Krisen-Vorsorge: Sparer holen ihre Ersparnisse in die Schweiz zurück

Schweizer Bürger und Unternehmen sind offenbar skeptisch, was die Zukunft anlangt: Weil sie Krisen befürchten, holen sie ihre Ersparnisse in die Schweiz zurück. Dadurch steigt der Druck auf den Franken.

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Die negativen Auswirkungen des starken Franken auf die Wirtschaft und die Lebenshaltungskosten der Bürger werden seit fast einem Jahr regelmäßig diskutiert und erläutert. Als Grund wird meistens der enorme Zufluss ausländischer Investorengelder in die Schweiz genannt, für die die Schweiz noch immer als einer der letzten sicheren Häfen gilt. Tatsächlich hat aber die Schweizer Bevölkerung selbst auch einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen.

Sowohl Schweizer Bürger als auch Firmen neigen in Krisenzeiten nämlich dazu, Teile ihres Vermögens, die im Ausland angelegt wurden, wieder in die Schweiz zurück zu holen. Die Auswirkungen dieser Aktionen sind nicht unerheblich für den Wert des Franken. Schließlich handelt es sich bei dem Auslandsvermögen um Mengen in Höhe von 3,7 Billionen Franken (Stand 2014), so der Schweizer Think Tank Avenir Suisse. Das entspricht in etwa dem 5,8-Fachen des nationalen BIPs.

Bereits 2012 machte Thomas Moser von der SNB auf dieses Phänomen aufmerksam. „Einen grossen Anteil machen aber Inländer aus, die ihre Fremdwährungseinnahmen nicht mehr im Ausland anlegen und darüber hinaus noch Auslandvermögen repatriieren. Dieser Aspekt ist bislang in der Diskussion noch kaum zu Ausdruck gekommen“, zitiert ihn Finanzen und Wirtschaft.

„Dieses Phänomen wird als ,home bias‘ bezeichnet und trat auch während der Finanzkrise auf. Es handelt sich dabei um beträchtliche Beträge“, schreibt Gerhard Schwarz, der Direktor des Think Tanks. So führten beispielsweise Schweizer Investoren 2008 Werte im Umfang von 49,5 Prozent des BIP in die Schweiz zurück. „Hätten nicht gleichzeitig private ausländische Geldgeber Investitionen im Umfang von 47,7% des BIP aus der Schweiz abgezogen, wäre der Kapitalzufluss enorm gewesen – und fast nur hausgemacht“. So aber sei netto ein privater Kapitalzufluss von lediglich 1,8% des BIP zu verzeichnen gewesen.

2015 zogen die Schweizer zwar nicht so viele Gelder aus dem Ausland ab wie 2008, aber es gab Rückholungen. Würden die Schweizer aber gerade in solchen Zeiten, in denen ausländische Investoren ihre Gelder in die Schweiz bringen, mehr ins Ausland investieren, „hätte die Schweizerische Nationalbank (SNB), welche sich über Fremdwährungsgeschäfte ebenfalls am Kapitalexport (und -import) beteiligt, vermutlich etwas weniger Mühe mit der Wechselkurspflege“, so Schwarz:

„Die Schweiz wies im Beobachtungszeitraum immer einen positiven Leistungsbilanzsaldo auf. Dadurch entstand eine permanent hohe Nachfrage nach Schweizerfranken. Wird diese Nachfrage aber, wie vor der Krise, durch Nettokapitalexporte aus der Schweiz befriedigt, bleibt der Wechselkurs von diesen Überschüssen relativ unberührt. Da dies aber nach 2008 nicht mehr der Fall war, ist die SNB eingesprungen und hat die Nachfrage nach Franken selbst befriedigt.“

2012 geschah dies im Umfang von Fremdwährungskäufen in Höhe von 28 Prozent des BIP. In den ersten drei Monaten dieses Jahres erreichten diese sogar einen Umfang von 37,1 Prozent. Sollte die Entkoppelung von Leistungsbilanzüberschuss (weiterhin positiv) und Nettokapitalexporten (sehr viel tiefer) aufgrund des «home bias» anhalten, dürfte der Schweizerfranken auch in Zukunft eine starke Währung bleiben, sagt Schwarz.

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