Fußball-WM in Deutschland: DFB kann Betrug nicht ausschließen

Der Deutschen Fußball Bund hat im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland keine Beweise gefunden, dass die WM gekauft gewesen sei. Doch kann der DFB nicht ausschließen, ob Betrug im Spiel war. Denn Deutschland fehlte genau eine Stimme. Wie diese schließlich gewonnen wurde, kann der DFB nicht beurteilen.

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Es gebe keinen Beweis, dass für die Vergabe Stimmen gekauft worden seien, sagte der Chefaufklärer des Deutschen Fußball-Bundes, Christian Duve, am Freitag bei der Vorstellung seines Untersuchungsberichtes in Frankfurt. Zweifel blieben jedoch, da ein Betrug nicht ganz ausgeschlossen werden könne. Zudem gerät Franz Beckenbauer verstärkt ins Visier. Der frühere Chef des WM-Bewerbungskomitees soll den Ermittlungen zufolge direkt in eine ominöse Zahlung verwickelt sein. Guten Noten erhielt der Verband von der Antikorruptionsorganisation Transparency International. „Die Aufklärung hat einen glaubwürdigen Eindruck gemacht“, sagte Sportbeauftragte Sylvia Schenk.

Die WM 2006 ging als Sommermärchen in die Geschichte ein, weil Millionen Deutsche das Turnier ausgelassen feierten. Seit einem Pressebericht im Oktober über Unregelmäßigkeiten besteht aber der Verdacht, dass die WM gekauft gewesen sein könnte. Anwalt Duve von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer war vom DFB selbst eingeschaltet worden, um die Affäre aufzuklären. Dafür durchforsteten die Juristen 128.000 elektronische Dokumente und 650 Aktenordner. Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Frage, wie Deutschland im Jahr 2000 den Zuschlag für die WM erhielt. Darüber entscheidet der Weltverband Fifa hinter verschlossenen Türen. Im Zuge des Fifa-Skandals stellte sich jedoch heraus, dass die Vergabe für Bestechung anfällig ist. Merkwürdigkeiten gab es Duve zufolge einige. So habe Deutschland eigentlich eine Stimme aus Asien für den Zuschlag gefehlt. „Wir haben feststellen können, dass es möglicherweise eine Änderung im Stimmverhalten gegeben hat.“ Wie diese zustande kam, sei unklar.

Im Fokus der Juristen stand zudem eine Überweisung von 6,7 Millionen Euro vom deutschen WM-Organisationskomitee an die Fifa. Der ehemalige Adidas -Chef Robert Louis-Dreyfus hatte dem DFB 2002 das Geld vorgestreckt, Jahre später landete die Summe von einem Fifa-Konto wieder bei ihm. In die Überweisung sei Beckenbauer direkt verstrickt, sagte Duve. Die Zahlungen seien teilweise über seine Konten abgewickelt worden. Beckenbauer selbst hat Fehler eingeräumt, ein Fehlverhalten aber stets zurückgewiesen. Am Freitag war er nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die WM-Affäre schlägt auch beim DFB selbst hohe Wellen. Mehrere Führungskräfte räumten bereits ihre Ämter, darunter der Präsident Wolfgang Niersbach. Sein designierter Nachfolger Reinhard Grindel versprach einen Neuanfang. „Die Kontrollmechanismen im Verband müssen wieder funktionieren.“ Deshalb sei er für die Gründung einer Ethikkommission. „Wir brauchen in Zukunft mehr Transparenz auf allen Ebenen.“ An die Spitze des DFB soll der jetzige Schatzmeister Grindel Mitte April gewählt werden

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