Ohne Glacé-Handschuhe: China gegen Wall-Street-Spekulanten

China kämpft mit immer härteren Bandagen gegen Spekulationsangriffe von westlichen Hedgefonds. Wetten gegen die Yuan erfreuen sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit an der Wall Street. Nun schlägt das Imperium zurück - und sorgt für Nervosität unter den Managern der Fonds.

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Die Notenbank Chinas will einem Medienbericht zufolge gegen Spekulationen auf eine weiter fallende Landeswährung vorgehen. Geplant sei, Finanzwetten auf eine Abwertung des Yuan zu verteuern, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag mit Bezug auf mehrere mit der Sache vertraute Personen. Marktteilnehmer sollen demnach 20 Prozent der geplanten Verkäufe als unverzinsliche, einjährige Einlage vorhalten. Die Regelung solle am 15. Oktober in Kraft treten.

Bereits zuvor haben die chinesischen Behörden die Glacéhandschuhe abgelegt und gehen mit großer Härte gegen vermeintliche System-Feinde vor: Zunächst wurde ein Journalist verhaftet, der angeblich mit einem Bericht eine Panik ausgelöst haben soll. Er wurde ganz im Stil der ideologischen Selbstkritik im staatlichen Fernsehen zu einem Geständnis gezwungen. Auch ein Regulator wurde festgenommen, ihm wurde Korruption vorgeworfen.

Am Dienstag bestellten die Behörden dann erstmals die Vertreterin einer westlichen Investoren-Gruppe ein: Li Yifei von der britischen Man Group, wurde in Peking einem stundenlangen Verhör unterzogen, bei dem sie keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen durfte. Ihr Mann sagte der FT allerdings, dass solche Marathon-Treffen normal seien und sieht noch keinen Anlass zur Sorge.

Doch die chinesische Führung ist offenbar entschlossen, Attacken gegen den Yuan im Keim zu ersticken. Zahlreiche Hedgefonds haben sich in den vergangenen Wochen teilweise sehr erfolgreich gegen den Yuan positioniert. Seit George Soros`Attacke auf das britische Pfund wissen die Chinesen, die viele westliche Berater haben, über die Gefahr von spekulativen Attacken Bescheid.

So hat ein Hedgefonds der Carlyle Group LP hat auf den plötzlichen Währungskurswechsel in China gewettet und rund 100 Millionen Dollar  in zwei Tagen gewonnen.  Händler merken zunehmend, wie sich Wetten gegen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auszahlen.

Die 75 Prozent Rendite für den Nexus-Fonds der Emerging Sovereign Konzerns kam, nachdem China unerwartet am 11. August den Yuan abwertete, so Insider. Es war die größte Abwertung der chinesischen Währung seit zwei Jahrzehnten. Die plötzliche Papiergewinne bescherten dem  ESG Hedgefonds eine 50-prozentigen Gewinnsteigerung.  Der Anstieg half dem Fonds, sich von Verlusten zu Beginn des Jahres zu erholen. Bis Ende Juli hatte er rund 11 Prozent verloren.

China ist neuerdings ein beliebtes Ziel für kurzzeitige Einsätze auf fallende Werte. Der eingeschränkte ausländische Zugang zu den Aktien- und Anleihemärkten des Landes bedeutet jedoch, dass es nicht viele Möglichkeiten gibt, um auf direkte Rückgänge in diesen Märkten zu wetten.

Nexus konzentrierte sich daher auf Wetten gegen Chinas Währung. Der Fonds kaufte eine Reihe von Optionen, die es erlaubten, die Währung vereinbarten Zeitrahmen zu vorgegebenen Preisen zu verkaufen. Nexus konnte diese Optionen zu der Zeit sehr billig einkaufen, weil die meisten Investoren von Peking erwarteten, den Yuan auf keinen Fall fallen zu lassen.

Wetten gegen China haben sich in den letzten Wochen unter den Wall-Street-Händlern weiter verbreitet. Prominente Investoren, darunter Paul Singer von Elliott Management Corp. und William Ackman von Pershing Square Capital Management LP äußerten bei einer Investmentkonferenz in Manhattan im letzten Monat Bedenken über China. Auch Bridgewater Associates LP, der weltweit größten Hedgefonds und ein langjähriger Verfechter von Chinas wirtschaftlichem Potenzial, sagte Investoren im Juli, „unsere Ansichten über China haben sich geändert“ und es gebe jetzt keine sicheren Orte, um zu investieren.

Allerdings sind die Wetten weniger profitabel, je mehr Leute sie abschließen. Ein ähnlicher Handel gegen den Yuan etwa sei jetzt ungleich schwierig, so ein Hedgefonds-Anleger im WSJ, da die Preise der Yuan Optionen nach der Währungsabwertung viel höher liegen. Daher wollen viele Händler ihre Prognosen gegen China lieber nicht allzu öffentlich machen: Nach einem ganzseitigen Bericht im WSJ über den Bridgewater-Kommentar etwa machte die Firma daher auch einen Rückzieher und sagte öffentlich, das Thema sei aufgebauscht worden, und dass  China „die Ressourcen und die fähigen Führer habe, um diese Herausforderungen zu bewältigen.“

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