Krise in der Schifffahrt: NordLB rechnet mit weiteren Verlusten

Trotz zahlreicher Abschreibungen erwartet die NordLB auch in den kommenden Jahren große Belastungen aufgrund der an die Schifffahrt vergebenen Kredite. Die Krise der Branche hält weiter an und andere Geschäfte können die potentiellen Verluste der NordLB nicht ausgleichen.

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Die NordLB stellt sich wegen der Flaute in der Schifffahrt noch über Jahre auf Belastungen ein. „Wir haben für 2016, 2017 und 2018 noch substanzielle Wertberichtigungen eingeplant“, sagte Vorstandschef Gunter Dunkel am Dienstagabend bei einem Pressegespräch in Hannover. Die Summe, die das Geldhaus für ausfallgefährdete Schiffskredite zurücklegen müsse, werde dabei allerdings tendenziell sinken, 2018 sogar deutlich. Die Annahmen der NordLB seien konservativer als die der großen Marktforschungsunternehmen, fügte Dunkel hinzu.

Die Schifffahrt, an die die NordLB gut 18 Milliarden Euro verliehen hat, steckt wegen Überkapazitäten seit Jahren in einer tiefen Krise. Unter ihr leiden auch die HSH Nordbank, die Commerzbank und das Förderinstitut KfW. Die NordLB konnte ihren Verlust in dem Segment in den ersten neun Monaten des Jahres allerdings reduzieren und fuhr konzernweit einen Vorsteuergewinn von 630 Millionen Euro ein Dazu hätten allerdings Sondereffekte in Höhe von 100 bis 150 Millionen beigetragen, erklärte Dunkel. Im nächsten Jahr sei deshalb unter dem Strich mit einem Gewinnrückgang zu rechnen.

Das mittelfristige Ziel eines Gewinns von 850 bis 900 Millionen Euro hält Dunkel wegen der steigenden regulatorischen Kosten – etwa der Bankenabgabe – nicht mehr für realistisch. „Ich würde diese Zahlen etwas nach unten korrigieren“, sagte er. 700 bis 750 Millionen Euro peile Deutschlands drittgrößte Landesbank, die ihre Bilanzsumme noch etwas reduzieren möchte, jedoch weiter an. Bei den Erträgen wolle die NordLB die Nummer eins im Landesbankenlager bleiben, betonte Dunkel.

Der Vertrag des 62-Jährigen als NordLB-Chef läuft Ende nächsten Jahres aus. Der Österreicher will sich deshalb nach eigenem Bekunden im ersten Quartal 2016 mit dem Aufsichtsrat zusammensetzen. Er deutete jedoch an, dass er am liebsten abtreten würde. „Sie wissen ja, ich finde den 31.12.16 ein ausgesprochen schönes und attraktives Datum.“ Zu potenziellen Nachfolgern wollte sich Dunkel nicht äußern. NordLB-Insider halten eine interne Lösung für wahrscheinlich, allerdings sollen auch mögliche externe Kandidaten begutachtet werden.

Zur Zukunft des Nachbarn HSH, der bis 2018 verkauft oder abgewickelt werden muss, hielt sich Dunkel bedeckt. Ob die Hamburger Kontakt zur NordLB aufnehmen, sei ungewiss. „Das ist alles frühestens im Laufe des Jahres 2016 denkbar. Ob es jemals eintreten wird, weiß ich nicht.“ Kenner beider Institute halten es für ausgeschlossen, dass die NordLB die gesamte HSH schluckt. Falls die HSH wie einst die WestLB zerlegt werden sollte, würden die NordLB und andere Landesbanken sich einzelne HSH-Portfolien wie das Firmenkundengeschäft aber sehr wohl anschauen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

 

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