Gefangen im Petro-Dollar: Norwegen treibt in die Rezession

Die norwegische Zentralbank stemmt sich mit allen Mitteln gegen eine Rezession. Doch das Öl-Land ist im System des Petro-Dollars gefangen: Wegen des niedrigen Ölpreises und des starken Dollars entwickeln sich die Devisen-Verkäufe der Notenbank zum Bumerang.

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Die Krone hat gegenüber dem Euro in den zurückliegenden Monaten zwar an Wert verloren, angesichts der konjunkturellen Abkühlung könnte das aber nicht ausreichen. (Grafik: ariva.de)

Die Krone hat gegenüber dem Euro in den zurückliegenden Monaten zwar an Wert verloren, angesichts der konjunkturellen Abkühlung könnte das aber nicht ausreichen. (Grafik: ariva.de)

Der niedrige Ölpreis hat die vom Ölverkauf dominierte Wirtschaft Norwegens hart getroffen. Das Festland-Bruttoinlandsprodukt (BIP), welches die Aktivitäten im Öl-, Gas- und Schiffsbereich ausklammert, ist im letzten Quartal 2015 um nur noch 0,1 Prozent gewachsen. Im gleichen Zeitraum gingen die Exporte um fast 3 Prozent zurück, während die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit zehn Jahren stieg. Der Produktionsausstoß bei Öl, Gas und Schiffen brach um fast 6 Prozent ein. Im laufenden Quartal fiel der Index für das Verbrauchervertrauen sogar auf den tiefsten Stand seit 1992.

Zwar hat die norwegische Krone im vergangenen Jahr rund ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt, die Wirtschaft ist allem Anschein nach aber auf eine noch schwächere Landeswährung angewiesen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Einer weiteren deutlichen Abwertung sind jedoch Grenzen gesetzt, weil der norwegische Staat den Wert der Krone permanent stützt, ohne dies wirklich zu beabsichtigen.

Der Grund hierfür ist, dass Norwegen seine Ölverkäufe in US-Dollar abwickelt. Die daraus resultierenden Einnahmen müssen, wenn sie innerhalb des Landes verwendet werden sollen, in Kronen eingetauscht werden. Der norwegische Staat kauft deshalb Kronen und verkauft dafür die aus dem Ölgeschäft stammenden Petro-Dollars. Die so erzeugte permanente Nachfrage nach der heimischen Währung verhindert eine allzu starke Abwertung. Wie der Finanzblog Zerohedge schreibt, habe die norwegische Regierung im Januar angekündigt, im Februar täglich Kronen im Wert von rund 104 Millionen Dollar zu kaufen, um Öleinnahmen für den Staatshaushalt bereitzustellen. Norwegens Zentralbank-Chef hat derweil vor einer übermäßigen Verwendung der Öleinnahmen gewarnt. Er geht davon aus, dass die Regierung dieses Jahr rund 10 Milliarden Dollar aus dem Staatsfonds abziehen wird.

Zusätzlicher Abwertungsdruck auf die Krone entsteht, weil wichtige Währungen seit geraumer Zeit in eine Art Abwertungs-Wettlauf miteinander eingetreten sind. Beobachter gehen davon aus, dass die EZB ihre Geldpolitik im März noch expansiver gestalten wird, um den Außenwert des Euro weiter zu senken. In den USA ist die eingeleitete Zinswende bereits ins Stocken geraten und auch China steht im Verdacht, seine Währung zumindest zeitweise künstlich zu schwächen. Norwegens skandinavische Nachbarn Schweden und Dänemark haben bereits negative Zinsen eingeführt.

Weil Norwegen als Teil des Petrodollar-Systems bis auf weiteres auf den Verkauf von Öl in Dollar und damit auf den Umtausch in Kronen angewiesen sein wird, könnte die Zentralbank bald gezwungen sein, den Leitzins deutlich zu senken. Derzeit liegt der Zins bei relativ hohen 0,75 Prozent. Die norwegische Regierung hat bereits ihre Unterstützung für eine Senkung angekündigt. „Es gibt noch Spielraum, die Konjunktur mit niedrigeren Zinsen anzukurbeln“, sagte Ministerpräsidentin Erna Solberg am Montag in einem Reuters-Interview.

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