Brasilien fällt in die Rezession zurück

Fehlendes Wachstum und Haushaltsprobleme haben zu einem Scheitern der Konsolidierung der brasilianischen Staatsfinanzen geführt. Nun ist das Vertrauen der Investoren und der Bürger in die Regierung dahin.

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Nun ist Brasilien ganz offiziell in die Rezession zurückgefallen. Nachdem schon das erste Quartal einen BIP-Rückgang um 0,7 Prozent (revidiert nach zunächst -0,2 Prozent) brachte, werden jetzt -1,9 Prozent für das zweite Quartal notiert. Zwei Minusquartale in Folge gelten nach internationalen Standards als Rezession. Aufs Jahr hochgerechnet wird damit ein Absturztempo von fast -8 Prozent erreicht. Der Einbruch Brasiliens nimmt Ausmaße an, wie sie zuletzt in der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre gesehen wurden.

Bleibt die Ratingagentur Moody‘s konsequent, dürfte der Investmentgrade verloren gehen. Im Rahmen der jüngsten Senkung auf Baa3 wurde der Ausblick „stabil“ mit der Erwartung begründet, dass Brasilien zügig auf einen Wachstumskurs zurückkehrt und seine Haushaltsprobleme in den Griff bekommt. Die genannten Zielmarken 2 Prozent Wachstum und 2 Prozent Primärüberschuss im Haushalt erweisen sich schon jetzt als Illusion: Der vorgelegte Haushaltsentwurf für 2016 sieht ein Primärdefizit (also vor Berücksichtigung der Schuldzinsen) vor, was darauf hinausläuft, dass Brasiliens Regierung beabsichtigt, 2016 einen Teil ihrer Zinsverpflichtungen durch Kreditaufnahme zu finanzieren.

Damit ist die bislang als Zielvorgabe genannte Konsolidierung der Staatsfinanzen gescheitert. Dieser Schritt mag unter konjunkturellen Geschichtspunkten gerechtfertigt erscheinen, aus Sicht der Finanzmärkte und Investoren ist er ein Desaster und massiver Schlag gegen die Glaubwürdigkeit der Regierung. Ohne die internationale Finanzierung werden die Möglichkeiten Brasiliens sehr eng. Die nicht durchweg befriedigenden Konjunkturverläufe in den USA und China sorgen für eine rückläufige Nachfrage nach den Rohstoffen Brasiliens, was wiederum die Einkommen der privaten Haushalte begrenzt und damit die Konsumnachfrage auch nach Industriegütern, so dass auch etwa die Automobilindustrie Absatzschwierigkeiten bekommt.

Verstärkt wird dieser Negativtrend durch die anhaltende Krise Argentiniens, des wichtigsten Handelspartners in der Region. Mittlerweile geht es in allen Branchen und Sektoren abwärts. Zum Nachfragerückgang kommt die politische Krise im Gefolge des Korruptionsskandals rund um die staatliche Ölfirma Petrobras. Der politische Effekt ist verheerend, weil hier Korruption einer „linken“ Regierung mit überdimensionierten, wie Größenwahn und Selbstbeweihräucherung wirkenden Veranstaltungen wie Fußball-WM und Olympischen Spielen zusammentreffen – im Schatten eines rasanten wirtschaftlichen Niedergangs.

Das Vertrauen der Bürger ist dahin, was sich in fehlender Investitionsbereitschaft der Unternehmen und schwacher Baunachfrage der Privathaushalte niederschlägt. Besserung erwarten wir erst durch eine Ablösung der aktuellen Regierung, die den Weg zu einem glaubwürdigen Neustart der Wirtschaftspolitik eröffnet und damit das Vertrauen von privaten Haushalten, Unternehmen und ausländischen Investoren gleichermaßen wiederherstellt. Die Erholung dürfte dann zunächst in den auf den Binnenmarkt orientierten Sektoren beginnen. Solange sich eine solche Entwicklung nicht abzeichnet, sollte Brasiliens gemieden werden.

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