Allianz warnt vor dem perfekten Sturm in der Welt-Wirtschaft

Die Allianz schlägt Alarm: Niedrigzinsen, die Talfahrt an den Aktienmärkten und die politischen Unsicherheiten könnte sich zu einem perfekten Sturm verdichten. Die Probleme seien weder in Wirtschaft noch in der Politik gelöst.

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Die Widrigkeiten an den Finanzmärkten und die weltweiten Krisen machen die Allianz vorsichtig. Vorstandschef Oliver Bäte stellte am Freitag in München für das laufende Jahr einen operativen Gewinn von zehn bis elf Milliarden Euro in Aussicht. Nur unter günstigen Umständen würde Europas größter Versicherer damit sein operatives Ergebnis von 10,7 Milliarden Euro aus dem vergangenen Jahr wiederholen. Niedrigzinsen, die Talfahrt an den Aktienmärkten und die politischen Unsicherheiten bildeten einen „perfekten Sturm“, dem der Münchener Versicherer trotzen wolle. „Die Probleme sind weder in der Politik noch in der Wirtschaft gelöst“, sagte Bäte.

„Wir wollen in dem schwierigen Umfeld unser Pulver trocken halten“, begründete der Manager die für viele Analysten enttäuschende Dividende. Die Allianz schüttet für 2015 mit 7,30 Euro je Aktie 45 Cent mehr aus als im Jahr zuvor. Experten hatten im Schnitt aber mehr erwartet. Das ließ die Aktie des Dax-Unternehmens ins Minus rutschen. Solche Schwankungen störten ihn wenig, machte Bäte deutlich. „Zu kurzfristig zu denken, ist der größte Fehler, den man machen kann.“

Bäte hatte nach seinem Amtsantritt versprochen, regelmäßig das Geld auszuschütten, das der Versicherungsriese nicht für Zukäufe brauche. Bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz als Allianz-Chef machte er aber deutlich, dass er stärker als sein Vorgänger Michael Diekmann auf Übernahmen setzt. Die Chancen seien gestiegen, dass sich in den nächsten zwei Jahren etwas ergebe, vor allem in der Sachversicherung. „Wir sind überzeugt, dass sich erhebliche Wachstumschancen bieten“, sagte Bäte. Er wolle „zuschlagen können, wenn der eine oder andere wackelt“.

Auf Wachstum aus eigener Kraft allein könne sich die Allianz nicht mehr verlassen. „In den letzten zehn Jahren wurde es immer schwieriger, in dieser Industrie zu wachsen.“ Dabei gehe es aber nicht um Mega-Übernahmen. „Wir wollen keine Riesen-Akquisitionen machen“, sagte Bäte. Diese schafften meistens keinen Wert.

Die milliardenschweren Mittelabflüsse bei der US-Vermögensverwaltungstochter Pimco schlugen im vergangenen Jahr erstmals auch auf das operative Ergebnis bei der Allianz durch. Dieses kletterte nur um drei Prozent und verfehlte damit das Maximalziel von 10,8 Milliarden Euro knapp. Der Nettogewinn der Allianz stieg um sechs Prozent auf 6,6 Milliarden Euro.

Pimco verdiente 2015 mit 1,8 Milliarden Euro ein Fünftel weniger. 125 Milliarden Euro zogen die Anleger nach dem abrupten Abschied von Firmengründer und Anleihen-Guru Bill Gross im vergangenen Jahr aus den Pimco-Fonds ab. Damit halbierten sich die Abflüsse zwar, doch mit einer Trendwende rechnet Bäte erst für Ende 2016. Trotzdem stehe die Allianz zu der Tochter: „Wir verlieren nicht so schnell die Geduld“, beschwichtigte Bäte. „Die Kollegen sind auf dem richtigen Weg.“ Pimco müsse nun aber an den Kosten arbeiten, drängte Finanzvorstand Dieter Wemmer.

Auch im angestammten Versicherungsgeschäft ist die Allianz mitten im Umbau. In der Lebensversicherung wendet sie sich von Produkten mit langfristigen Garantien ab, die zu viel Kapital binden. Im Neugeschäft belaste sie der Garantiezins kaum noch, sagte Kapitalanlage-Vorstand Maximilian Zimmerer. Gleichzeitig sucht er erfolgreich nach Alternativen zu Staatsanleihen: Das Volumen alternativer Kapitalanlagen – von Hypothekendarlehen bis zu Infrastruktur-Projekten – liege schon bei 92 Milliarden Euro, das sind 14 Prozent der 666 Milliarden Euro, die die Allianz für ihre Kunden angelegt hat. Binnen eines Jahres könnten daraus 110 Milliarden werden, sagte Zimmerer.

Große Umstrukturierungen plane er aber nicht, betonte Bäte. Das lenke vom Kunden ab. „Aber wir brauchen mehr Vorteile aus unserer Größe.“ Die einzelnen Landestöchter müssten stärker zusammenarbeiten, bei Produkten, aber auch in der Kapitalanlage. Auch die Manager in der Zentrale müssten „marktnäher“ werden.

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