Crash-Beschleuniger: Öl-Staaten steigen aus Aktien und Anleihen aus

Der Preisverfall bei Erdöl zieht immer weitere Kreise. Im laufenden Jahr werden die Staatsfonds wichtiger Ölländer wahrscheinlich in weit größerem Stil Aktien und Anleihen verkaufen müssen, als bisher angenommen. Die Folgen für das Finanzsystem sind unabsehbar.

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Staatsfonds wichtiger Erdöl-Länder werden sich 2016 wohl in weit größerem Umfang von den Aktien- und Kapitalmärkten zurückziehen, als bislang angenommen. Wie das Sovereign Wealth Fund Institute (SWFI) in einer Analyse schreibt, werden Staatsfonds 2016 Aktien im Wert von rund 400 Milliarden Dollar verkaufen, um an dringend benötigte liquide Mittel zu kommen. Bereits 2015 hatten die Fonds nach Angaben des SWFI Aktien in der Größenordnung von rund 213 Milliarden Dollar abgestoßen.

Das Gesamtvolumen der von den größten Fonds gehaltenen Aktien wird aus Sicht des SWFI 2016 auf rund 2,6 Billionen Dollar absacken. Ende 2015 hatte es noch etwa 3 Billionen Dollar betragen. Auch die getätigten Direktinvestitionen dieser Fonds fielen von rund 123 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf den Stand von rund 114 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Die Rohstoffländer benötigen zusätzliche Liquidität, um die durch den Ölpreisverfall in Schieflage geratenen Staatshaushalte zu stabilisieren.

Die Prognose des SWFI basiert darauf, dass die Ölpreise in diesem Jahr zwischen 30 und 40 Dollar pro Barrel (159 Liter) liegen werden. Erst kürzlich wies die Zentralbank Abu Dhabis aber darauf hin, dass die Notierungen im laufenden Jahr durchaus bis etwa 20 Dollar pro Barrel nach unten ausschlagen könnten. „Zumindest für die kommenden Jahre scheinen solide Fundamentaldaten dafür zu sprechen, dass sich die Preise wahrscheinlich in einer Handelsspanne zwischen 25 und 45 Dollar bewegen werden“, heißt es in einer Analyse.

Die Einschätzung des SWFI fällt pessimistischer aus als eine Prognose der Großbank JPMorgan zum gleichen Thema. Diese hatte im vergangenen Monat geschätzt, dass „die Verkäufe von Anleihen durch Öl produzierende Länder von 45 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 110 Milliarden Dollar im Jahr 2016 und die Verkäufe öffentlicher Aktien von 10 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 75 Milliarden Dollar in diesem Jahr ansteigen werden.“

Die tiefen Ölpreise sorgen nun dafür, dass viele Staatsfonds wieder die ihnen ursprünglich zugedachte Funktion erfüllen: „Die Tage, an denen Schubkarren voller Petrodollars in gigantische Lagertanks gekippt wurden, scheinen gezählt zu sein. Vermögensfonds müssen sich jetzt um die Staatsfinanzen ihrer Länder kümmern, da viele von ihnen ohnehin als Stabilisierungsfonds, Pensionsfonds oder Mischformen davon gegründet wurden“, heißt es im SWFI-Bericht.

Staatsfonds aus Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Russland lösen einen Teil ihrer Investitionen bereits auf. Auch der Fonds Saudi-Arabiens verkauft Anteile – allein im ersten Halbjahr 2015 soll die saudische Zentralbank SAMA Positionen im Gesamtwert zwischen 50 und 70 Milliarden Dollar aufgelöst haben. Auch Norwegen, das mit rund 780 Milliarden Dollar wahrscheinlich über den weltweit größten Vermögensfonds verfügt, wird im laufenden Jahr zum ersten Mal Gelder aus dem Fonds abziehen.

Unklar ist, welche Auswirkungen der Rückzug wichtiger Fonds auf die betroffenen Vermögensklassen und die Finanzmärkte insgesamt haben wird. Er findet immerhin zu einer Zeit statt, in der sich die globale Konjunktur merklich abkühlt, zahlreiche verschiedene Risiken bestehen, hohe Volatilität an den Aktienmärkten herrscht und sich der expansive Kurs der Zentralbanken als weitgehend wirkungslos herausstellt.

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