Villingen: Handgranaten-Anschlag auf Asyl-Unterkunft

Unbekannte haben eine Flüchtlingsunterkunft mit einer Handgranate attackiert. Die Granate explodierte allerdings nicht. Bis zur gezielten Sprengung durch die Polizei mussten die Flüchtlinge die Unterkunft verlassen.

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Unbekannte haben auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg eine Handgranate geworfen. Die Granate war mit Sprengstoff gefüllt, explodierte aber nicht, wie die Polizei Tuttlingen mitteilte. Bei dem Anschlag in der Nacht zum Freitag wurde niemand verletzt, es entstand auch kein Sachschaden. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Die Täter warfen den bisherigen Ermittlungen zufolge die Handgranate kurz nach ein Uhr in der Nacht über den Zaun um die Erstaufnahmestelle. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes entdeckten den Sprengkörper und alarmierten die Polizei. Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) brachten die Granate um fünf Uhr morgens kontrolliert zur Explosion.

Nach dem Anschlag untersuchen die Ermittler, ob die Kriegswaffe einen Zünder hatte und damit tatsächlich scharf war. „Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war“, sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, auf einer Pressekonferenz in Villingen-Schwenningen am Freitag. „Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung.“

Der Experte des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger, erklärte, von einer scharfen Granate könne nur gesprochen werden, wenn sowohl Sprengstoff als auch Zünder vorhanden seien. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Handgranate sei scharf gewesen.

Hinweise zu den Hintergründen der Tat lägen noch nicht vor, erklärte das Polizeipräsidium Tuttlingen. Die Ermittlungen liefen in alle Richtungen. Die Kriminalpolizei richtete eine Sonderkommission „Container“ ein. Die Bevölkerung wurde zur Mithilfe aufgerufen. Gesucht werden Zeugen, die verdächtige Fahrzeuge oder verdächtige Menschen in der Nacht beobachtet haben.

Rund 20 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft mussten kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen, konnten aber schon in den frühen Morgenstunden wieder in ihre Räume zurückkehren. In der Flüchtlingsunterkunft, einer ehemaligen Kaserne, sind insgesamt rund 170 Asylbewerber in mehreren Gebäuden untergebracht.

Bundesjustizminister Maas erklärte zu dem Anschlag, das „Ausmaß der Gewalt“ sei „erschreckend“. Die Täter dürften nicht ungestraft davonkommen. „Wir können alle nur dankbar sein, dass dieses Mal niemand verletzt wurde“, hob Maas hervor. Der Anstieg von Angriffen gegen Flüchtlinge, Helfer oder Polizisten sei „insgesamt dramatisch“.

Die „neue Qualität der Hetze und Gewalt“ müsse allen Demokraten ein Ansporn sein, noch entschiedener für eine offene und tolerante Gesellschaft einzutreten, so der Justizminister. „Sprengkörper auf Flüchtlingsheime fliegen heute schon, wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt.“

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