Wild-West-Aufklärung in den USA: Medien durchwühlen live Terror-Wohnung

Die US-Ermittler haben Reportern erlaubt, die Wohnung der mutmaßlichen Killer von San Bernardino zu durchwühlen. Normalerweise wird die Wohnung eines Verdächtigten versiegelt und alle Spuren sorgfältig gesichert. Es ist unklar, was die Ermittler mit diesem kriminalistischen Wild-West-Auftritt bezweckt haben.

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In der Wohnung des Paares, das offenbar für das Massaker von San Bernardino verantwortlich ist, ist es am Freitag zu einem äußerst ungewöhnlichen „Lokalaugenschein“ gekommen: Zahlreiche Reporter und Kamerateams stürmten auf Einladung der Vermieter die Wohnung der Täter im kalifornischen Redlands, wie die Los Angeles Times berichtet.

Die Wohnung der Täter wurde zur TV-Kulisse. Ein Reporter posierte vor einem Kindebett, das er zuvor für die Kamera passend umgestaltet hatte. Die Medien hielten Personalausweise, Führerscheine und religiöse Devotionalien in die Kamera. Auf einem Tisch lag ein Koran. Die Berichterstattung war dementsprechend: Die Mörder seien gläubige Muslime gewesen. Für den flüchtigen Zuseher wurde der Eindruck erweckt, dass nun der Beweis offen zu Tage liegt: Es handelt sich bei dem Massaker um einen Terror-Akt. Die ermittelnden Geheimdienste und Sicherheitsbehörden verstärkten diesen Eindruck: Sie gaben bekannt, ein unter falschem Namen veröffentlichtes Facebook-Posting gefunden zu haben, auf dem sich die an dem Massaker beteiligte Frau zum IS bekannt haben soll.

Einige Reporter sagten in ihren Berichten, die Polizei habe das Haus zuvor durchsucht und offenbar sichergestellt, was sie für wichtig hielten. Einige Reporter wunderten sich selbst über die Freizügigkeit, mit der sie Zutritt zu möglicherweise wichtigem Beweismaterial in einem der schlimmsten Kriminalfälle der jüngeren Geschichte Kaliforniens erhielten.

Es wäre schon in normalen Kriminalfällen in jedem zivilisierten Rechtssaat unvorstellbar, dass die Ermittler die Wohnung der Tatverdächtigen für den Sturm der Medien öffnen. Man würde annehmen, dass dies im Falle eines Massenmordes wie dem von San Bernardino erst recht der Fall sein müsste.

Doch statt jedes einzelne Beweisstück zu sichern, zu überprüfen und forensisch zu untersuchen, ließen die Ermittler zu, dass Dutzende Reporter wie in einem Selbstbedienungsladen Babyspielzeug, Rechnungen, religiöse Gegenstände, Nahrungsmittel und alle anderen Dinge, die sich in der Wohnung befanden, ohne polizeiliche Aufsicht begutachteten, anfassten, umdrehten und kommentierten.

David Bowdich vom FBI in Los Angeles sagte am Freitag, der Angriff auf ein Sozialzentrum in Kalifornien mit 14 Toten sei ein Terrorakt gewesen. Die beiden Täter, ein Mann und eine Frau, hätten den Angriff intensiv vorbereitet. Sie hätten offenbar auch versucht, digitale Spuren zu zerstören. Möglicherweise hätten die beiden einen zweiten Anschlag geplant.

Zu den Motiven brauchte das FBI nichts mehr zu sagen – er wurde von den „Exklusiv“-Bildern erläutert.

Es ist völlig unklar, was die Behörden zu diesem in der Kriminalgeschichte des Terrors wohl einmaligen Aktion veranlasst hat.

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