Kartellamt prüft Hörbuch-Praxis von Amazon und Apple

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels legte Beschwerde gegen die Hörbuch-Praxis von Apple und Amazon ein. Der Vorwurf ist der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Das Bundeskartellamt hat ein Verwaltungsverfahren eröffnet.

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Das Bundeskartellamt hat Amazon und Apple wegen ihrer Geschäfte in der Hörbuch-Praxis ins Visier genommen. Die Behörde eröffnete im Zusammenhang mit dem Vertrieb von Hörbüchern der Amazon-Tochter Audible über Apples Download-Plattform iTunes ein Verwaltungsverfahren, wie sie am Montag mitteilte. Auslöser sei eine Beschwerde des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die sich gegen verschiedene Verhaltensweisen von Audible wende, unter anderem die exklusive Belieferung an iTunes.

Die beiden Unternehmen haben bei dem digitalen Angebot von Hörbüchern in Deutschland eine starke Position. Daher sehen wir uns veranlasst, die Vereinbarung zwischen diesen beiden Wettbewerbern im Hörbuchbereich genauer zu prüfen“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. „Es muss sichergestellt sein, dass den Hörbuchverlagen für den Absatz ihrer digitalen Hörbücher hinreichende Ausweichalternativen zur Verfügung stehen.“ Die Behörde stehe im engen Kontakt mit der Europäischen Kommission, der die Beschwerde ebenfalls vorliege.

Verlagen sei es derzeit nicht möglich, ihre Hörbücher adäquat auch unabhängig von Audible zu vertreiben, kritisierte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. „Die Leidtragenden sind nicht nur Hörbuchverlage, sondern auch Buchhändler sowie der Zwischenbuchhandel und am Ende der Leser und Hörer, denn eine solche Geschäftspolitik gefährdet die kulturelle Vielfalt und die Qualität auf dem Buchmarkt.“ Der Börsenverein wirft Amazon und Apple vor, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen, um Hörbuchverlagen unzumutbare Bedingungen für die Vermarktung digitaler Hörbücher aufzuzwingen. So sollten die Verlage durch Kündigung bestehender Lizenzverträge in ein Flatratemodell gedrängt werden, mit dem deutlich niedrigere Umsätze erzielt werden können. Apple und Audible wollten sich zu den Vorwürfen und dem Verfahren nicht äußern.

Audible ist ein führender Produzent und Anbieter von Hörbüchern in Deutschland mit Schwerpunkt Downloads, die sowohl über Audible.de als auch über die Amazon-Handelsplattform abrufbar sind. Apple betreibt mit dem iTunes-Store eine der größten digitalen Medien-Handelsplattformen. Nach Angaben des Börsenvereins werden über die Onlineplattformen von Audible  sowie iTunes nach Menge und Umsatz mehr als 90 Prozent aller Downloads von Hörbüchern in Deutschland getätigt.

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