Die mutlose Fed: Zins-Wende kaum noch im Jahr 2015

Das Spekulieren geht weiter: Trotz der Versicherung von Fed-Chefin Janet Yellen, die Zinswende noch in diesem Jahr zu vollziehen, glauben viele Markt-Akteure nicht mehr daran.

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Die US-Notenbank Fed hat nach Einschätzung eines führenden Vertreters ihr Ziel der Vollbeschäftigung bereits erreicht. Trotzdem sollte die Zentralbank noch nicht mit den Zinserhöhungen beginnen, sagte der Präsident der Notenbank von Chicago, Charles Evans, am Montag zu Reportern im Anschluss an eine Rede beim Welt-Branchenverband der Stahlindustrie. Beim Inflationsziel bestehe noch Nachholbedarf. Evans gilt als geldpolitische Taube im Offenmarktausschuss (FOMC), ist also eher für eine lockere Geldpolitik zur Stimulierung der Wirtschaft. Der beste Zeitpunkt für die Zinswende sei Mitte 2016. Die Fed könnte jedoch früher mit den Zinserhöhungen anfangen. Es gebe „zeitlichen Spielraum“ für diesen Schritt.

Auch nach der Veröffentlichung der Fed-Protokolle zur jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) im September geht das Rätselraten um den Zeitpunkt für die Zinswende in den USA weiter. Die Mehrheit der FOMC-Mitglieder erwartet zwar den ersten Zinsschritt noch in diesem Jahr, einigen Fed-Granden bereitet jedoch die anhaltend niedrige Inflation Bauchschmerzen. Die Zinspolitik der Fed war denn auch neben der Wachstumsschwäche in China ein heiß diskutiertes Thema auf der IWF-Tagung in Lima am Wochenende. IWF-Chefin Christine Lagarde war voll des Lobes für die Entscheidung von Fed-Präsidentin Janet Yellen, die Zinsen im September noch nicht zu erhöhen.

Der Währungsfonds hatte sich im Vorfeld der Fed-Sitzung ungewöhnlich deutlich für eine Verschiebung der Zinswende stark gemacht. Dieses offensive Drängen war in Zentralbank-Kreisen allerdings nicht überall gut angekommen. Yellens Zögern und die zuletzt unerwartet schwachen US-Arbeitsmarktdaten nähren bei den Markt-Akteuren zunehmend Zweifel, dass die Fed-Chefin tatsächlich den Mut hat, die Leitzinsen noch in diesem Jahr anzuheben. An eine Zinserhöhung bereits auf der nächsten FOMC-Sitzung am 27. und 28. Oktober glauben inzwischen nur noch wenige Marktteilnehmer. Die Erwartungen verschieben sich zunehmend in das nächste Jahr. Yellen muss denn auch aufpassen, dass sie durch ihr Zögern nicht als zahnloser Tigerin erscheint.

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