Forscher entwickeln erstes künstliches Gehirn

Erstmals ist es einem Forscherteam gelungen, einen Teil eines Rattenhirns künstlich nachzubauen. 81 Wissenschaftler bauten dazu zehn Jahre lang 30.000 Neuronen nach. Zwischen Forschern und privaten Investoren ist ein Wettlauf um die Entwicklung des ersten vollständigen Hirns entbrannt.

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Einem internationalen Forscher-Team ist es erstmals gelungen, einen Teil eines Rattenhirns künstlich nachzubauen. Das so genannte Blue Brain Projekt bildet die Hirne verschiedener Säugetiere mittels Software auf einem Supercomputer nach. Der Projektleiter Henry Markram von der polytechnischen Hochschule in Lausanne hat im Fachblatt Nature veröffentlicht, dass er und seine 81 Kollegen nach einem Jahrzehnt Forschungsarbeit endlich das Abbild eines voll funktionsfähigen Hirnteils mit rund 30.000 Neuronen und etwa 37 Synapsen rekonstruiert haben.

Im Vergleich zu den 85 Milliarden Neuronen, die ein menschliches Hirn enthält, ist das zwar etwa soviel wie ein Sandkorn. Dennoch ist die Entwicklung ein großer Schritt, da es um das Muster geht: Ist erst einmal ein kleiner Teil nachgebaut und funktioniert, so kann das Bauprinzip für den Nachbau der übrigen Teile angewendet werden.

Die Forscher haben dazu die Daten aus bestimmten Hirnzellen der Ratten genutzt um zu berechnen, wie mehrere Hirnzellen in einem Hirnteil zusammen funktionieren.  Danach haben sie die Hirn-Aktivität simuliert, indem sie die Bewegung eines Schnurrhaars als eine Art Testprogramm auf der Hardware laufen ließen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass ihre Hirn-Kopie sich exakt so verhält wie ein richtiges Gehirn und dieselben Muster an elektronischen Signalen entstehen – das digitale Hirn also funktioniert.

Hinter der Entwicklung steht das Human Brain Project, das die vergangenen zehn Jahre und rund eine Milliarde Dollar an Forschungsgeldern investiert hat. Das Projekt ist eines der größten und längsten wissenschaftlichen Projekte in dem Bereich. Die schiere Länge des nun veröffentlichten Berichts hielt bisher auch viele Forscher davon ab, eine Einschätzung dazu abzugeben, da es einige Zeit brauchen um sich ein qualifiziertes Urteil über die Ergebnisse zu bilden.

Trotz oder gerade wegen der schieren Unmöglichkeit, alle Synapsen eines Gehirns künstlich nachzubauen, gilt die Erschaffung eines künstlichen Hirns oder einer menschenähnlichen künstlichen Intelligenz derzeit als eines der meistverfolgten Ziele in der Wissenschaft. Dabei verfolgen nicht mehr nur Universitäten, sondern zunehmend auch private Institute und Unternehmen dieses Ziel.

Microsoft-Mitgründer Paul Allen hat jüngst für 500 Millionen Dollar zwei Teams von Hirnforschern angeheuert, um das menschliche Hirn zu dekonstruieren und mittels Reverse Engineering von Grund auf nachzubilden. Ziel seines Allen Institute for Artificial Intelligence in Seattle sei es, eine Künstliche Intelligenz zu schaffen, die soweit zu bringen, dass sie eine High-School Prüfung bestehen kann, so ein Bericht der Washington Post. Auch Tesla-Gründer Elon Musk hat zusammen mit Facebook-Gründer Zuckerberg und Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher ein ähnliches Projekt namens Vicarious finanziert, um die weltweit erste menschenähnliche künstliche Intelligenz zu schaffen, so ein Bericht vom Techinsider. Neben den Tech-Riesen gibt es auch Projekte wie Nara.me, die AI für jedermann anbieten wollen, berichtet Wired.

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