Schweiz: 2016 fahren Elektrobusse ohne Fahrer

Im Schweizer Ort Sitten werden die Einwohner im kommenden Jahr mit fahrerlosen Elektrobussen durch die Stadt fahren. Bis zu neun Personen finden darin Platz, schneller als 20 Kilometer pro Stunde fahren diese allerdings nicht.

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So wird er aussehen, der neue Elektrobus für die PostAuto Schweiz AG. (Foto: Navya)

So wird er aussehen, der neue Elektrobus für die PostAuto Schweiz AG. (Foto: Navya)

Selbstfahrende, elektrische Autos sind die Zukunft, so wird es derzeit kommuniziert. Doch nicht nur bei den Autos wird das System forciert, auch LKW und Busse sollen zukünftig so fahren. In der Schweiz wird es im kommenden Jahr den ersten in der Öffentlichkeit fahrenden Elektrobus ohne Fahrer geben. Das Unternehmen PostAuto Schweiz AG will in der rund 33.000 Einwohner großen Stadt Sitten im Kanton Walles zwei Busse dieser Art auf die Straße bringen. Ab Dezember laufen die ersten Tests auf nichtöffentlichen Geländen.

„Es ist das erste Mal, dass ein Transportunternehmen in der Schweiz diese Technologie im öffentlichen Raum einsetzt, um Passagiere zu befördern“, so das Unternehmen. Die Busse sind zu 100 Prozent elektrisch angetrieben und wurden von dem französischen Unternehmen Navya entwickelt. Maximal neun Personen können mit dem Bus mitfahren, bei einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde. Theoretisch ist aber eine Geschwindigkeit von 50 Stunden pro Kilometer möglich, so Navya.

Eine Rückversicherung behält sich die PostAuto Schweiz AG vor. So gibt es zwar kein Lenkrad und auch kein Gas- bzw. Bremspedal. Aber dennoch werde es immer „instruierte Personen“ geben, die im Bus mitfahren: „Im Bedarfsfall steht jedoch ein Notfallknopf zur Verfügung, um das Fahrzeug anzuhalten.“

Das Ganze funktioniert mit modernen Sensoren, mit denen die Fahrzeuge „auf den Zentimeter genau fahren und sämtliche Hindernisse und Signalisierungen“ auf der Straße erkennen. Überwacht wird das zugrundeliegende Programm von dem Schweizer Start-up BestMile. Die Akkulaufzeit beträgt 24 Stunden.

Im Dezember soll die Testphase für die 4,80 Meter langen und 2,05 Meter breiten Busse beginnen. „Falls die zuständigen Behörden den Pilotversuch bewilligen, werden die autonomen Shuttles in der zweiten Phase im öffentlichen Raum verkehren und Personen befördern.“ Dafür sei ein Gebiet vorgesehen, das die Fußgängerzone sowie die Begegnungszone der Altstadt von Sitten und das touristische Zentrum der Stadt umfasst sowie zu den Schlössern Tourbillon und Valère führt.

Allerdings sind die gesetzlichen Bestimmungen für den Einsatz autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen derzeit noch nicht abschließend geregelt, so die PostAuto Schweiz AG. Deshalb brauche es für die Durchführung des Pilotversuchs in der Stadt Sitten Sonderbewilligungen der Behörden.

Die zwei Elektrobusse sind jedoch noch nicht alles, was das Unternehmen in Sitten plant. Zukünftig soll auch eine Flotte autonomer Shuttles eingeführt werden. Flexible Fahrpläne, Haus-zu-Haus-Dienste oder Ruflinien sollen so den öffentlichen Verkehr dem Bedarf der Einwohner anpassen. „Sind die dazu notwendigen Algorithmen einmal entwickelt, können sie zur Verbesserung des Flottenmanagementprogramms von BestMile beigezogen werden.“

Das französische Unternehmen Navya schätzt, dass der Markt der fahrerlosen öffentlichen Verkehrsmittel bis 2035 ein Volumen von 515 Milliarden Dollar erreichen könnte. Mitte 2014 gegründet zeigte Navya seine fahrerlosen Busse der Öffentlichkeit erstmals auf dem IST World Congress Anfang Oktober in Bordeaux.

In Deutschland steht ein Praxistest mit fahrerlosen LKW auf öffentlichen Straßen erst 2017 an. Derzeit testet Siemens die LKW in Templin-Groß Dölln, 60 Kilometer nördlich von Berlin. Diese beziehen ihre Fortbewegungsenergie hauptsächlich aus Oberleitungen. Zusammen mit Volvo und Scania hat Siemens verschiedene Hybridvarianten aus Elektro- und Verbrennungsmotor ausprobiert. Je nach Dimension der Batterie und Stärke des E-Motors fahren die LKW auch ohne Strom aus der Leitung eine Weile weiter elektrisch.

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