Ex-Mitarbeiter: Citigroup belohnte Handel mit Insider-Informationen

Die Investment-Bank Citigroup hat gezielt Anreize gesetzt, um den Handel mit Insider-Informationen intern zu fördern. Dies sagte ein ehemaliger Händler der Bank in einem Gerichtsprozess aus. Demnach hingen seine Bonus-Zahlungen direkt davon ab, wie erfolgreich er Informationen sammelte und an Händler anderer Banken weiterleitete.

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Der ehemaliger Händler der Investmentbank Citigroup Perry Stimpson erhebt schwere Vorwürfe gegen das Finanzinstitut. Er sagte vor Gericht im Zuge eines Arbeitsrechtsprozesses aus, dass der Handel mit Insider-Informationen zum Alltag in der Bank gehörte. Demnach seien sensible Daten über die Handelsaktivitäten von Zentralbanken an Kunden weitergegeben worden. Auch die Auftragsbücher des Devisenhandels seien in Chatrooms mit Kunden geteilt worden.

„Unsere Investoren-Abteilung teilte einem Kunden auf dessen wöchentliche Anfrage die Handelsaktivitäten einer Zentralbank mit, die Citigroup abgewickelt hatte“, zitiert Reuters den ehemaligen Devisenhändler. Stimpson ging jedoch nicht darauf ein, um welche Zentralbank es sich dabei handelte. „Eine weitere geläufige Praktik war es, die Auftragsbücher von Citigroup in Bloomberg-Chats mit Kunden zu teilen“, so Stimpson weiter.

Der ehemalige Citigroup-Angestellte war 25 Jahre in der Devisenabteilung der Bank tätig. Er wurde im November 2014 im Zuge des internationalen Devisen-Skandals entlassen. Dabei tauschten Händler verschiedener Großbanken untereinander Informationen zum Devisenhandel mit dem Ziel aus, den Markt zu ihren Gunsten zu manipulieren. Die Manipulation flog auf und die Banken mussten Strafzahlungen in Milliardenhöhe in Kauf nehmen. Citigroup erhielt dabei mit 2,3 Milliarden Dollar eine der höchsten Geldbußen.

Stimpson klagt nun gegen seine Entlassung, die er als „unfair“ ansieht. Führende Mitarbeiter seien für dieselben Verhaltensweisen befördert worden, für die er seinen Job verloren habe. Der ehemalige Citigroup-Abgestellte gab vor Gericht zu Protokoll, dass die Bank gezielt Anreize gesetzt habe, um Devisenhändler zum Austausch von Insider-Informationen zu bewegen. So hingen seine jährlichen Bonuszahlungen direkt davon ab, wieviele Informationen er sammelte und ob er diese an Händler bei anderen Banken weitergab.

Entgegen den offiziellen Verhaltensregeln der Bank gehöre Insider-Handel zum Alltagsgeschäft, so Stimpson. So hätten führende Mitarbeiter der Bank regelmäßig Insider-Informationen verwendet, um privat Profite am Finanzmarkt zu erzielen. Als Beispiel nannte Stimpson den damaligen Chef der Abteilung für kurzfristige Zinsgeschäfte, Michael Plavnik. Dieser habe erfahren, dass Citigroup am Tag der Zinsfestsetzung eine große Menge Euros kaufen werde. Plavnik habe diese Vorab-Information zu seinem Vorteil ausgenutzt, indem er die Währung vor dem „Fixing“ kaufte und sie danach wieder auf den Markt warf. Plavnik wurde inzwischen zum weltweiten Leiter seiner Abteilung befördert.

Andere führende Mitarbeiter hätten im Zuge einer Firmenübernahme eines Kunden von Citigroup Profit aus Insider-Informationen geschöpft, berichtet die FT unter Berufung auf die Zeugenaussage des ehemaligen Citigroup-Angestellten. Der Übernahme-Deal wurde im Jahr 2010 von Citigroup eingefädelt und hatte auch Effekte auf den Devisenmarkt. Der Chef des Devisenhandels Anwil Praswad und der Leiter der Handelsabteilung Jeff Feig hätten Internas genutzt, um für die Bank mit dem Handel von Devisen einen Profit von 35 Millionen Euro zu erzielen. Diese „risikolosen Insider-Geschäfte“ seien zwar offiziell bei Citigroup nicht erlaubt, doch tatsächlich seien solche Praktiken Alltagsgeschäft, so Stimpson.

Die Bank wies die Vorwürfe ihres ehemaligen Mitarbeiters zurück. „Alle Vorwürfe von Herrn Stimpson über etwaiges Fehlverhalten wurden untersucht und stellten sich als haltlos heraus“, so ein Sprecher der Bank. Citigroup behauptet, Stimpson wolle mit seinen Anschuldigungen nur von seinem eigenen Fehlverhalten ablenken.

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