Börsen-Abstürze: Zweifel an Zins-Wende in den USA wachsen

Die Abstürze an den internationalen Börsen könnten die lange vorbereitete Zins-Wende der US-Notenbank im September gefährden. Investoren-Legende Mohamed El-Erian von der Allianz glaubt, dass die Zentralbanken die Lage nicht mehr vollständig im Griff hätten.

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Die Zinswende in den USA könnte nach Einschätzung von Allianz-Berater Mohamed El-Erian später kommen als September. „Das ist wirklich eine schwere politische Entscheidung“, sagte El-Erian am Freitag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Nicht nur zeigten die heimischen Wirtschaftsindikatoren in eine andere Richtung als die im Ausland. Die US-Notenbank habe die Wirtschaft zudem nur teilweise im Griff. Die Zinsen in den USA liegen schon seit einigen Jahren auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

Dies sei eine Zeit hochgradiger Unsicherheit, sagte El-Erian, der auch als Investor bekannt ist. Zur Debatte stünde ein geldpolitischer Regimewechsel, die erste Zinsanhebung seit mehr als neun Jahren. Die US-Notenbank hat ihre nächste Zinssitzung am 16. und 17. September. Trotz günstiger US-Konjunkturdaten gab es zuletzt wieder Zweifel an einer Anhebung des Leitsatzes im September. Dafür sorgten insbesondere die Turbulenzen in China und die anhaltend niedrige Inflation in den USA.

Enttäuschende Konjunkturdaten aus China haben auch den US-Anlegern die Laune gründlich vermiest. Die Anzeichen für eine deutliche Abkühlung der chinesischen Wirtschaft haben sich zuletzt gemehrt. Daten vom Freitag zeigten, dass die Geschäfte der Industrie im August so stark geschrumpft sind wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. „Die Zahl reiht sich ein in eine lange Kette von Enttäuschungen, die uns in den vergangenen Wochen aus dem Land erreicht haben, das noch vor wenigen Monaten als der große Hoffnungsträger für die weltkonjunkturelle Entwicklung galt“, erklärten die Analysten der Metzler Bank.

Der Dow-Jones-Index gab bis zum Mittag 2,2 Prozent auf 16.615 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 brach ebenfalls 2,2 Prozent auf 1991 Zähler ein. Damit fiel das Marktbarometer erstmals seit dem 2. Februar unter die psychologisch wichtige Marke von 2000 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq fiel sogar 2,4 Prozent auf 4760 Punkte.

Bei den Einzelwerten erfreute der SAP -Konkurrent Salesforce die Händler mit starken Zahlen und einer höheren Prognose. Der Softwarekonzern liegt nun auf der Weltrangliste der größten IT-Unternehmen auf dem vierten Platz. Salesforce-Aktien stiegen um 1,1 Prozent.

Deere enttäusche dagegen mit einem Gewinneinbruch von 40 Prozent und einem Absatzrückgang von 20 Prozent. Der Landmaschinenbauer machte eine Schwäche des US-Agrarmarkts für seine Lage verantwortlich. Die Anleger straften die Titel des Unternehmens mit einem Minus von mehr als acht Prozent ab.

An den Börsen herrschte zudem die Befürchtung, dass sich der Wachstumsrückgang in der Volksrepublik als langfristiger Trend herausstellen könnte. Das dürfte vor allem exportorientierte Industriezweige wie die Autobauer treffen. Anteilsscheine von General Motors ließen 3,5 Prozent Federn, Ford -Papiere fielen 2,8 Prozent.

Apple verbilligten sich um 4,1 Prozent. Experten zeigten sich weiter über den Absatz des gewinnträchtigen iPhones in China besorgt. Dagegen zogen Hewlett-Packard nach Vorlage der Geschäftszahlen um 2,7 Prozent an. Der PC-Hersteller will sich in den kommenden Monaten aufspalten.

Der Dax ging 2,9 Prozent schwächer bei 10.124,52 Punkten ins Wochenende, das war der tiefste Stand seit sieben Monaten. In der abgelaufenen Handelswoche büßte er damit fast acht Prozent ein. „Die Aktienmärkte verfallen in einen Panik-Modus, da das volle Ausmaß des Konjunkturabschwungs in China deutlicher wird“, sagte Angus Nicholson, Analyst beim Online-Broker IG. Der EuroStoxx50 gab am Freitagabend 3,2 Prozent nach.

Die Probleme in China drückten zudem auch wieder kräftig auf die Ölpreise. Ein Barrel (159 Liter) der US-Ölsorte WTI war mit 40,11 Dollar so günstig wie zuletzt vor sechseinhalb Jahren.

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