US-Forscherin: Kanada nimmt keine unbegleiteten Männer als Asylanten auf

Die amerikanische Wissenschaftlerin Valerie M. Hudson sieht den Staat in der Pflicht, bei der Einwanderung auf eine ausgeglichene Geschlechterverteilung zu achten. In Schweden habe sich das Verhältnis der Geschlechter zu Ungunsten der Frauen verändert, weshalb die Gewalttätigkeit steigt. Dagegen verfolgt Kanada ganz bewusst eine gezielte Einwanderung, die unbegleitete junge Männer nur akzeptiert, wenn sie einer verfolgten Minderheit angehören.

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Valerie M. Hudson. (Foto: privat)

Valerie M. Hudson. (Foto: privat)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie sehen Sie die Ereignisse in Deutschland, wo in mehreren Städten Frauen belästigt und Opfer ernster Sexualverbrechen durch Immigranten und Asylbewerber geworden sind?

Valerie M. Hudson: Ich denke, dass alle Leute guten Willens von dem, was passiert ist, entsetzt sind.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie haben wissenschaftliche Recherchen zur veränderten Geschlechterverteilung durch Immigration unternommen. Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Valerie M. Hudson: Die schwedische Regierung ist sehr offen, was Immigrationsstatistiken angeht, daher war es sehr einfach, diese zu analysieren. Ca. 71 Prozent aller Immigranten in Schweden in 2015 waren männlich und meist Jugendliche. Unter den 16-17-Jährigen ohne Begleitung (die Mehrheit in dieser Altersgruppe) waren 90 Prozent männlich. Laut meinen Berechnungen, welche ich gerne zu Verfügung stellen würde, hat Schweden nun ein Verhältnis von 123 16-17-jährigen Männern pro 100 16-17-jährigen Frauen. Im Vergleich hat China, welches die schlechteste Geschlechterverteilung der Welt hat 117 16-17-jährige Männer pro 100 16-17-jährige Frauen. Es ist überaus erstaunlich, dass Schweden nun ein schlechteres Größenverhältnis hat.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Ihrer Forschung sind Sie auch zu dem Schluss gekommen, dass weder Immigration noch Religion, sondern die Geschlechterverteilung das Problem sind – wie zum Beispiel in Indien, wo in der Vergangenheit schreckliche Sexualverbrechen ausgeführt wurden. Also, woher kommt das Problem?

Valerie M. Hudson: Der Punkt, den ich versuchte rüberzubringen, war, dass kulturelle Unterschiede die Situation zwar verschärfen können, aber jede solche ungewöhnliche Geschlechterverteilung zu Problemen führen wird. Also, ja, Indien und China, wo das Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung nicht durch Migration bedingt ist, erleben genau die gleichen Schwierigkeiten mit gesteigerter Kriminalität und eingeschränkter Mobilität für Frauen, die wir nun auch in Deutschland und anderen Länder sehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Liegt es in der Verantwortung des Staates, zu versuchen die Geschlechterverteilung auszugleichen? Es scheint, dass Kanada einen guten Ansatz gefunden hat?

Valerie M. Hudson: Meiner Meinung nach hat der Staat eine absolute Verpflichtung seinen Bürgern gegenüber, sich um den Erhalt einer normalen, ausgeglichenen Geschlechterverteilung zu bemühen. Eine solche ist öffentliches Gut und der Staat ist dazu verpflichtet, es als solches zu handhaben. Kanada beispielweise nimmt keine unbegleiteten Männer auf, solange sie nicht nachweisen können, dass sie einer verfolgten Minderheit angehören, zum Beispiel auch schwule Männer. Wenn die Herkunftsländer eine ausgeglichene Geschlechterverteilung aufweisen, warum sollten dann deutlich mehr Männer als Frauen aufgenommen werden?

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Das wichtigste Argument in Deutschland lautet, dass jeder, der Asyl beantragt, auch berechtigt ist, dies zu tun. Politiker berufen sich auf die Genfer Konvention. Wäre eine Abgrenzung aufgrund des Geschlechtes hinsichtlich der Genfer Konvention also illegal?

Valerie M. Hudson: Wenn die Asylanträge bereits in den Flüchtlingslagern bearbeitet werden würden, so wie von Kanada gefordert, würde offensichtlich, dass die Asylsuchenden aus Ländern wie Syrien und Afghanistan gleichermaßen Frauen sind. Asyl vorrangig davon abhängig zu machen, das empfangende Land körperlich zu erreichen, ist diskriminierend gegenüber Frauen, die Asyl genauso benötigen. Die Tatsache, dass mehr als zwei Drittel der Migranten in der letzten Migrationswelle nach Europa männlich sind, belegt, dass die aktuelle Verfahrensweise eine solche Diskriminierung von Frauen begünstigt. Dazu ist auch zu sagen, dass das die zurückgelassenen Frauen und Kinder in noch größere Bedrängnis bringt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihre Ergebnisse deuten auch an, dass Länder mit einer unausgeglichenen Geschlechterverteilung dazu neigen, weniger stabil zu sein. Was haben Sie im Einzelnen herausgefunden?

Valerie M. Hudson: Ich habe in einen Artikel unsere Forschungsergebnisse detailliert beschrieben. Die Kurzversion ist, dass Gesellschaften mit abnormaler Geschlechterverteilung zugunsten von Männern erhebliche Anstiege in Gewaltverbrechen, Eigentumsdelikten und Gewalt gegen Frauen verzeichnen. Die Bewegungsfreiheit von Frauen in diesen Gesellschaften ist drastisch eingeschränkt und es gibt einen hohen Bedarf an Frauen aus dem Menschenhandel. Zu hören, dass Frauen in Deutschland dazu angehalten werden, ihre Kleidung zu ändern und nicht mehr unbegleitet auszugehen, und dass öffentliche Plätze und Feiern zu No-Go-Bereichen für Frauen erklärt werden, ist einfach ein tragischer und unermesslicher Verlust für diese Nation.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was bedeuten die Entwicklungen in Europa für den Erfolg der Gleichberechtigung der Geschlechter?

Valerie M. Hudson: Das ist eine Frage, die ich mir jeden Tag stelle. In den USA betrachten wir Europa, speziell Nord- und Nord-West-Europa, als ein Musterbeispiel dafür, wie Gesellschaften die Politik zur Gleichberechtigung wirkungsvoll beeinflussen. Nationen wie etwa Schweden rangieren ganz oben auf der Messlatte für Gleichberechtigung und Stabilität – die ganze Welt blickt zu ihnen als Leitbeispiel. Die schwedische Außenministerin hat eine ausdrücklich feministische Außenpolitik hervorgebracht. Die Schweden sind Vorreiter im Abolitionisten-Ansatz hinsichtlich von Prostitution, weswegen dieser Ansatz auch „das schwedische Modell“ genannt wird. Wie konnten die Schweden den Feminismus in ihrer Gesellschaft so unbekümmert durch ihre Migrationspolitik untergraben? Hat niemand in Schweden an die Auswirkungen einer solchen Veränderung der Geschlechterverteilung durch die Migrationspolitik auf Frauen und die feministischen Ideale ihrer Gesellschaft gedacht? Und bitte sagen Sie mir: Denkt in Deutschland jemand über diese Dinge nach?

Valerie M. Hudson leitet das Programm für Frauen, Friede und Sicherheit am Institut für Internationale Angelegenheiten an der Bush School of Government and Public Service von Texas. Ihre Argumentation über die politische Notwendigkeit, für eine balancierte Geschlechterverteilung zu sorgen, hat die New York Times in ihrer Kritik an der Einwanderungspolitik von Angela Merkel übernommen. Sie hatte ihre Forschungsergebnisse zunächst bei Politico publiziert. Ihr neuestes Buch „The Hillary Doctrine: Sex and American Foreign Policy“ ist bei Columbia University Press erschienen. Zuvor hatte Hudson im selben Verlag das Buch „Sex and World Peacepubliziert. 

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