Carsharing drängt aus der Nische: Erfolg eines neuen Wirtschaftsmodells

Gerade in Großstädten entscheiden sich immer mehr Menschen gegen den Kauf eines Autos. Um die Kunden nicht völlig zu verlieren, werden Hersteller wie Daimler, BMW und Opel nun Dienstleister beim Carsharing. -Ein Geschäftsmodell, das mit Milliarden-Umsätzen lockt.

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Teilen ist das neue Besitzen – unter dem Begriff Sharing Economy versucht seit Jahren ein neues Wirtschaftsmodell für Furore zu sorgen. Das Credo: Konsumieren, aber nichts mehr kaufen. So richtig setzen sich die Tausch- und Mietbörsen auf der breiten Ebene nicht durch. Eine große Ausnahme bildet ausgerechnet die Autobranche. Für die deutschen Produzenten ist das Wegbrechen der jungen Käuferschicht, die ein eigenes Auto gerade in Großstädten als Belastung empfindet, deutlich realer und größer als die mögliche Konkurrenz durch die neuen Wettbewerber Google oder Apple. Der Anteil der privaten Käufer unter den Neuzulassungen sinkt seit Jahren.

Doch Carsharing ist inzwischen aus der Nische bekommen. Das Modell bedient nicht nur die Ansprüche der neuen Generation von Autofahrern, sondern spült auch den Autobauern Geld in die Kassen. Nach Daimler und BMW macht jetzt auch Opel beim lukrativen Geschäft mit. Die neuen Autos aus Rüsselsheim fallen im Gegensatz zur etablierten Konkurrenz von Car2Go (Daimler) oder Drive Now (BMW und Sixt) kaum auf. Denn Opel hat eine App entwickelt, über die Nutzer nicht nur fremde Autos mieten, sondern auch ihr eigenes der Community anbieten können.

Damit ist Opel deutlich näher am ursprünglichen Gedanken der Sharing Economy. Schließlich bleibt ein Auto im Durchschnitt 23 Stunden täglich ungenutzt. Opel will durch diesen Schritt die Transformation vom Hersteller zum Mobilitätsdienstleister einläuten. Im Gegensatz zu den bestehenden Angeboten der Konkurrenz, wendet sich der Konzern an Menschen, die auch über einen längeren Zeitraum ein Auto mieten wollen. Ein weiterer Vorteil: Das Flächennetz ist quasi unbegrenzt, da Opel selbst keine Autos stellen muss. Damit können sich die Rüsselsheimer auch im ländlichen Raum etablieren, den Daimler und BMW explizit nicht im Visier haben.

Weltweit sind die Carsharing-Anbieter nahe an der Umsatzgrenzen von 1 Milliarden Euro. Die Tendenz ist steigend. Daimler will Ende des Jahres in China ein Angebot auf den Markt bringen. In Deutschland ist Drive Now mit 415 000 Kunden Marktführer. Das klassische Vermietgeschäft werde durch Carsharing bislang nicht kannibalisiert, so beispielsweise Sixt. Allerdings, und das gilt für alle Anbieter, ist die Bedeutung für die Gesamtkonzerne bislang überschaubar. Noch ist Carsharing für die deutschen Autobauer nur ein nettes Extra.

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