Mehr billiges Geld: EZB vor Richtungs-Entscheidung

Spekulationen über eine weitere Zinswende oder eine Änderung im Wertpapierkauf bleiben wohl erst einmal erhalten. Die wirtschaftlichen Aussichten der EU seien jedoch trotz der Situation in China zu gut, um eine vorschnelle Lockerung der Geldpolitik der Euro-Zone zu rechtfertigen.

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Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten und der seit der vorigen Sitzung des Zentralbankrats im Juli gefallene Ölpreis haben zuletzt Erwartungen geschürt, dass EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag die Geldpolitik lockern könnte. Die Spekulationen gehen sogar so weit, dass es zu einer neuerlichen Zinssenkung oder zumindest einer Diskussion darüber kommen würde. Analysten verweisen gerne auch auf die anstehende Aktualisierung der Stabsprojektionen für Wachstum und Inflation in der Euro-Zone, von der sie in allen Bereichen leichte Abwärtskorrekturen erwarten.

Wir gehen indes davon aus, dass sich die Währungshüter nicht zu übereilten Beschlüssen hinreißen lassen. Auch Höhe und Laufzeit der Wertpapierkäufe werden mit monatlich 60 Milliarden Euro bis Ende September 2016 unverändert bleiben. Der in den vergangenen Tagen wieder sprunghaft angestiegene Ölpreis und zuletzt unveränderte Inflationsraten von 0,2 Prozent insgesamt und 1 Prozent in der Kernrate werden die EZB zuwarten lassen. Die wirtschaftlichen Indikatoren der Euro-Zone sind zudem trotz berechtigter Wachstumssorgen in China noch zu gut, als dass die Geldpolitik gelockert werden müsste.

Allerdings könnte Draghi auf der EZB-Pressekonferenz im Anschluss an die Zentralbankratssitzung bekräftigen, dass das Wertpapierkaufprogramm bei erneuten Deflationsrisiken über September nächsten Jahres hinaus verlängert und gegebenenfalls in seinem Volumen erhöht werden kann. Das dürfte schon ausreichen, den Kurs des Euro, der seit Juli deutlich gestiegen ist, unter Druck zu setzen. Dies wäre ganz im Sinne der EZB, auch wenn Europas Geldpolitiker das offiziell nicht zugeben. Sollte die amerikanische Notenbank ihre Leitzinsen Mitte September erhöhen, reicht das Abwärtspotenzial für den Euro/Dollar-Kurs bis in die Zone von 1,05/1,08 Dollar.

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