringt eine Beteiligung eher Kosten als Gewinne. Nun wird das gesamte Fonds-Modell in Frage gestellt.

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Die Wahrnehmung in Presse, Öffentlichkeit und Politik bezüglich des Erfolges von Beteiligungen ist oft verzerrt. Über viele gut gehende Fonds berichtet niemand. Aus Deutschland sind wir Problemmeldungen gewöhnt. Die Steuerfonds der NBL aus den 90er Jahren mit Halbierung oder Drittelung der Mieten im Bürobereich kurze Zeit nach Auflegung hatten nie eine Chance. Aber auch westdeutschen Immobilienfonds ging es in den vergangenen 20 Jahren oft nicht besser. Von wenigen Skandalen mit kreativer Mittelverwendung abgesehen, machte die Marktentwicklung mit deutlichem Einbruch der Mieten seit Mitte der 90er die Pläne der Initiatoren und Anleger zunichte. Nach unseren Vorabinformationen wird am Freitag „Der Immobilienbrief“ eine Index basierte Modellrechnung veröffentlichen, nach der die „Fonds-Anleger-Mark“ nach 20 Jahren heute rechnerisch nur noch 32 Pfennige wert sein soll – und das ohne Berücksichtigung von Währungsverlusten. Wir werden das nachrechnen.

Im Moment verblüfft aber eher, dass auch Fonds im prosperierenden Ausland für den Anleger schnell zum Flop werden können. Das wirft Fragen nach der Modellgestaltung auf. Eine hohe Zeche zahlten z.B. die Anleger des IVG-Fonds „Euroselect 12“ in London, wo Mieten, Währung und Multiplikatoren zulegten, die Anleger aber böse draufzahlten. Mögliche Entwicklungsgewinne kassierten die Käufer, da der Fonds nicht handlungsfähig war. Nach Recherche von „kmi“ sind zurzeit Hamburg Trust-Anleger in den USA von Gebühren bei einer Reit-Umwandlung irritiert. Aktuell machen Anleger des „Frankreich 04“ des Emissionshauses Wölbern Invest schlechte Erfahrungen. Bernhard Bomke hat das in der „Immobilien Zeitung“ (IZ) aufbereitet.

Der geschlossene Fonds Wölbern Frankreich 04 steht lt. IZ nach dem Verkauf des Fondsobjekts 41 Rue Ybry in Neuilly-sur-Seine bei Paris vor der Auflösung. Zwar wurde das 15 000 qm große Fondsobjekt in einem prosperierenden Marktumfeld mit 110 Mio. Euro deutlich über dem Gutachterwert für die komplett leerstehende und unsanierte Immobilie von 97 Mio. Euro verkauft, jedoch wird das den gut 3 300 Anlegern voraussichtlich einen Verlust von 77,5% ihres Investments bescheren. Damit hätten sie laut Fondsmanager Paribus Capital wahrscheinlich noch Glück gehabt. Vom früheren Wölbern-Invest-Management seien offenkundig etwa 17,5 Mio. Euro für fremde Zwecke entnommen worden. Paribus-Geschäftsführer Thomas Böcher zeigte sich lt. IZ überzeugt, dass für die Immobilie im Fall einer Vollvermietung mindestens jene 138,4 Mio. Euro hätten erlöst werden können, die 2006 für das Objekt bezahlt wurden. Selbst 160 Mio. Euro wären möglich gewesen. Das entnommene Geld habe gefehlt, um die Immobilie in Schuss zu halten. Für den Fonds waren seit 2011 auch Streitigkeiten zwischen Wölbern Invest und dem Alleinmieter GIE Ernst & Young zum Problem geworden. Der Konflikt ging vor Gericht, der Mieter zahlte irgendwann keine Miete mehr. Mietvertragliche Gefahren werden aus PLATOW-Sicht und nach Erfahrungen int. Großkanzleien oft zu gering eingeschätzt.

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