Produktions-Einbruch in China: Die Industrie schrumpft

Chinesische Unternehmen produzieren so wenig wie seit sechs Jahren nicht mehr und können damit die Wachstumsvorgabe der Regierung nicht erfüllen. Der chinesische Einkaufsmanagerindex hat im August deutlich nachgegeben und die Aktienkurse weltweit ins Minus gedrückt. Die Anleger verlieren zusehends das Vertrauen in die chinesische Wirtschaft.

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Sowohl die Produktion als auch die Aufträge sind erneut eingebrochen. (Grafik: Markit)

Sowohl die Produktion als auch die Aufträge sind erneut eingebrochen. (Grafik: Markit)

China sendet neue Schockwellen für die Weltwirtschaft aus: Die Geschäfte der Industrie liefen im August so schlecht wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Die Sorge vor einem Wachstumseinbruch der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft ließ rund um den Globus die Aktienkurse erneut einbrechen. Auch Öl verbilligte sich deutlich. Verunsichert zeigen sich auch die deutschen Verbraucher. Deren Kauflaune ist derzeit so schlecht wie seit einem halben Jahr nicht mehr, da sie mit einer schwächeren Konjunktur auch in Deutschland rechnen.

Der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie fiel überraschend um 0,7 auf 47,1 Punkte, erklärte das Markit-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage. Damit blieb das Barometer den sechsten Monat in Folge unter der Schwelle von 50 Zählern, ab der ein Wachstum signalisiert wird. „Die Regierung hat eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte erwartet, doch es sieht nach dem Gegenteil aus“, sagte Ökonom Chester Liaw vom Analysehaus Forecast Pte in Singapur. „Die Konjunktur dürfte sich weiter abschwächen.“ Die Unternehmen produzierten so wenig wie seit vier Jahren nicht mehr, während die Bestellungen sowohl aus dem In- und Ausland schrumpften. Sie strichen deshalb Stellen. Viele Absatzmärkte des Exportweltmeisters schwächeln, darunter Schwellenländer wie Russland und Brasilien. „Die Daten erneuern die Zweifel am globale Aufschwung“, sagte Ökonom Tim Condon von der ING-Bank.

Anleger fürchten eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft. In Frankfurt rutschte der Leitindex Dax auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten ab. In Tokio schloss der Nikkei -Index 2,98 Prozent niedriger, in Shanghai gab die Börse zeitweise mehr als vier Prozent ab. Auch die Ölpreise fielen, weil China weltgrößter Energieverbraucher ist. „Die Märkte preisen jetzt schon das Schlimmste ein“, sagte Herald Van Der Linde, Chefstratege für asiatische Aktien bei der HSBC.

Die Kauflaune der Deutschen trübte sich angesichts steigender Konjunkturrisiken in China ein. Die Volksrepublik ist inzwischen viertgrößter Abnehmer deutscher Waren. Das Barometer für das Konsumklima im September fällt um 0,2 auf 9,9 Punkte, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bei ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern ermittelte. Das ist der schlechteste Wert seit einem halben Jahr. Hauptgrund: Die Verbraucher bewerteten die Konjunkturaussichten den dritten Monat in Folge schlechter. „Die Grexit-Sorgen der Verbraucher sind möglicherweise nahtlos von Sorgen um die chinesische Konjunktur abgelöst worden“, sagte BayernLB-Analyst Stefan Kipar.

In der deutschen Wirtschaft ist die China-Schwäche bislang allerdings noch nicht angekommen, da sie auf anderen Märkten ordentliche Zuwächse verzeichnet. Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Privatwirtschaft stieg im August um 0,3 auf 54,0 Punkte. Das ist der höchste Wert seit vier Monaten. „Die deutsche Wirtschaft hat einen Gang hochgeschaltet“, sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike. Sie stellte deshalb so viele Mitarbeiter ein wie seit Ende 2011 nicht mehr. Das Teil-Barometer für die Industrie kletterte sogar auf den höchsten Stand seit fast anderthalb Jahren. „Im Industriesektor legten die Auslandsbestellungen aus zahlreichen Ländern, darunter auch Großbritannien und die USA, sogar so stark zu wie zuletzt vor eineinhalb Jahren“, erklärte Markit. Der schwache Euro, der Waren in Übersee verbilligt, dürfte dabei geholfen haben.

Für die deutschen Autobauer allerdings wandelt sich der weltgrößte Automarkt vom Segen zum Fluch. Im Juli schrumpfte der Absatz in China nach jahrelangem Boom laut Branchenverband CAAM um 7,1 Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge. Die Preise sind im Sinkflug. Für den Volkswagen -Konzern steht besonders viel auf dem Spiel, denn die Wolfsburger fahren in der Volksrepublik einen Großteil des Gewinns ein. VW und die Tochter Audi, in China unangefochtener Platzhirsch im Oberklasse-Segment, dampften ihre Absatzziele ein. BMW drosselte in China die Produktion. „Für die deutschen Exporte ins Reich der Mitte dürfte in diesem Jahr nur noch ein kleines Plus von zwei Prozent rausspringen“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Im Rekordjahr 2014 waren die deutschen Ausfuhren in das Land noch um elf Prozent gewachsen.

Die Regierung in Peking strebt in diesem Jahr ein Wachstum von sieben Prozent an. Es wäre der kleinste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert. Zuletzt wuchsen sowohl die Industrieproduktion als auch die Investitionen und die Umsätze im Einzelhandel schwächer als erwartet. Die Zentralbank versucht gegenzusteuern: Sie ließ die Landeswährung Yuan kräftig abwerten, was chinesische Waren im Ausland billiger macht. Seit 11. August gab der Kurs um drei Prozent zum Dollar nach.

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