Gegen Manipulation bei Verträgen: Europaweite Meldepflicht für Energie-Unternehmen

Um Marktmanipulationen im Energie-Großhandel zu verringern, wird nun eine europaweite Meldepflicht für entsprechende Verträge eingeführt. Für die Unternehmen bedeutet das mehr Aufwand und damit verbundene Kosten.

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Die Bundesnetzagentur will mehr Klarheit in die Geschäfte mit Öl und Gas bringen. Immerhin setzen Deutschlands Stadtwerke, Energiekonzerne und Industriekunden jährlich 375 Mrd. Euro mit Großhandelsgeschäften um. Nachvollziehbar sind diese Transaktionen kaum. Bis zu 15 Mal wird Strom weiterverkauft. Die wenigsten Geschäfte laufen dabei über die Strombörse in Leipzig, der Großteil wird über geheime Einzelverträge zwischen Großkunden und Abnehmern abgewickelt. Ab 7.10. soll damit Schluss sein.

Um Marktmanipulationen auszuschließen, müssen alle Verträge europaweit an die Energieregulierungs-Agentur ACER in Slowenien gemeldet werden. Die Verlockungen zur Manipulation sind da, schließlich lassen sich bei Versorgungsengpässen Millionen verdienen. Große Konzerne sind zudem in der Lage, diese Engpässe selbst herbeizuführen, wenn sie beispielsweise frühzeitig Informationen über den Ausfall eines Kraftwerks erhalten. Allerdings ist in Deutschland im Gegensatz zu den USA bislang kein Fall von Großmanipulation aufgetreten, auch weil es bereits Meldepflichten gibt und sich die meisten Geschäfte an einem Referenzpreis orientieren.

Für die Unternehmen steigt nun vor allem der Meldeaufwand. Allein die RWE-Tochter Supply and Trading rechnet damit, bis zu 400 000 Geschäfte pro Jahr anzeigen und einen Millionenbetrag für die Meldeinfrastruktur investieren zu müssen. Die deutlich kleineren Stadtwerke klagen bereits lautstark über die Belastung. Die Kosten, so liegt es nahe, werden an die Verbraucher weitergeben. Werden aber auf diese Weise tatsächlich Marktmanipulationen verhindert, dürfte sich dieser Mehraufwand allemal rechnen.

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