Schaeffler: Schulden-Abbau kommt wegen VW-Skandal ins Stocken

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler drosselt sein Tempo beim Börsengang. Zugleich zwingt das schwierige Börsenumfeld nach dem VW-Abgas-Skandal das Unternehmen zu Abschlägen beim Ausgabepreis.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Füllstation für Nadelhülsen bei Schaeffler. (Foto: Schaeffler)

Füllstation für Nadelhülsen bei Schaeffler. (Foto: Schaeffler)

Der fränkische Autozulieferer Schaeffler hat seine Börsenpläne wegen des VW-Skandals und der Talfahrt an den Aktienmärkten eingedampft. Der Wälzlager-Konzern begnügt sich nun zunächst mit maximal 1,39 Milliarden Euro, wie Schaeffler am Montag mitteilte. Finanzkreisen zufolge hatte das Unternehmen aus Herzogenaurach eigentlich 2,5 Milliarden Euro angepeilt. Damit kann die Holdingfirma der Eigentümerfamilie nicht so schnell entschuldet werden wie geplant. Statt bis zu 166 Millionen will der Großaktionär von Continental maximal 99,4 Millionen Papiere ausgeben. Insidern zufolge macht Schaeffler auch am Ausgabepreis Abstriche.

Profi-Investoren können die stimmrechtslosen Vorzugsaktien seit Montag in einer Spanne von 12 bis 14 Euro zeichnen. Am Freitag soll Schaeffler sein Debüt an der Frankfurter Börse feiern – vier Tage später als ursprünglich geplant. Eigentlich hätte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld schon am Montag die Börsenglocke zur Emission läuten wollen. Doch die Investoren zeigten sich verunsichert. Schaeffler ist auch ein großer Zulieferer von Volkswagen, der von einem Skandal um manipulierte Abgaswerte erschüttert wird.

„Angesichts der aktuellen Marktvolatilität haben wir uns gemeinsam mit unseren Gesellschaftern dazu entschieden, die Platzierung schrittweise durchzuführen“, erklärte Rosenfeld. Das Interesse institutioneller Investoren sei hoch. Privatanleger sind bei der Emission außen vor.

Nach dem Börsengang sind den abgespeckten Plänen zufolge nur elf Prozent an der Schaeffler AG im Streubesitz. 66 Millionen Aktien kommen aus einer Kapitalerhöhung. Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg geben statt bis zu 100 Millionen nur neun Millionen Papiere ab, bei entsprechend hoher Nachfrage können bis zu 24,4 Millionen hinzukommen. Den Rest der Papiere wollen die Schaefflers erst nach Ablauf einer sechsmonatigen Sperrfrist auf den Markt werfen – in einem oder mehreren Schritten. Dann sollen der Familie nur noch 75 Prozent an dem Konzern gehören – das Sagen hat sie allerdings weiterhin.

Eigentlich wollte Schaeffler mit dem Börsengang die Anleihen zurückkaufen, die die mit 3,6 Milliarden Euro verschuldete Familienholding ausgegeben hat. Das fällt nun vorerst flach. Stattdessen werden nur Bankkredite über 700 Millionen Euro für weitere fünf Jahre refinanziert und auf 800 Millionen erhöht. Das Geld kommt von der Deutschen Bank, Bank of America und HSBC Trinkaus, die auch den Börsengang begleiten. „Das Grundkonzept bleibt aber erhalten. Die Umsetzung erfolgt nunmehr in Schritten“, sagte Rosenfeld. Auf der Schaeffler AG selbst lasten weitere 6,2 Milliarden Euro Schulden.

Der Abschwung an den Aktienmärkten hat in Deutschland schon zahlreiche Börsenkandidaten aus dem Konzept gebracht. Die Bayer-Tochter Covestro schaffte mangels Nachfrage nach ihren Aktien erst nach einer Senkung der Preisspanne und mit einem geringeren Volumen von 1,5 Milliarden Euro den Sprung an die Börse. Sie will ihr Börsendebüt am Dienstag feiern. Dagegen lief die Emission des Kleinanzeigenportal-Betreibers Scout24 reibungslos. Die Aktie notierte am Montag um den Ausgabepreis von 30 Euro. Die Container-Reederei Hapag-Lloyd und der Baustoffhersteller Xella wollen in den nächsten Wochen trotz des schwierigen Umfeldes ihre Börsenprospekte veröffentlichen.

 

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick