Drastischer Sparkurs: UniCredit streicht 18.000 Stellen

Die italienische Großbank Unicredit steht vor einem drastischen Sparprogramm und streicht mehr als 18.000 Stellen. Davon betroffen ist auch die deutsche Tochter HypoVereinsbank. Doch besonders schwer trifft es Österreich. Dort will UniCredit das Filialgeschäft seiner Bank Austria entweder verkaufen oder drastisch sanieren.

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Die italienische Großbank UniCredit streicht rund 18.200 Stellen und stellt das Filialnetz der Bank Austria in Österreich zur Disposition. Konzernchef Federico Ghizzoni will damit die Rendite steigern, die Kapitaldecke aufbessern und den Anlegern die Sorge vor einer erneuten milliardenschweren Kapitalerhöhung nehmen, die ihre Anteile verwässern würde.

Die Bank Austria bekommt bis Ende 2016 Zeit, ihr Filialnetz umzubauen oder es aufzugeben. Verhandlungen über einen Verkauf mit dem Konkurrenten Bawag/P.S.K. laufen laut Finanzkreisen bereits. Zudem soll Wien die Holding verlieren, über die die Mailänder Bank bisher das gesamte Osteuropa-Geschäft steuert. Ghizzoni hat seine Strategie überarbeiten müssen, weil sich die bisherigen Vorgaben als nicht haltbar entpuppt haben.

Der Vorstandschef sprach am Mittwoch von ambitionierten, aber realistischen Zielen. Ghizzoni will die Kosten bis 2018 um 1,6 Milliarden Euro senken. 1,2 Milliarden Euro sollen für die Ausrichtung auf das digitale Zeitalter übrigbleiben. Vor allem in Osteuropa sind UniCredit die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Der Nettogewinn soll sich 2018 auf 5,3 Milliarden Euro belaufen. Bisher hatte sich Ghizzoni 6,6 Milliarden Euro vorgenommen. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital will der Italiener auf elf Prozent mehr als verdoppeln. In den ersten neun Monaten 2015 waren es nur fünf Prozent.

Insgesamt soll die Belegschaft von UniCredit um ein Siebtel auf 111.000 schrumpfen. Die Mailänder reihen sich damit in eine lange Reihe europäischer Geldhäuser ein, von Barclays bis zur Deutschen Bank, die in den vergangenen Wochen massive Sparmaßnahmen angekündigt haben. Der Abbau bezieht sich allerdings auf den Mitarbeiterstand des vergangenen Jahres. Ein Teil der Stellen ist längst weg.

So muss die Münchner HypoVereinsbank (HVB) in den nächsten drei Jahren unter dem Strich nur noch 1200 Arbeitsplätze streichen, vornehmlich in der Verwaltung, wie Insider zu Reuters sagten. Der Mutterkonzern kalkuliert zwar mit 2900 Arbeitsplätzen, die in Deutschland wegfallen sollen, in dieser Rechnung seien aber auch Stellen enthalten, die die HVB im Zuge der Schließung von knapp der Hälfte ihrer Filialen bereits gekürzt habe, hieß es in Finanzkreisen. Rund zwei Drittel der davon betroffenen 1500 Beschäftigten hätten die Bank schon verlassen. Ende 2018 sollen damit noch 15.000 Menschen für die HVB arbeiten.

Der Vorstand der HVB sei zuversichtlich, den nötigen Abbau über natürliche Fluktuation und mit Abfindungen bewerkstelligen zu können, ergänzten die Insider. Etwa 250 vakante Stellen seien in den vergangenen Monaten deswegen schon unbesetzt geblieben. HVB-Chef Theodor Weimer will die Pläne für sein Institut erst am Donnerstag vorstellen. „Das Motto heißt im Moment offenbar ,Totsparen‘“, sagte Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi, der auch im HVB-Aufsichtsrat sitzt. „Der Eigentümer muss sich fragen lassen, was er mit der HVB eigentlich vorhat – ob er sie wirklich schätzt oder ob er sie einen langsamen Tod sterben lassen will.“ Von 60.000 Mitarbeitern nach der Fusion von Hypo-Bank und Bayerischer Vereinsbank 1998 seien bald nur noch ein Viertel da.

Auch in Österreich steht UniCredit vor radikalen Einschnitten. Das Privatkundengeschäft der Bank Austria mit 1,7 Millionen Kunden könnte an den Eigentümer der Bawag gehen, den US-Fonds Cerberus. Er hofft, die dadurch gestärkte Bawag so leichter verkaufen zu können. Die Preisvorstellungen von UniCredit – laut Medienberichten 800 Millionen Euro – seien aber zu hoch, so ein Insider. Probleme bei den Verhandlungen bereiten laut Medienberichten die vielen unkündbaren Mitarbeiter. Rund ein Drittel der 9280 Beschäftigten in Österreich habe solche Alt-Verträge. Der Betriebsrat will einen Verkauf des Privatkundengeschäftes nicht kampflos hinnehmen.

Die Bank Austria leidet unter Verlusten in der Ukraine und hohen Rückstellungen für faule Kredite. Die ukrainische Tochter Ukrsotsbank steht bereits seit einiger Zeit zum Verkauf, hat aber noch keinen neuen Eigentümer gefunden. In den ersten drei Quartalen halbierte sich der Gewinn der Bank Austria in etwa auf 660 Millionen Euro. Allein die Zwangskonvertierung von Schweizer-Franken-Krediten in Euro in Kroatien kostete 205 Millionen Euro.

Die UniCredit verschmilzt zudem ihre Fondsgesellschaft Pioneer mit dem Vermögensverwalter der spanischen Großbank Santander. Dadurch fallen bei UniCredit allein 6000 Arbeitsplätze weg. Mit einem verwalteten Vermögen von 400 Milliarden Euro soll eine der zehn größten Fondsgesellschaften in Europa entstehen. UniCredit hält daran künftig nur noch ein Drittel der Anteile, ein Drittel geht an die Finanzinvestoren General Atlantic und Warburg Pincus.

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