Volks- und Raiffeisenbanken: Hohe Zinsen für Dispo-Kredite

Trotz Niedrigzinsen liegt der durchschnittliche Dispozins der deutschen Banken bei 10,25 Prozent. Das zeigt eine Studie von Stiftung Warentest. Elf Volks- und Raiffeisenbanken verlangen sogar mehr als 13 Prozent Überziehungszinsen, die Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut in Bayern sogar bis zu 16 Prozent.

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Noch immer sind die Dispozinsen für das Überziehen des Girokontos viel zu hoch. Bis zu 16 Prozent Dispozins fanden die Tester der Stiftung Warentest bei der Ermittlung der Zinssätze von 1.472 Banken. Dabei hüten viele Banken die Höhe des Zinses wie ein Staatsgeheimnis. Sie ignorieren Appelle von Politik und Bankenverbänden, die genaue Höhe in ihren Filialen oder auf ihren Internetseiten zu veröffentlichen.

Die Zeitschrift Finanztest fragte ingesamt 1.472 Banken nach der Höhe ihrer Dispozinsen. Nur 424 Banken antworteten, 1.048 meldeten sich nicht. Wenn auch keine Informationen im Internet zu finden waren, schickte die Stiftung Tester in die Filialen der Kreditinstitute.

Bei knapp 60 Banken sind die Angaben zum Dispozins unvollständig. So ist die Höhe des Dispozinses für Verbraucher nicht erkennbar, wenn im Preisaushang zum Beispiel: „Referenzzins + 11 Prozent“ oder „Bonitätsabhängig: max. 12,95 Prozent“ steht. Unklar sind die Konditionen auch, wenn nur der günstige Dispozinssatz für ein teures Premiumkonto angegeben wird. Die Banken verstoßen damit nach Ansicht von Finanztest gegen die Preisangabenverordnung.

Bis zu 16 Prozent – abhängig von der Bonität der Kunden – verlangt hingegen die Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut (Bayern). Insgesamt sind die Dispozinsen im Schnitt gegenüber 2014 um 0,4 Prozentpunkte gesunken. Der durchschnittliche Dispozins liegt bei 10,25 Prozent. Testsieger wie in den Vorjahren ist auch dieses Mal die Deutsche Skatbank mit 4,49 Prozent Dispozinsen für ihr online geführtes Konto. Jeder Prozentpunkt bringt pro Jahr 345 Millionen Euro in die Kassen der Banken.

„Ein fairer Zins müsste nach unserer Einschätzung deutlich unter zehn Prozent liegen“, sagte Stiftung-Warentest-Vorstand Hubertus Primus. Auch die Kreditausfälle rechtfertigten keinen so hohen Aufschlag. Die Ausfallquote bei Dispo-Krediten lägen nach Angaben der Banken zwischen zwei und vier Prozent.

Die Deutsche Kreditwirtschaft – die Interessenvertretung der hiesigen Bankenverbände – gibt den durchschnittlichen Dispo-Zins dagegen unter Berufung auf Daten der Bundesbank mit 8,83 Prozent an. Das sei der tiefste Wert seit mindestens zehn Jahren.

Die Bundesregierung hatte zuletzt Überlegungen zu einer Deckelung der Dispo-Zinsen wieder verworfen. Sie setzt stattdessen auf Aufklärung: Kunden, die den Dispo-Kredit lange und oft nutzen, sollen von ihrer Bank auf Möglichkeiten einer Umschuldung angesprochen werden. Von 2016 an soll jede Bank ihren Dispo-Zinssatz im Internet veröffentlichen. Laut Stiftung Warentest hatte fast ein Drittel der befragten Banken den Zinssatz den Testern erst auf Anfrage in der Filiale genannt.

Vor einem Jahr hatten die Commerzbank und die ING-Diba als erste Großbanken diesen Überziehungszins abgeschafft. Das Beispiel hat teilweise Schule gemacht. Rund die Hälfte der deutschen Geldhäuser verlangt gar keinen gesonderten Strafzins mehr, wenn der Dispo-Rahmen auf dem Girokonto ausgeschöpft ist.

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