Deutsche Bank streicht Dividende auch für 2016

Die Deutsche Bank braucht länger und muss härter sparen, um wieder auf Kurs zu kommen. Das ist auch eine schlechte Nachricht für die Aktionäre: Die Bank streicht die Dividende auch für das Jahr 2016.

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Der Sparkurs der Deutschen Bank trifft die Aktionäre härter als gedacht. Die Dividende für die Jahre 2015 und 2016 werde gestrichen, teilte das Institut am Mittwochabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Grund ist die neue „Strategie 2020“, mit der sich Deutschlands größtes Geldhaus einen radikalen Spar- und Schrumpfkurs verordnet. Bislang hatte der neue Chef John Cryan nur ein Fragezeichen hinter die Ausschüttung für das laufende Jahr gesetzt. Im Vordergrund steht bis auf weiteres die Aufpolsterung der Kapitaldecke – auch durch den Abbau von Risiken in der Bilanz.

Die in der Sanierung steckende Deutsche Bank verlangt ihren Aktionären Geduld ab. Der neue Chef John Cryan streicht die Dividende für die Jahre 2015 und 2016, weil er der Aufpolsterung der Kapitaldecke zunächst alles andere unterordnet. Deutschlands größtes Geldhaus gab die Entscheidung am Mittwochabend nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt. Hintergrund ist die neue „Strategie 2020“, die im Kern eine Schrumpfkur vorsieht. Die Deutsche Bank will nicht mehr alles für jeden sein und ihre knappen Ressourcen besser einsetzen. Details der Neuausrichtung werden an diesem Donnerstag erwartet, wenn Cryan erstmals vor die Presse tritt. Investoren hoffen dann vor allem auf mehr Informationen zum milliardenschweren Sparprogramm, das Finanzkreisen zufolge auch den Abbau tausender Jobs mit sich bringt.

Cryan hatte im Juli die Nachfolge des glücklosen Anshu Jain angetreten. Dieser hatte die neue Strategie im April zwar schon in groben Zügen vorgestellt, aber viele Fragen offen gelassen. Wenige Wochen später verlor er das Vertrauen der Investoren und trat zurück. Der neue Mann an der Spitze verschärft nun die Gangart deutlich, um die renditeschwache und skandalerschütterte Deutsche Bank wieder in die Spur zu bringen.

Am Mittwochabend nannte Cryan zunächst mittelfristige Finanzziele. Ganz oben auf der Agenda: Ende 2018 soll die Deutsche Bank eine harte Kernkapitalquote von mindestens 12,5 Prozent haben. Jain hatte nur elf Prozent angepeilt, viele internationale Konkurrenten liegen schon heute deutlich darüber. Mit dem dickeren Kapitalpuffer wird auch das – im Frühjahr bereits gesenkte – Renditeziel von über zehn Prozent ambitionierter. Die absolute Verschuldungsquote (Leverage Ratio) soll sich unter Cryan binnen drei Jahren auf mindestens 4,5 Prozent verbessern, bis Ende 2020 peilt er mindestens fünf Prozent an.

Schon gleich nach seinem Amtsantritt hatte Cryan beklagt, die Deutsche Bank sei viel zu komplex, die Kosten seien „verschwenderisch“ hoch. Der Status quo sei daher keine Option. Jetzt diktierte er dem Institut eine Kostenquote von rund 70 Prozent im Jahr 2018 und rund 65 Prozent im Jahr 2020 ins Aufgabenbuch. Im vergangenen Jahr musste die Bank für jeden Euro, den sie verdient, fast 87 Cent aufwenden – im Branchenvergleich viel.

Der Brite Cryan, der sich schon bei der Schweizer UBS einen Namen als Sanierer gemacht hat, hat in seinen ersten Monaten bei der Deutschen Bank bereits einiges an Aufräumarbeiten geleistet: Erst kehrte er mit eisernem Besen durch die Bilanz. Herbe Abschreibungen auf die Investmentbank und die vor einem Börsengang stehende Postbank brocken dem Institut im dritten Quartal einen Verlust von sechs Milliarden Euro ein. Dann entmachtete Cryan eine Reihe von Jain-Vertrauten und gab einen tiefgreifenden Konzernumbau bekannt. Ohne Rücksicht auf alte Seilschaften riss er gewohnte Strukturen ein. Jetzt kann die Aufbauarbeit beginnen.

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