Statt Giftspray: Bienen verbreiten natürliche Pflanzenschutzmittel

Ein Start-up aus Kanada hat ein biologisches Pflanzenschutzmittel entwickelt, das durch Bienen verteilt wird. Das Pulver besteht aus natürlichen Nutzpilzen, die die Pflanzen stärken und unschädlich für Menschen und Umwelt seien, so der Hersteller. Setzt sich die Methode durch, könnten dies den Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft um 99 Prozent reduzieren.

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Die Bio-Pflanzenschutzmittel können über jedes Bienenvolk in den Blüten verteilt werden, Hummeln sind jedoch am Besten geeignet. (Foto: BVT)

Die Bio-Pflanzenschutzmittel können über jedes Bienenvolk in den Blüten verteilt werden, Hummeln sind jedoch am Besten geeignet. (Foto: BVT)

Eine Firma aus dem kanadischen Vancouver hat eine schonende Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln entwickelt, die das natürliche Verhalten der  Bienen in die Landwirtschaft integrieren soll. Das Unternehmen namens Bee Vectoring-Technologie (BVT) will Bienen und Landwirtschaft versöhnen, indem sie beiden zusammen in einem System verbindet. Die Bienen verteilen dabei  winzige Mengen von biologischen Pestiziden und Nutzorganismen wie Pilzen, während sie den Nektar sammeln und die Pflanzen bestäuben.

Chemischen Pflanzenschutzmittel gelten nicht nur als Umweltschädlich – sie gelten auch als Hauptverursacher des Bienensterbens. Bio-Anbau allein ohne jegliche Chemie ist jedoch anfällig für Schädlingsbefall und derzeit nicht ertragreich genug, um die konventionelle Landwirtschaft  dauerhaft und großflächig zu ersetzen. Biologische Verfahren zur Ertragssteigerung könnten hier einen Kompromiss darstellen – und eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz bauen, so das erklärte Ziel von BVT.

Die Verteilung natürlicher Mittel durch die Bienen bietet zahlreiche Vorteile gegenüber chemischen Spritzmitteln:  Das Low-Tech Inokulum-Spendersystem ist dem Unternehmen zufolge nachhaltiger und auch weit effizienter als die großflächige Besprühung: Ein Pulverspender wird einfach  in den Deckel der kommerziellen Bienenstöcken eingehängt. Wenn die Hummeln ihren Stock verlassen, müssen sie zu Fuß über ein Tablett laufen, das bestäubt ist mit dem Bio-Pestizid-Pulver, das ähnlich wie Pollen durch ihre behaarten Beine aufgenommen wird. Die Bienen fliegen los und bestäubenden Blütenknospen von Apfelbäumen, Erdbeerpflanzen, Raps und andere Pflanzen. Dabei lassen sie winzige Mengen der Schädlingsbekämpfungsmitteln genau an dem Punkt, wo sie gebraucht werden – im Inneren der Blume.

Das Pulver besteht aus einer Rezeptur von organischen Verbindungen, die nützliche Pilze und Bakterien enthalten, erklärt das Magazin Gizmag in einem Bericht. Dazu habe BVT einen natürlich vorkommenden Pilz verwendet, der bei der Kontrolle einer Vielzahl von Krankheiten hilft, die durch schädliche Pilzerreger hervorgerufen werden. Der Nutzpilz bekämpft die schädlichen Pilze und kommt laut Hersteller auch in der natürlichen Umwelt häufig mit den Bienen und Pflanzen in Kontakt und soll zudem unschädlich für Menschen sein. Der Pilzstamm wirkte zudem wie ein natürlicher Dünger:  Er erhöht demnach die Nahrungsaufnahme einer Pflanze, hilft ihr zu wachsen und mehr Früchte zu tragen und erhöht die Haltbarkeit von bestimmten Früchten wie Beeren.

Zum kommerziellen Anbau von Pflanzen müssen die Pestizide genau zur richtigen Zeit in die blühenden Knospen gebracht werden. Bisher werden dazu die Pflanzen und Bäume großflächig nach dem Gießkannenprinzip besprüht, eine Methode die erschreckend ungenau ist.: Laut Michael Collinson, Firmenchef und CEO von BVT, landet gerade einmal 1 Prozent der konventionellen Pestizide da, wo es soll, während die andere 99 Prozent auf dem Boden landet oder verweht. Hunderte Liter des Ungeziefersprays kann mit dem Wind kilometerweit treiben – und damit ganze Landstriche kontaminieren.  Zudem bleiben dabei bis zur Hälfte der Blüten unbehandelt und stirbt ab, da sie sich zwischen zwei Spritz-Gängen geöffnet haben.

Die Bienen liefern die natürlichen Pflanzenschutzmittel hingegen jeden Tag und punktgenau in den Blüten ab: Die Menge an verbrauchten Pestiziden verringert sich von mehreren Kilogramm auf wenige Gramm. Das Pulver könne durch alle möglichen Bienenvölker verbreitet werden, allerdings seien Hummeln für das Verfahren am geeignetsten, da sie auch bei relativ niedrigeren Temperaturen ausfliegen und 10-mal mehr  Pollen oder Impfmittel tragen können als Honig-Bienen.

Das Modell könnte eine echte Alternative zu der bisherigen Pestizid-Politik sein, die Nahrung, Kleidung und Wasser vergiftet. Die Vorteile überzeugen offenbar auch Investoren als Geschäftsmodell für die Zukunft: Das Unternehmen hat kürzlich 3 Millionen Euro an Investorengeldern eingenommen, berichtet Techvibes.


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