Bond-Markt fürchtet Kataloniens Unabhängigkeit

Die näher rückende Möglichkeit einer katalonischen Unabhängigkeit irritiert die Bond-Märkte: Spanien wäre ohne Katalonien viel schwächer, weshalb die Renditen für Spanien-Bonds trotz der EZB-Interventionen stiegen.

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Die Vereidigung eines neues Regionalpräsidenten in Katalonien hat die spanischen Bond-Anleger am Montag verunsichert. „In allerletzter Sekunde hat man sich in Katalonien auf eine Regierung geeinigt, so dass die Abspaltungsbemühungen der Region vom Zentralstaat vorangetrieben werden dürften“, urteilten die Analysten der Essener Nationalbank. Carles Puigdemont, bisher Bürgermeister der Stadt Girona, wurde am Sonntag als Regionalpräsident vereidigt.

Anleger verzichteten angesichts von Kataloniens Unabhängigkeit lieber auf spanische Bonds. Die Kurse der zehnjährigen Titel gingen zu Wochenbeginn zurück, im Gegenzug stiegen die Renditen. Sie lagen in der Spitze bei 1,760 Prozent nach 1,716 Prozent im Geschäft vom Freitag. Hätten die Parlamentsparteien in der wirtschaftlich starken Region Katalonien bis Montag keine Einigung erzielt, wäre es zu Neuwahlen gekommen. Nun stehe auch der amtierende Regierungschef in Spanien wieder erheblich mehr unter mehr Druck, nach den Parlamentswahlen vom 20. Dezember eine neue Regierung zu bilden, erläuterten die Nationalbank-Analysten. Andernfalls dürfte die politische Unsicherheit nicht ohne Folgen für die sich gerade belebende wirtschaftliche Aktivität im Lande bleiben.

Die Volkspartei von Spaniens geschäftsführendem Ministerpräsidenten Mariano Rajoy war aus den Wahlen im Dezember als stärkste Kraft hervorgegangen, verlor jedoch die absolute Mehrheit. Sie ist damit auf Unterstützung im Parlament angewiesen, doch weder das linke noch das rechte Lager haben eine eigene Mehrheit. Eine nach dem Vorbild Deutschlands gestaltete große Koalition mit den zweitplatzierten Sozialisten gilt als schwieriges Vorhaben. Im Wahlkampf haben beide Lager ein Zusammengehen mehrfach ausgeschlossen.

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