Beschuss von Klinik: Ärzte ohne Grenzen sprechen von Kriegsverbrechen

Eine Gruppe der Organisation Ärzte ohne Grenzen stuft den US-Luftangriff auf eine Klinik im afghanischen Kundus als Kriegsverbrechen ein. In der Stadt tobten am Wochenende Kämpfe zwischen den Taliban und US-gestützten Regierungstruppen.

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Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert eine unabhängige Untersuchung des Luftangriffs auf ihre Klinik im afghanischen Kundus, bei dem nach jüngsten Angaben 22 Menschen ums Leben kamen. Die Gruppe gehe ganz klar davon aus, dass ein Kriegsverbrechen begangen worden sei, erklärte ihr Generaldirektor Christopher Stokes am Sonntag. Die Untersuchung müsse auf internationaler Ebene erfolgen, da es nicht ausreiche, sich allein auf die Erkenntnisse einer Konfliktpartei zu verlassen. Nach Einschätzung von Ärzte ohne Grenzen deutet alles darauf hin, dass das Bombardement in der Nacht zu Samstag auf die von den USA geführte Militärallianz zurückgeht.

US-Verteidigungsminister Ash Carter sicherte eine vollständige und transparente Untersuchung des Vorfalls zu. Die Lage sei aber „durcheinander und kompliziert“, sagte er vor Journalisten, die ihn auf einem Flug nach Europa begleiteten. „Es wird also etwas dauern, an die Fakten zu gelangen.“ Er wisse, dass amerikanische Lufteinheiten in der Umgebung von Kundus im Einsatz gewesen seien. Und er wisse, dass das Gebäude, das man in den Nachrichten sehe, zerstört worden sei. „Ich kann ihnen derzeit nur nicht sagen, welcher Zusammenhang besteht.“

Rund um Kundus tobten derweil auch am Sonntag weiter Kämpfe. Die von den USA unterstützten afghanischen Regierungstruppen versuchten weiterhin, die radikal-islamischen Taliban aus der Stadt zu vertreiben, die sie vor etwa einer Woche eingenommen hatten. Auf den Straßen lagen verwesende Leichen. Bewohner klagten über knapp werdende Lebensmittel.


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