Deutschen Maschinenbauer könnten von Abschwung in China profitieren

Deutsche Maschinenbauer könnten von den Versuchen der chinesischen Zentralbank zur Ankurbelung der chinesischen Wirtschaft profitieren. Denn anders als etwa die Autoindustrie sind sie dort weniger auf private Käufer angewiesen und stehen kaum in Preiskonkurrenz zu einheimischen Firmen. Die Abwertung des Renminbi könnte daher sogar positive Effekte für sie haben.

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Niemand in Europa exportiert mehr nach China als Deutschland. In nur zehn Jahren stieg der Warenwert der Exporte von 21 Milliarden auf mehr als 74 Milliarden Euro. 7 Prozent der Umsätze deutscher Unternehmen werden inzwischen in China erwirtschaftet. Allen voran geht die Automobilindustrie, ist das Reich der Mitte doch inzwischen der weltweit größte Automarkt. Doch Hersteller wie Daimler oder VW sind längst nicht die einzigen, denen schwächelnde Wirtschaft und Abwertung des Renminbi jetzt zu schaffen machen.

Der Maschinenbau ist der zweite große Bereich im Handel zwischen Deutschland und China. Im Gegensatz zum Automarkt ist dieses Segment weniger anfällig, da es sich nicht an private Konsumenten in China richtet, die sich angesichts der aktuellen Entwicklungen die Frage stellen, ob sie sich eine teure Anschaffung noch leisten können. Aufträge für Maschinen haben eine sehr lange Vorlauf- und Planungszeit. Zwar sind die Exporte deutscher Maschinenbauer wie Trumpf, Bosch oder Knorr-Bremse ins Reich der Mitte nach dem Rekordjahr 2014 von Januar bis Mai 2015 bereits um 2,7 Prozent zurückgegangen, massivere Auswirkungen werden aber mittelfristig erst ab 2016 zu spüren sein. Der deutsche Maschinenbau ist an ein Auf und Ab in China bereits gewöhnt.

Die Unternehmen könnten jetzt sogar einen Nutzen aus dem Abschwung in China ziehen. Gelingt es der chinesischen Regierung, durch die Abwertung des Renminbi die Wirtschaft anzukurbeln, partizipieren auch die deutschen Firmen. Durch das Vorgehen der Zentralbank werden Importe aus Europa teurer, Exporte aus China günstiger. Dieser Preisanstieg dürfte aber kaum eine Auswirkung auf Kaufentscheidungen für Investitionsgüter deutscher Hersteller haben. Denn diese stehen in nahezu keiner Konkurrenz zu heimischen Anbietern, da sie in erster Linie im High-End-Bereich tätig sind, während sich chinesische Firmen im unteren und mittleren Preissegment tummeln.

Daher hat eine Abwertung eher einen positiven Effekt. Ebenso dürften die deutschen Firmen in Europa keine Konkurrenz spüren, da die Chinesen zu 90 Prozent am eigenen Markt absetzen. Einzig in Indien dominieren die Anbieter aus dem Reich der Mitte. Damit hat der deutsche Maschinenbau eine deutlich komfortablere Ausgangslage als die Automobilhersteller oder die Elektroindustrie

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