Griechenland: Versuch der Abschaffung von Bargeld scheitert kläglich

Die griechische Regierung ist mit dem Versuch gescheitert, die Bürger aus dem Bargeld zu treiben. Steuervergünstigungen für Zahlungen mit Kreditkarten wurden nicht angenommen. Der Fall zeigt: Die Abschaffung des Bargelds ist ein Hirngespinst, dem sich die Bürger in der Praxis einfach widersetzen werden.

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Die Versuche der griechischen Regierung, die Bedeutung von Bargeld in der Wirtschaft zu schwächen, sind gescheitert. Die griechische Zeitung Kathimerini berichtet vom „Markversagen“ bei der erzwungenen Einführung von Zahlungen mit Kreditkarten: Die Berater der Foundation for Economic and Industrial Research (IOBE) hatten der griechischen Regierung prophezeit, dass sie ihre Einnahmen um 1,7 Milliarden Euro jährlich werde steigern können, wenn sie Bürger und Unternehmen zur Verwendung von Kreditkarten zwingt. Doch tatsächlich sind „griechische Geschäfte nicht bereit für die Ausweitung von Plastikgeld durch den Pflichtgebrauch von Kreditkarten im alltäglichen Handel.“ Die Regierung hatte zuvor bekanntgegeben, dass Privatpersonen und Geschäfte, die einen gewissen Mindestumsatz an Banküberweisungen und Kartenzahlungen vorweisen können, von steuerlichen Vergünstigungen profitieren könnten.

So habe ein Großteil der Geschäfte einfach die Anschaffung von Kartenlesegeräten verweigert. Viele Berufsgruppen wie beispielsweise Ärzte, Handwerker, Elektriker und Anwälte akzeptieren kaum bargeldlose Bezahlungen. Nur etwa jedes zweite Geschäft verfügt der Zeitung Kathimerini zufolge über Kartenlesegeräte, insgesamt seien dies rund 220.000 Stück. Die Regierung war davon ausgegangen, dass mindestens das Doppelte nötig wäre, um die versprochenen Mehreinnahmen wirklich generieren zu können.

Die Vorstöße für eine teilweise Beschränkung oder Abschaffung von Bargeld hatten sich in der jüngsten Vergangenheit weltweit gehäuft – auch Deutschland will einen ersten Schritt setzen und Bargeldzahlungen über 5.000 Euro verbieten. Die EZB wird die 500 Euro Note aus dem Verkehr ziehen.

In Griechenland zeigt sich, dass die Abschaffung von Bargeld in der Praxis unmöglich ist, wenn ein Staat erst einmal so am Boden liegt wie Griechenland nach der milliardenschweren Euro-Rettung. Denn das Misstrauen zwischen den Marktteilnehmern ist spätestens seit den Kapitalverkehrskontrollen so groß, dass kein Laden ungedeckte Schecks akzeptiert. Auch die Gebühren sind in dieser Situation erheblich – und werden nicht gezahlt. Außerdem ist die Anschaffung von Geräten ebenfalls vorzufinanzieren. Dem Pleite-Staat, der für die Bezahlung mit Kreditkarte Steuervergünstigungen anbietet, trauen die Bürger ohnehin nicht mehr – und sorgen dafür, dass die Wirtschaft mit Bargeld wenigstens auf Sparflamme weiterläuft.

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