Echte Werte: Villa Grisebach versteigert Kunst für 56 Millionen Euro

In Zeiten der unsicheren Anlageformen erweist sich Kunst als wertbeständig: Die Berliner Villa Grisebach meldet mit Verkäufen von 56 Millionen Euro das beste Jahr ihrer Geschichte.

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Herausragende Kunstwerke werden auch in einem atmosphärisch schwierigen Marktumfeld zu herausragenden Preisen verkauft: Das ist das Fazit der exzellent verlaufenen 250. Auktion von Grisebach in Berlin, die in einer guten Stunde brutto 11,4 Millionen Euro* einspielte. An der Spitze stehen das „Bildnis eines jungen Mädchens“ von Max Beckmann mit 1,225 Millionen Euro und das „Helle Sonnenblumenbild“ von Emil Nolde mit 1,04 Millionen Euro, die in eine deutsche und eine schweizer Privatsammlung gingen.

Von einer großen Zahl internationaler Bieter im Saal und an den Telefonen wurde in der Auktion „Ausgewählte Werke“ das außergewöhnliche Angebot an konzeptueller und abstrakter Kunst mit drei Weltrekorden honoriert: Walter Dexels Gemälde „Der elektrische Zähler“ von 1922 wurde von einer Schätzung von 120.000-150.000 Euro auf eine Summe von 512.000 Euro gehoben, Friedrich Vordemberge-Gildewarts „Composition No. 42“ von 1928 von 100.000-150.000 Euro auf 350.000 Euro und Hans Uhlmanns „Kopf“ erreichte mit 200.000 Euro eine neue Preisdimension für den Künstler. Insgesamt baute Grisebach durch starke Zuschläge die Marktführerschaft neben dem Impressionismus und Expressionismus auch für deutsche Kunst der 1920er Jahre weiter aus. Karl Hofers „Sitzender Akt mit blauem Kissen“, ehemals in der Sammlung Littmann und später auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt, stieg von 250.000-350.000 Euro auf 697.000 Euro und verdoppelte damit die obere Schätzung. Er sorgte für den vierten Weltrekord in dieser Auktion.

Zwei bedeutende Gemälde von Paula Modersohn-Becker und Max Liebermann konnten ebenfalls sehr hohe Zuschläge realisieren: Modersohn-Beckers „Bäuerin mit zwei Ziegen vor Gehöft“ erzielte 537.000 Euro und Liebermanns „Große Seestraße in Wannsee“ stieg nach minutenlangem Bietgefecht von 350.000 Euro auf 890.000 Euro (Privatsammlung, Schweiz). Der legendäre „Rote Koffer“ von Marcel Duchamp aus dem Jahr 1966 konnte seine Schätzung von 200.000 Euro mit 450.000 Euro ebenfalls mehr als verdoppeln.

An der Spitze der Abteilung „Contemporary“ stehen zwei Gemälde von Günther Förg und Wojciech Fangor, die für jeweils 187.000 Euro verkauft wurden. Im 19. Jahrhundert sorgte ein Interieur von Wilhelm Leibl aus dem früheren Besitz von Max Liebermann für Furore, das für 287.000 Euro (Schätzung 40.000-60.000 Euro) in eine europäische Privatsammlung ging. Die Auktion „Orangerie“ konnte erneut „Ausgewählte Objekte“ für über 1 Million Euro an eine internationale Geschmackselite verkaufen, an der Spitze steht ein Paar chinesischer Kabinettschränke, die für 230.000 Euro nach Asien gingen.

Das positive Ergebnis der Frühjahrsauktionen und der Sammlung Rohde-Hinze setzte Grisebach mit der Jubiläumsauktion im November fort. Mit einem Gesamtergebnis von 56 Millionen Euro ist 2015 das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Auktionshauses.

Bernd Schultz: „2015 wird das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Villa Grisebach. Und die enormen Zuschläge für die Kunst der 1920er Jahre zeigen, dass unsere besondere langjährige Aufmerksamkeit für diese Zeit Früchte trägt und uns gelassen in die Zukunft schauen lässt. Wir freuen uns über die Millionenzuschläge für Beckmann und Nolde. Das sind Spitzenergebnisse für zwei von der Villa Grisebach seit ihrer Gründung 1986 besonders gepflegte Künstler.“

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