Kein Boom bei nachhaltigen Immobilienfonds in Europa

Das Potenzial nachhaltig verwalteter Immobilienfonds wird noch immer nicht ausgenutzt. Grund für die Flaute seien zum einen die geringe Anzahl neuer Gebäude im Europa nach der Finanzkrise. Zudem fehlen Standards für die einheitliche Bewertung und Zertifizierung von Gebäuden.

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Während nachhaltige Geldanlagen zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung weltweit boomen, herrscht bei verantwortungsvoll gemanagten Immobilienfonds noch Flaute. Nur kümmerliche 495 Millionen Euro flossen 2014 in entsprechend konzipierte Immobilienfonds. Insgesamt werden in Europa bereits 5 200 Milliarden Euro nachhaltig verwaltet. Das hat Thomas Beyerle, Group Head of Research bei Catella, berechnet.

Die Gründe für die Defizite sieht Catella Research in der geringen Anzahl neuer Gebäude in Europa in den Jahren nach der Finanzkrise. Während in deutschen Metropolen immerhin bereits etwa 5 Prozent der Büros zertifiziert sein dürften, bleiben im europäischen Gesamtschnitt über alle Regionen wohl rechnerisch annähernd 99 Prozent zumindest formal nicht nachhaltige Gebäude übrig.

Es fehlten nach wie vor einheitliche Standards bei der Bewertung und Zertifizierung von Gebäuden. Zudem gebe es weder ein allgemeingültiges Gütesiegel für nachhaltige Immobilienfonds, noch eine Benchmark für einen Peer-Group-Vergleich. Das seien unabdingbare Voraussetzungen, um Wettbewerb zu entfachen und ein marktrelevantes Volumen zu schaffen. Dennoch erwartet Catella eine positive Entwicklung in den kommenden drei Quartalen.

Der Druck von Kapitalsammelstellen nehme zu. Wie PLATOW schon oft deutlich machte, dürfte in der institutionellen Kapitalanlage in zehn, spätestens zwanzig Jahren ein Nachhaltigkeitssiegel zur Nebenbedingung der Transaktionsfähigkeit geworden sein. Das würde dann schon die heute errichteten Immobilien betreffen. Beyerle sieht auch deshalb einen Transformationsprozess voraus, von konventionellen Gebäuden, hin zu saniertem, energieeffizienten Neubestand. Viele Bestandsobjekte, insbesondere in exponierten Lagen, würden ein entsprechendes Optimierungspotenzial aufweisen.

In Due Diligence-Prozesse und Transaktionsstandards institutioneller Anleger hätten Kriterien der nachhaltigen Bewertung bereits Einzug gehalten. Bis Mitte 2016 könnte in Europa ein Volumen von rund 850 Millionen Euro in neu konzipierte, nachhaltige Immobilienfonds fließen. Beyerle sieht aber auch die Gefahren von Überinvestitionen in Nachhaltigkeit, die vor allem dann drohten, wenn ordnungspolitisch falsche Anreize gesetzt würden. Dies sei z.B. zuletzt im Segment „Solar“ geschehen. Fonds, die auf Nachhaltigkeit“ bauen, müssten ihre Investitionen gut durchkalkulieren, da nicht alle nachhaltigen Investitionsprojekte schon kurzfristig einen entsprechenden Return on Investment (RoI) generieren könnten.

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