Industrie 4.0: Deutschland verpasst Innovations-Schub

Deutschland tut sich schwer, das „Made in Germany“ auch in die Industrie 4.0 zu bringen und die Digitalisierung von Produktionsstätten und –verfahren voranzutreiben. Es fehlt an gemeinsamen Standards und Budgets – vor allem in dem für Deutschland entscheidenden Mittelstand.

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Vor vier Jahren hat Deutschland den Begriff Industrie 4.0 auf der Hannover Messe salonfähig gemacht. Doch inzwischen hinken die Firmen der Vision hinterher. Die Digitalisierung der Produktion ist ein Wettlauf zwischen den USA und Deutschland, zwischen digitaler und realer Welt. Die USA haben beim Internet die Nase vorn, Industrie „Made in Germany“ gewinnt aber jeden Vergleich.

Großkonzerne wie BMW oder VW arbeiten erfolgreich mit Produktionsstätten 4.0. Der Ansatz ist ein traditioneller und kein revolutionärer wie in den USA. Siemens-Forschungschef Siegfried Russwurm spricht von einem evolutionären Prozess. Verfahren müssten sich über Jahre verändern, aus den vielen Daten die aussagekräftigsten herausgefiltert werden.

Damit erinnere Industrie 4.0 stark an die Automatisierung in den 1980er und 1990er Jahren. Siemens beschäftigt weltweit 17 500 Software-Ingenieure und steckt die Hälfte des Forschungsbudgets von 4,5 Milliarden Euro in den Bereich. Diese Beispiele dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mittelstand bislang kaum Standards für Digitalisierungsprozesse entwickelt hat.

Die Argumente für die traditionelle Fertigung sind angesichts der Unsicherheiten, die mit Industrie 4.0 verbunden sind, verständlich. Aber es dürfen sich im mittelständisch geprägten Deutschland nicht nur die Großkonzerne Zukunftsinvestitionen leisten können. Hier gehen die USA mit gutem Beispiel voran: 2014 hat sich das „Industrial Internet Consortium“ gegründet, um mit den größten Branchenteilnehmer weltweite Standards zu erarbeiten. Der 2013 ins Leben gerufene deutsche Arbeitskreis „Plattform Industrie 4.0“, bei dem u. a. Siemens engagiert ist, hat bislang nur ein paar gut gemeinte Handlungsempfehlungen hervorgebracht.

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