Mögliche Fusion gibt Genossenschaftsbanken in Italien Hoffnung

Italiens System der Genossenschaftsbanken befindet sich im Umbruch. Grund dafür ist ein umstrittenes Gesetz der Regierung, dass eine Umwandlung in Aktiengesellschaften vorsieht. Sind die laufenden Gespräche zwischen der Banca Popolare di Milano und der Banco Popolare erfolgreich, könnten rasch weitere Zusammenschlüsse folgen.

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Die sich anbahnende Fusion der Banca Popolare di Milano (BPM) und der Banco Popolare (BP) hat den Aktien der beiden Institute am Mittwoch starken Auftrieb verliehen. Die Titel schossen an der Börse in Mailand in der Spitze um 8,2 und 7,3 Prozent in die Höhe. Aktien von Banco Popolare wurden wegen der hohen Ausschläge zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt. Auch am Donnerstag entwickelten sich beide Titel positiv: die Aktie der BPM lag am Nachmittag in Mailand mit 2,9 Prozent und jene der BP mit rund 1,1 Prozent im Plus.

Durch den Zusammenschluss der beiden Genossenschaftsbanken könnte das drittgrößte Institut des Landes entstehen. Nach Informationen von Reuters führen die Banca Popolare di Milano und die Banco Popolare Gespräche über eine Fusion bis Anfang März. Allerdings seien noch einige Punkte zu klären, sagten Insider. „Die Gespräche laufen schon eine Weile und es bleibt nicht mehr viel Zeit, um zu einem Abschluss zu gelangen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. „Sie versuchen, sich auf Schlüsselelemente einer Fusion zu einigen.“

Angestoßen wurden die Fusionsgespräche von einer umstrittenen Notverordnung der Regierung. Mit dieser bezweckt Italiens Premier Renzi, die schwächelnde Bankenlandschaft grundlegend zu reformieren, um die staatliche Aufsicht zu erleichtern, das Bankgeschäft effizienter zu machen und die Kreditvergabe anzukurbeln. Mehr Effizienz ist nötig, da viele italienische Genossenschaftsbanken eine zu dünne Kapitaldecke und mangelnde Größe aufweisen, worunter die Kreditvergabe an kleinere und mittlere Betriebe leidet. Darlehen vergeben sie seit einiger Zeit auch deshalb nur noch zögerlich, weil faule Kredite in der Größenordnung von 200 Milliarden Euro in ihren Portfolios schlummern. Der Financial Times zufolge sind dies 21 Prozent des nationalen Bruttoinlandprodukts. Für das laufende Jahr erwartet der Branchenverband ABI eine Zunahme der ausfallgefährdeten Kredite um 2,7 Prozent, wie Reuters im Dezember berichtete.

Bis Ende des laufenden Jahres müssen sich die zehn größten Genossenschaftsbanken in Aktiengesellschaften umwandeln und die Stimmrechtsvergabe neu regeln. Bislang hatte jeder Eigner unabhängig von seinem Anteil nur eine Stimme. Diese Regel begünstigte regionale Kleinanleger gegenüber institutionellen Investoren durch ihr überproportionales Stimmgewicht und erschwerte Zusammenschlüsse. Die Neuerungen haben bereits Unmut bei den regionalen Eignern entfacht.

Nach ihrer Umwandlung in Aktiengesellschaften können Genossenschaftsbanken leichter zum Ziel von Übernahmen werden. Die sich anbahnende Fusion der BPM und der BP stellt somit den ersten Schritt einer von Marktbeobachtern erwarteten Konsolidierungswelle dar. Als weitere Übernahmekandidaten werden die Banca Monte die Pasci di Siena und das Genueser Haus Carige gehandelt. Beide Institute fielen im Jahr 2014 durch den europäischen Stresstest und haben derzeit mit großen Problemen zu kämpfen. Die Aktien beider Institute gaben am Dienstag über 10 Prozent nach, woraufhin die italienische Börsenaufsicht mit Verkaufsverboten einschritt. Genossenschaftsbanken sind ein integraler Bestandteil des italienischen Finanzsystems: Auf sie entfallen rund ein Viertel aller Einlagen und Kredite. Überdies sind sie traditionell eng mit ihrer jeweiligen Heimatregion verbunden und treten als Förderer des Mittelstandes auf. Bis zu 60 Prozent ihrer Kredite vergeben sie an lokale Unternehmen.

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