Der Druck steigt: Zins-Wende in den USA im September in Gefahr

Die Zinsanhebung der US-Notenbank ist keine ausgemachte Sache mehr: Plötzlich melden sich viele Entscheider zu Wort, die für die Beibehaltung der Niedrigzinsen sind. Es ist unwahrscheinlich, dass der antizipierte Kurswechsel wirklich schon im September kommt. Das hat auch innenpolitische Gründe.

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Der Chef der Boston Fed, Eric Rosengren, gibt Spekulationen Nahrung, wonach die Fed die Zinsen angesichts der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten doch noch nicht im September anheben könnte. Es mache aus ökonomischer Sicht kaum einen Unterschied, ob die Zinswende nun einige Monate früher oder später komme, sagte der Rosengren am Dienstag in New York. Es gebe zudem gute Gründe dafür, dass die Anpassung an ein normales Zinsniveau diesmal in deutlich kleineren Schritten komme als bei den beiden vorangegangenen Zinswenden. Das sei notwendig und auch angemessen. Rosengren fügte hinzu, die jüngsten Hinweise auf eine schwächere Weltkonjunktur könnten sich auch auf die USA ausweiten. Dies könne dann eine weitere Erholung am US-Arbeitsmarkt in Frage stellen. Er drückte eine deutlich pessimistischere Einstellung zur Entwicklung des Arbeitsmarkts aus.

Vertreter der US-Notenbank (Fed) kommen das nächste Mal am 16. und 17. September zusammen, um über die weitere Zinspolitik zu entscheiden. Bis vor wenigen Wochen waren viele Experten davon ausgegangen, dass dann auch erstmals seit Jahren wieder der bei nahe Null liegende Leitzins angehoben wird. Zuletzt hatte es aber heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten gegeben. Hintergrund waren insbesondere Sorgen, die chinesische Wirtschaft könnte schwächeln. Rosengren ist in diesem Jahr bei Zinsentscheidungen der Fed nicht stimmberechtigt.

Auch IWF-Chefin Christine Lagarde stimmt in den Chor der Pessimisten ein: Die jüngsten Schwankungen auf den weltweiten Finanzmärkten zeigten, wie rasch die Risiken von einer Volkswirtschaft zur nächsten übergreifen könnten, sagte Lagarde am Mittwoch in Jakarta. „Was sich in den vergangenen Wochen erwiesen hat, ist, wie sehr Asien im Zentrum der Weltwirtschaft steht“, sagte die Präsidentin des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf einer Konferenz in der indonesischen Hauptstadt. Es habe sich auch gezeigt, wie sehr Störungen auf einem Markt in Asien auf den Rest der Welt übergreifen könnten.

Die Weltwirtschaft spüre Gegenwind durch die Anpassungen in China, das langsame Wachstum in Japan, fallende Rohstoffpreise und Unsicherheiten in Bezug auf eine Anhebung der US-Zinsen.

Diese Einschätzung ist bemerkenswert, weil sie so ziemlich das Gegenteil dessen besagt, was der IWF noch am 22. August verlauten ließ. Damals hieß es, so Reuters:

Der Wirtschaftsabschwung und der Kurseinbruch an den Börsen in China sind nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) keine Vorboten für eine Krise. Bei der Entwicklung handele es sich lediglich um eine „notwendige Anpassung“ der Konjunktur der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, sagte IWF-Exekutivdirektor Carlo Cottarelli am Samstag. Die Geldpolitik der Volksrepublik sei in den vergangenen Jahren sehr expansiv gewesen. Es sei absolut verführt, von einer Krise in China zu sprechen. Zwar schwäche sich die chinesische Realwirtschaft ab, dies sei aber ein natürlicher Vorgang.

Zuerst hatte Obama-Berater Larry Summers gefordert, die Zinswende abzusagen. Die US-Regierung hat kein Interesse an Turbulenzen im entscheidenden Jahr vor der Präsidentenwahl. Daher wird sie ihren Einfluss auf die Fed ausüben, um eine ihr genehmen Entscheidung zu erwirken. Die Chefin der Fed, Janet Yellen, wurde erst vor kurzem von US-Präsident Barack Obama ernannt.

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