Automobil und Landwirtschaft wegen Russland-Sanktionen schwer geschädigt

Die Folgen der Russland-Sanktionen schlagen nun voll auf die deutsche Wirtschaft durch: Die Bauern schlagen Alarm und fürchten eine Pleite-Welle. Das Automobil-Geschäft ist in Russland auf das Jahre gerechnet um ein Drittel geschrumpft. Die EU will die Sanktionen verlängern.

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Unmittelbar vor dem Besuch eines US-Sonderemissärs, der die EU-Staaten in der Frage der Verlängerung der Russland-Sanktionen auf Linie bringen soll, schlägt die deutsche Wirtschaft und Alarm. Für die Auto-Industrie und die Landwirtschaft waren die Sanktionen verheerend, ihre Fortsetzung würde die Lage weiter verschärfen.

Das Geschäft der DAX-Konzerne mit Russland ist eingebrochen. Doch auch andere Unternehmen und Branchen legen nun ernüchternde Zahlen vor.

Die Autoverkäufe sind in Russland wegen der schlechten Wirtschaftslage und der westlichen Sanktionen im November um 43 Prozent eingebrochen. Die Händler hätten 131.572 Fahrzeuge abgesetzt, knapp 98.000 weniger als vor Jahresfrist, teilte der Branchenverband AEB am Dienstag mit. So heftig war der Einbruch noch in keinem anderen Monat in diesem Jahr.

Der Absatz im November 2014 war allerdings auch außergewöhnlich hoch gewesen, weil die Russen angesichts des damals einsetzenden Rubel-Verfalls ihr Geld schnell noch in Autos investiert hatten. In den ersten elf Monaten des laufenden Jahres liegt der Absatz dem AEB zufolge mit 1,5 Millionen Fahrzeugen um 34,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Russland zählte vor nicht allzu langer Zeit mit Wachstumsraten von zeitweise mehr als zehn Prozent noch zu den Boom-Märkten für die Autobauer. Dann aber setzte der Ölpreis-Verfall ein, was Russland als Energie-Exporteur schwer zu schaffen macht. Hinzu kamen die Sanktionen gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise.

Wegen des Rückgangs haben Konzerne wie Volkswagen, Toyota und Ford ihre Produktion in Russland gedrosselt. Die GM -Tochter Opel hat sich aus dem Land zurückgezogen und ihr Werk in St. Petersburg mit rund 2000 Beschäftigten geschlossen.

Auch der Deutsche Bauerverband (DBV) ist ist in höchstem Maß besorgt: Nach einer „drastischen“ Verschlechterung der Lage im Wirtschaftsjahr 2014/15 droht den rund 280.000 landwirtschaftlichen Betrieben eine Fortsetzung des Abwärtstrends. Im Schnitt sei das Ergebnis je Haupterwerbsbetrieb um 35 Prozent auf 43.000 Euro eingebrochen, teilte DBV-Präsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin mit. „Es zeichnet sich ab, dass sich diese Entwicklung im laufenden Wirtschaftsjahr weiter fortsetzen wird.“ Er forderte die Bundesregierung auf, sich für eine Aufhebung des russischen Embargos auf landwirtschaftliche Produkte einzusetzen. Allein die Verluste durch den russischen Importstopp summierten sich auf eine Milliarde Euro pro Jahr.

Abgesehen von Ökobauern und Winzern sind nach Verbandsangaben alle Betriebsformen und Regionen von dem Abwärtstrend betroffen. Am stärksten brachen die Erlöse mit 44 Prozent zum Vorjahr bei den Milchbauern ein. Für die schlechte wirtschaftliche Lage machte Rukwied neben dem von Russland im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Agrar-Embargo auch den Preisverfall für Agrar-Produkte verantwortlich. Ursache dafür sei der Preisdruck durch den Lebensmitteleinzelhandel im Inland und eine verhaltene Nachfrage nach Fleisch- und Milchprodukten im Ausland infolge einer abgeschwächten Konjunktur in Schwellenländern. Allerdings sind zuletzt die Lebensmittelpreise in Deutschland wieder gestiegen .

Rukwied kritisierte, in Deutschland komme das Verhalten von Handelsketten beim Einkauf von Obst, Gemüse, Fleisch und Milch einer „wettbewerbswidrigen Preisabsprache“ gleich. Das Kartellrecht werde zum stumpfen Schwert, wenn im Handel weitere Fusionen erlaubt würden, die dann mit ihrer Nachfrage-Macht den Druck auf Bauern weiter erhöhen könnten. Die größten Potenziale sieht der Verband im Export, vor allem nach Japan und Südostasien.

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