Schwere Ausschreitungen nach Pegida-Demonstration in Dresden

Bei der Pegida-Demo am Montag in Dresden ist es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremen und Linksextremen gekommen. Ein Pegida-Anhänger wurde schwer verletzt. Die Polizei wurde mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Eine beispiellose Hass-Rede von Akif Pirincci wurde selbst den Pegida-Anhängern zuviel.

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Nach der Kundgebung der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung ist es in Dresden zu Ausschreitungen gekommen. Die Lager der Pegida-Anhänger und der linken Gegner stünden sich an verschiedenen Punkten in der Stadt gegenüber, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend. „Es ist viel Bewegung drin.“

Nach unbestätigten Berichten der „Sächsischen Zeitung“ kam es zu Ausschreitungen von Hooligans und Angriffen von Neonazis. Im Kurznachrichtendienst Twitter kursierten Videos, auf denen zu sehen ist, wie Böller gezündet werden. Wie der Sprecher bestätigte, waren zuvor Polizisten mehrfach gezielt angegriffen worden. Unter den Beamten habe es keine Verletzten gegeben. Reporter der dpa meldeten, dass, als die Polizei versuchte, eine Demonstration von Pegida-Gegnern zurückzudrängen, diese von hinten mit Pyrotechnik angegriffen worden sei.

Bei den Auseinandersetzungen während der Demo war zuvor ein Pegida-Anhänger schwer verletzt worden. Der Mann sei am Montagabend auf dem Weg zur Kundgebung der islamfeindlichen Bewegung am Theaterplatz angegriffen worden, sagte ein Polizeisprecher. Dass dabei eine Eisenstange benutzt wurde, wie es in einem Bericht der „Sächsischen Zeitung“ hieß, schloss er aus.

Am Theaterplatz kamen nach Schätzungen der Gruppe „Durchgezählt“ rund 15.000 bis 20.000 Anhänger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ zusammen. Pegida-Sprecher Lutz Bachmann sprach von 39.000 Teilnehmern. Bei der Kundgebung sprach unter anderem ein Abgeordneter der tschechischen Nationalisten-Partei, ein Vertreter der Lega Nord aus Italien und eine Sprecherin von Pegida-Polen. Die Redner sprachen vom kulturellen Erbe in Europa, das es zu bewahren gelte. Es wurde eine neue Pegida-Hymne vorgestellt, deren anonymer Komponist das Erbe von Bach, Beethoven und Wagner beschwor. Sein eigenes Werk war für musikalische Ohren allerdings höchst abschreckend und rechtfertigt, dass sich die Dresdner Oper mit Spruchbändern entschieden von der Veranstaltung distanziert hatte.

Danach sprach Akif Pirincci und lieferte eine in Deutschland im öffentlichen Raum einer politischen Versammlung in den vergangenen Jahrzehnten noch nie gehörte Hass-Rede. Die von Fäkal-Worten und schwer rassistischen Ausfällen geprägte Rede war selbst für die Pegida-Teilnehmer unerträglich: Zunächst schwiegen die Zuhörer betreten. Schließlich begannen sie, den Redner auszupfeifen und riefen „Keine Hetze!“. Als sich Pirincci nicht stoppen ließ, skandierten die schockierten Pegida-Demonstranten „Aufhören!“. Der Organisator Bachmann veranlasste Pirincci, seine Rede vorzeitig zu beenden.

An vier Gegendemonstrationen, die aus verschiedenen Richtungen sternförmig in die Altstadt zogen, nahmen demnach mindestens 14.000 Menschen teil.

Es habe mehrere Angriffe von Gegendemonstranten auf Polizeibeamte gegeben, sagte der Sprecher. Die Polizisten hätten daraufhin Pfefferspray eingesetzt. Am Schlossplatz hätten sich beide Lager gegenseitig mit Gegenständen beworfen, Pyrotechnik gezündet und versucht, zueinander durchzudringen. Das habe die Polizei verhindert.

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