Schäuble sieht keine Pleite-Gefahr in Griechenland

Bundesfinanzminister Schäuble hat überraschend gesagt, dass er keine Pleite-Gefahr in Griechenland sieht. Das ist ungewöhnlich: Im normalen Geschäftsleben gilt es als Kreditschädigung, wenn man Unternehmen in den Zusammenhang mit einer Insolvenz bringt.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht das Euro-Sorgenkind Griechenland in einer schwierigen Lage, spricht aber nicht von einer akuten Pleitegefahr. „Ich kenne die Zahlen zum Finanzierungsbedarf Griechenlands ziemlich gut“, sagte er am Samstag nach der Konferenz der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Shanghai. „Griechenland hat eine außergewöhnlich schwierige Situation.“ Es müsse seine Austeritäts-Verpflichtungen im Rahmen des europäischen Kreditzusagen einhalten, und es stehe wegen des starken Zustroms an Flüchtlingen unter Druck. Das mache die Sache nicht einfacher.

Beim G20-Treffen in China hat Griechenland Schäuble zufolge keine große Rolle gespielt. Man hab sich aber am Rande dazu ausgetauscht. Der Spiegel hatte zuvor berichtet, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) davon ausgeht, dass die Griechen ab Ende März wieder Schwierigkeiten haben könnten, ihre dann fälligen Schulden zurückzuzahlen.

Die Wortmeldung von Schäuble ist ungewöhnlich: Allein die Erwähnung einer möglichen Pleite ist im normalen Geschäftsleben eine Kreditschädigung – besonders, wenn sie, wie Schäuble behauptet, nicht besteht. In diesem Fall gibt es eine einfache Regel: Man sagt nichts dazu.

In jedem Fall profitieren internationale Konzerne von der Entwicklung: Die Übernahme von 14 griechischen Flughäfen wird den Betriebsgewinn von Fraport über die Marke von einer Milliarde Euro hieven. Das operative Ergebnis (Ebitda) des Konzerns werde allein durch den Deal im ersten vollen Jahr um 100 Millionen Euro erhöht, sagte Finanzchef Matthias Zieschang in einem Interview der „Börsen-Zeitung“ (Samstagausgabe). Die Transaktion werde voraussichtlich gegen Ende 2016 abgeschlossen. Das Ebitda blendet allerdings Abschreibungen etwa auf Investitionen ebenso wie Zins- und Steuerzahlungen aus. Eine Kapitalerhöhung plant der Betreiber des Frankfurter Flughafens nach eigenen Angaben für die Zukäufe nicht, der bereits in verschiedenen Länder aktiv ist.

Nach dem Abschluss der Übernahme zum Betrieb der 14 Regional-Airports würden über 300 Millionen Euro investiert, ergänzte Zieschang. „Mit einer deutlichen Vergrößerung und Optimierung der Handelsflächen können wir beispielsweise recht zügig zusätzliche Umsätze generieren.“ Zudem gebe es wegen zahlreicher Krisen auf der Welt mehr Touristen, die Griechenland als Urlaubsland auswählten.

Fraport wird die Flughäfen – vor allem auf Ferieninseln wie Korfu und Mykonos gelegen – zusammen mit dem griechischen Partner Copelouzos 40 Jahre lang betreiben. Das Konsortium, an dem Fraport die Mehrheit hält, überweist dafür 1,23 Milliarden Euro. Das hoch verschuldete Griechenland musste die Airports auf Druck der internationalen Geldgeber privatisieren.

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