Abgas-Manipulation: Renault unter Verdacht

Die Deutsche Umwelthilfe moniert die Abgaswerte von Renault. Die Stickoxid-Emissionen beim Modell Espace sollen weit höher sein als erlaubt. Auch Audi räumt die Verwicklung in VW-Abgasskandal ein.

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In Abgas-Skandal um VW gerät nun auch Renault in den Fokus. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft dem französischen Autobauer ebenfalls erhöhte Werte vor. Testergebnisse der Berner Fachhochschule hätten bei einem Espace-Diesel 13 bis 25 Mal höhere Stickoxid-Emissionen ergeben als nach geltendem EU-Standard Euro 6 erlaubt, teilte die DUH am Dienstag mit. Bei Volkswagen weitet sich die Manipulationsaffäre aus. Auch die Töchter Audi und Porsche sind inzwischen betroffen. Damit rückt der Skandal näher an den neuen VW-Chef Matthias Müller heran, der bis vor kurzem noch Porsche lenkte. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun auch wegen Steuerhinterziehung.

Der DUH zufolge waren bei Abgasmessungen des Renault-Espace bei fünf Tests mit warmen Motor deutlich erhöht. Dabei habe sich ein bestimmtes Muster ergeben. „Nur wenn er in einer ganz bestimmten Form auf die am Folgetag stattfindende Prüfung vorbereitet wurde, bestand er diese mit Bravour. Alle Abweichungen in der Vorkonditionierung beziehungsweise Tests mit warmem statt kaltem Motor führten zu Dieselabgaswerten, die wir in dieser Höhe noch nie gemessen haben“, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Die DUH forderte das Bundesverkehrsministerium zu behördlichen Nachprüfungen zu diesen Ergebnissen sowie zu einem bereits vor einem Monat übermittelten Bericht über einen Opel-Zafira-Diesel auf. Zudem gab sie weitere Tests an deutschen und ausländischen Diesel-PKW in Auftrag. Renault äußerte sich zunächst nicht dazu. Die GM-Tochter Opel hatte im Oktober die DUH-Vorwürfe über gravierende Abweichungen bei Stickoxidwerten zurückgewiesen.

Audi räumte am Montagabend ein, dass eine bestimmte Motorensoftware nach US-Recht doch als illegale Abschalttechnik betrachtet werde. Dabei handele es sich um eine Software für die Temperatur-Konditionierung des Abgasreinigungs-Systems. Diese werde in Motoren der US-Modelle A6, A7, A8, Q5 und Q7 verwendet sowie beim VW-Touareg und im Porsche-Cayenne. Volkswagen hatte US-Vorwürfe bislang bestritten und darauf verwiesen, dass die Technik den Katalysator nach dem Start schneller auf Betriebstemperatur bringen solle.

VW erklärte nun: „Es bestand eine unterschiedliche Auffassung zur technischen Bewertung des Sachverhalts.“ Die bemängelte Software bei den 3,0-Liter-Diesel-Motoren will Audi nun aktualisieren. Dies soll schätzungsweise einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten. Der freiwillige Verkaufsstopp für die Modelle mit dem V6 TDI-Dieselmotor wurde bis auf weiteres verlängert. Am Freitag hatte die EPA erklärt, VW habe eingeräumt, dass die Affäre 75.000 weitere Fahrzeuge beträfe. Dabei gehe es um sämtliche Drei-Liter-Diesel-Motoren der Modelljahre 2009 bis 2016. Volkswagen drohen weltweit bereits Strafen von bis zu 18 Milliarden Dollar. Nach den neusten Erkenntnissen könnten bis zu 3,2 Milliarden Dollar hinzukommen.

Auch in Deutschland zieht der Skandal weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig teilte mit, sie habe ein zweites Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es gehe um den Verdacht der Steuerhinterziehung gegen fünf Personen aus dem VW-Konzern im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Diese könnten dazu führen, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt worden sei. Wegen der Vielzahl der betroffenen Fahrzeuge sei der Schaden „nicht klein“, sagte ein Sprecher. Die Ermittlungen gingen vorrangig in Richtung Steuerhinterziehung, infrage komme aber auch Betrug.

Volkswagen hatte zugegeben, Abgaswerte mit Hilfe einer Software in der Motorsteuerung geschönt zu haben. In Europa ruft der Konzern 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten, um den Betrug zu beenden. Weltweit sind bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Für den Rückruf hat der Konzern 6,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Weitere zwei Milliarden Euro hat Volkswagen kalkuliert, weil bei 800.000 Fahrzeugen falsche CO2-Angaben gemacht wurden.

 

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