Österreich: Familien-Unternehmen haben Nachwuchs-Sorgen

Nur eines von 100 mittelständischen Unternehmen in Österreich verfügt derzeit über einen potenziellen Nachfolger. Selbst im internationalen Vergleich liegt Österreich damit weit hinter den Mittelständlern anderer Länder. Doch ohne Nachfolger sind die oft Familienunternehmen stark gefährdet und damit auch sehr viele Arbeitsplätze.

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Ähnlich wie in Deutschland ist der Mittelstand auch in Österreich ein wichtiger Motor der Wirtschaft. Doch die Unternehmen haben mit immer mehr Widrigkeiten zu kämpfen. Neben steigender Steuerlast und Bürokratie ist auch die Nachfolge der meisten Mittelständler nicht geklärt. 80 Prozent der nationalen Unternehmen befinden sich in Familienbesitz. Nicht einmal jeder hundertste potenzielle Familien-Nachfolger will in das Familienunternehmen einsteigen. Damit ist Österreich im internationalen Vergleich eines der Schlusslichter. Zum Vergleich: Auch in Deutschland klagen die Mittelständler über fehlende Nachfolger, aber hier betrifft es nur jedes vierte Unternehmen.

So wollen Studenten familiengeführter Betriebe eher Karriere in einem anderen privatwirtschaftlichen Unternehmen oder in einer eigenen Neugründung machen. Und wenn sie sich dennoch entschließen, später in das Unternehmen einzutreten, erwarten sie hohe „Familienrabatte“ beim Kauf des Familienunternehmens, wie eine aktuelle Analyse von Ernst & Young zeigt.

Durchschnittlich erwarten Nachfolgegenerationen weltweit, das familieneigene Unternehmen ungefähr für die Hälfte jenes Preises zu erstehen, zu dem es ein externer Käufer erhalten würde. „In Österreich verlangen die potenziellen Nachfolger ein besonders großes Entgegenkommen: Ein gewünschter Preisnachlass von rund 59 Prozent bedeutet ex aequo mit Deutschland Platz vier“, heißt es in der Analyse. Am wenigsten wollen Studenten in Estland (73,2 % Rabatt) bezahlen, den geringsten Rabatt erwarten hingegen Nachfolger in Australien (17,7 %).

Und auch nach einer fünfjährigen Pause können sich in Österreich nur 3,4 Prozent vorstellen, im Familienunternehmen mitzuarbeiten. Nur in Schottland, Dänemark, Israel und in den USA ist die Lust auf den familiengeführten Betrieb noch geringer. Der weltweite Schnitt liegt bei 4,9 Prozent. Die Ursache für die mangelnde Bereitschaft sieht Johannes Volpini unter anderem in den immer vielfältigeren Karrieremöglichkeiten. „Andererseits wollen sich immer mehr potenzielle Nachfolger nicht einfach ins gemachte Nest setzen, sondern sich zuerst außerhalb des eigenen Familienbetriebs beweisen.“

Generell spielt aber bei der Entscheidung für eine Nachfolge auch die Größe des Unternehmens eine wichtige Rolle.  Je größer ein Unternehmen ist, umso eher übernimmt noch jemand aus der Familie das Unternehmen. So wollen bei Unternehmen mit zwei bis fünf Mitarbeitern nur 5,2 Prozent spätestens fünf Jahre nach dem Hochschulabschluss einsteigen. Bei Betrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern sind es immerhin schon 16,3 Prozent.

Zumal sich weiterhin noch eher Männer für eine Nachfolge entscheiden als Frauen. Frauen orientieren sich karrieretechnisch weiterhin lieber außerhalb des Familienbetriebes, und dass, obwohl sich immerhin 70 Prozent der weltgrößten Familienunternehmen eine Frau als nächsten CEO vorstellen können. Der Anteil von Frauen, die sich einen Einstieg vorstellen können, ist 25 Prozent niedriger als der von Männern. „Frauen sehen ihre berufliche Zukunft deutlich seltener im familieneigenen Betrieb als Männer“, so Volpini.

Das lasse sich einerseits dadurch erklären, dass es in vielen Fällen immer noch Usus sei, die Nachfolge gemäß dem Erstgeburtsrecht zu regeln – der älteste Sohn übernimmt automatisch den Betrieb. „Dazu kommt, dass männliche Studenten deutlich selbstbewusster bei der Einschätzung ihrer unternehmerischen Fähigkeiten sind und Entrepreneurship als weniger riskant einstufen.“

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