Deutschland: Chinesischer Investor Fosun plant weitere Zukäufe

Der chinesische Investor Fosun plant weitere Zukäufe in Deutschland. Derzeit bemühen sich die Chinesen um den Kauf von Hauck & Aufhäuser und BHF Kleinwort Benson. „In Europa und Deutschland interessieren wir uns vor allem für Sektoren wie Essen, Getränke und Tourismus“, so der Fosun-Chef Liang Xinjun.

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Der Übernahmehunger der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fosun in Deutschland ist noch lange nicht gestillt. Der Konzern, der sich aktuell um den Kauf der Banken Hauck & Aufhäuser und BHF Kleinwort Benson bemüht, wolle in Zukunft vor allem Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit und Konsum („Health and Happiness“) ins Visier nehmen, sagte Vorstandschef Liang Xinjun in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview. „In Europa und Deutschland interessieren wir uns vor allem für Sektoren wie Essen, Getränke und Tourismus.“ Zudem halte er in der Gesundheitsbranche Ausschau nach Investitionsmöglichkeiten in Krankenhaus-Ketten, Medizintechnik-Unternehmen und Krankenversicherungen.

Im ersten Halbjahr trug das Segment „Health and Happiness“ 22 Prozent zu Fosuns Gewinn von rund 525 Millionen Euro bei. In naher Zukunft solle der Anteil auf 30 Prozent steigen, sagte Liang. „Wir haben bereits in Club Med und Cirque du Soleil investiert und sehen uns nach weiteren Möglichkeiten in diesem Bereich um.“ Fosun will mit diesen Firmen mehr chinesische Kunden anlocken und so für mehr Wachstum sorgen. Die Strategie basiert auf der Annahmen, dass das Milliardenvolk künftig mehr konsumiert, wie der 46-Jährige erklärte. „Wir glauben, dass die chinesische Mittelschicht ihre Ausgaben für ‚Health and Happiness‘ in den kommenden Jahren um 17 Prozent ausbauen wird.“

Fosun zählt zu den größten chinesischen Investoren im Ausland und ist in Europa unter anderem an der Modefirma Tom Tailor, dem Reisekonzern Thomas Cook und der portugiesischen Versicherung Fidelidade beteiligt. Andere Übernahmen im Finanzsektor hat Fosun bereits angekündigt, aber noch nicht abgeschlossen. Mit weiteren Zukäufe habe er es deshalb nicht eilig, betonte Liang. „Es gibt viele Dinge, die wir uns vorstellen könnten. Aber wir wollen jetzt erst einmal die Versicherungs- und Bankendeals abschließen, diese Firmen dann stärken und mehr Zeit damit verbringen, ihr Portfolio zu verbessern und ihre Gewinne zu erhöhen.“

Liang hat Fosun 1992 zusammen mit drei Studienkollegen gegründet und die Firma 2007 in die Börse in Hongkong gebracht. Die Gründer halten noch rund 73 Prozent an dem Konzern, der auch nach dem jüngsten Kurssturz an den chinesischen Börsen noch 16 Milliarden Dollar wert ist. In Deutschland sorgt Fosun seit diesem Sommer für Schlagzeilen. Anfang Juli sicherte sich das Unternehmen die Mehrheit an der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser, zwei Wochen später kündigte es eine Offerte für das britisch-deutsche Geldhaus BHF Kleinwort Benson an. Beide Übernahmen seien für Fonsuns Verhältnisse relativ klein, aber strategisch wertvoll, sagte Liang. „Plattformen in wichtigen Märkten wie Deutschland haben für uns eine große Bedeutung.“

Ob die Übernahme von BHF Kleinwort Benson gelingt, mit deren Chef Lenny Fischer sich die Chinesen zerstritten haben, steht allerdings in den Sternen. Die Angebotsunterlagen werden aktuell von der belgischen Börsenaufsicht gerüft, da das Institut dort gelistet ist. Finanzkreisen zufolge warten die Belgier noch auf positive Zeichen von den Finanzbehörden in Großbritannien und Deutschland, bevor sie das Angebot offiziell zulassen wollen. Laut Liang befindet sich Fosun in einem konstruktiven Prozess mit den Behörden. „Alles ist im Zeitplan.“ Der Konzern hat ein Angebot von 5,10 Euro je Aktie in Aussicht gestellt, was BHF-Großaktionäre wie Stefan Quandt und Templeton als zu niedrig zurückgewiesen haben. Zur Frage, ob Fosun die Offerte aufstocken könnte, hielt sich Liang bedeckt. Im Mittelpunkt stehe die Bank, ihre Kunden und ihre Mitarbeiter, sagte er. „Wir sind sehr aufgeschlossen und wollen mit den anderen Aktionären weiterhin als Partner zusammenarbeiten.“

Zugehen will Liang auch auf die Ratingagenturen. S&P hat die Firma 2014 auf „BB“ herabgestuft und ihre Anleihen damit als spekulatives Investment klassifiziert. Liang hält das für ungerechtfertigt. Fosun finanziere manche Zukäufe schließlich mit Geldern seiner Versicherungs-Töchter. „Unsere Verschuldung steigt auf Konzernebene also nicht automatisch, wenn wir Übernahmen stemmen.“ Im Gegenteil. Die Verschuldung des Unternehmens gehe seit 2013 zurück. „Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir bald ein besseres Rating erhalten.“

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