Deutsche Industrie: Sanktionen schaden Handel mit Russland massiv

Die Aufträge in der deutschen Industrie wuchsen im Oktober um 1,8 Prozent. So soll insbesondere die Nachfrage im Euro-Raum gestiegen sein. Doch der Außenhandel mit Russland geht kontinuierlich zurück.

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Die deutsche Industrie hat die längste Durststrecke der vergangenen vier Jahren beendet: Im Oktober stiegen ihre Aufträge nach zuvor drei Rückgängen in Folge erstmals wieder. Dafür sorgte vor allem die kräftige Nachfrage aus den anderen Euro-Ländern. Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft in den kommenden beiden Jahren solide Wachstumsraten zu, aber keine großen Sprünge.

Die Bestellungen in der Industrie wuchsen um 1,8 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag in Berlin erklärte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 1,2 Prozent gerechnet. „Insbesondere die Nachfrage aus dem Euro-Raum zieht merklich an“, so das Ministerium. Die Bestellungen von dort legten um 2,4 Prozent zu, die aus dem Rest der Welt um 1,4 Prozent. Die Nachfrage aus dem Inland wuchs um 1,7 Prozent. „Der Anteil an Großaufträgen war für einen Oktober unterdurchschnittlich“, betonte das Ministerium.

Der Außenhandel mit Russland geht jedoch kontinuierlich zurück. Die deutschen Exporte nach Russland sind im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 22 Prozent zurückgegangen. Die Importe aus Russland sind im selben Zeitraum um 29 Prozent zurückgegangen. Das geht aus einer Aufstellung des Statistischen Bundesamts hervor, das den Deutschen Wirtschafts Nachrichten vorliegt. Seit Juni 2014 befinden sich sowohl die Exporte nach Russland als auch die Importe aus Russland ausschließlich im Minusbereich.  Die ersten EU-Handelssanktionen gegen Russland wurden am 23.6.2014 und 31.7.2014 verhängt, berichtet Germany Trade & Invest.

Trotzdem erwartet die Bundesbank für das zu Ende gehende Jahr weiter ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent, das 2016 auf 1,8 Prozent steigen und 2017 wieder bei 1,7 Prozent liegen soll. „Treibende Faktoren sind hierbei die günstige Arbeitsmarktlage und die kräftigen Zuwächse der realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Das Auslandsgeschäft leide hingegen unter einer schwachen Nachfrage aus den Schwellenländern. So könnten die deutschen Exporte nach China in diesem Jahr erstmals seit 1997 sinken.

Auch die Wirtschaft selbst ist vorsichtig: „Gut laufen vorerst nur die Bestellungen aus anderen Euro-Staaten“ sagte Dirk Schlotböller vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. „Die aus Nicht-Euro-Ländern liegen hingegen immer noch mehr als zehn Prozent niedriger als im Juni.“ Und das, obwohl der billige Euro deutsche Waren dort günstiger macht. Ökonomen rechnen auch künftig mit Impulsen aus der Euro-Zone. „Die schuldengeplagten Länder des Währungsraumes vollziehen eine erfreuliche wirtschaftliche Aufholjagd, was auch der deutschen Wirtschaft zugutekommt“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

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